Nationalspieler findet Kritik schade

Özil: "Habe viel für Deutschland getan"

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Mesut Özil.

London - Mesut Özil ist weltweit der wohl bekannteste deutsche Fußballer. In Deutschland wird er aber oft kritisch gesehen. Darüber spricht er im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst.

 Er ist Deutschlands teuerster Fußballer, hat fast fünfmal so viele Twitter-Follower wie Bayern München und verkauft weltweit die drittmeisten Trikots nach Cristiano Ronaldo und Lionel Messi: Mesut Özil ist Deutschlands weltweit bester Export in Sachen Fußball. Doch ausgerechnet in seiner Heimat wird der gebürtige Gelsenkirchener häufig kritisiert. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) reagiert Özil darauf mit Unverständnis.

Er habe „schon“ das Gefühl, in seiner Heimat besonders kritisch gesehen zu werden, sagt der Mittelfeldstar des FC Arsenal. „Ich finde das sehr schade, weil ich glaube, viel für Deutschland getan zu haben“, sagt der 26-Jährige: „Ich habe mich immer vorbildlich verhalten, alles für die Nationalmannschaft gegeben und bin allen respektvoll gegenübergetreten. Ich bin in Deutschland aufgewachsen, ich habe viele Freunde dort.“

Zuletzt hatte Özil in einem Interview betont, nicht mehr als „Deutsch-Türke“ tituliert werden zu wollen: „Bei den anderen sagt man auch nicht “Deutsch-Pole' oder 'Deutsch-Tunesier'.„ Die Reaktionen auf diesen Vorstoß seien `insgesamt schon positiv“ gewesen, berichtet Özil: „ Mir war es wichtig, dass die Leute verstehen, dass ich mir darüber Gedanken mache.“

Keine Option ist es für ihn, sich durch Machtansprüche zu positionieren. „Ich bin eher der ruhige Typ. Ich brauche keine Ämter und keine Macht“, betont er: „Und ich würde so etwas auch nie in der Öffentlichkeit fordern, auch wenn ich es aufgrund meiner Leistungen vielleicht auch verdient hätte, Kapitän zu sein. Aber der Trainer und die Mitspieler wissen auch so, was sie an mir haben. `

Gegen Australien im März durfte er eine halbe Stunde die Binde tragen. Sollte er sie irgendwann zu Beginn des Spiels tragen, würde er aber wohl im Gegensatz zu Sami Khedira nicht die Hymne singen - was er aber unter keinen Umständen als Zeichen mangelnder Identifikation verstanden wissen will.

`Glauben Sie mir, ich identifiziere mich voll mit der deutschen Nationalmannschaft und den Werten, die dieses Team zusammenhält“, beteuert er: „Ich bin stolz, hier aufgewachsen zu sein und für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. Aber ich glaube nicht, dass man die Hymne singen muss, um ein guter Deutscher zu sein. In diesem kurzen Moment vor dem Spiel bete ich für Erfolg und Gesundheit der Mannschaft.“

Die Vorwürfe an ihn sind immer dieselben. Die sogar von Bundestrainer Joachim Löw schon kritisierte Körpersprache zum Beispiel als vermeintliches Zeichen mangelnder Einstellung. Studien aus England zeigten aber, dass keiner bei Arsenal so viel läuft wie Özil. Dass ihm die - seiner Meinung nach ungerechtfertigten - „Raffzahn“-Vorwürfe aus Schalker Zeiten noch schaden, glaubt er nicht: „Das ist sehr, sehr lange her.“

Was aber sein Schicksal scheint: Ausgerechnet bei seinen großen internationalen Titeln musste der etatmäßige Spielmacher Aushilfsjobs übernehmen: Bei der U21-EM 2009 versetzte ihn Trainer Horst Hrubesch mangels Alternativen in den Sturm. Bei der WM 2014 verschob ihn Löw nach links. Gefeiert wurden nachher andere. „Jeder weiß, dass die Zehn meine Lieblings-Position ist“, sagt Özil dazu: „Aber wenn mich die Mannschaft woanders braucht, spiele ich dort. Ich bin kein Unruhestifter. Und im Endeffekt sind wir mit dieser Aufstellung als Team Weltmeister geworden.“

Bei Real Madrid haben sie ihn 2013 im letzten Moment abgeschoben, weil sie wenigstens einen Teil der 100 Millionen für Gareth Bale wieder reinbekommen mussten. Cristiano Ronaldo hat sich wegen diesem Verkauf sogar mit der Vereinsführung angelegt, was Özil „sehr ehrt. Er hat nicht vergessen, wie viele Tore ich ihm in den drei Jahren vorbereitet habe“.

Nun hofft Özil, dass sie ihn bald auch in Deutschland positiver sehen - auch ohne Hymne und Kapitänsamt.

sid

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