Klopp nach 1:2 in Köln bedient - Zorc: "Krise"

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Kevin Vogt (r) überwindet BVB-Keeper Roman Weidenfeller. Foto: Rolf Vennenbernd

Köln - Als Manager Michael Zorc freizügig das Wort "Krise" bei Borussia Dortmund zuließ, waren BVB-Trainer Jürgen Klopp oder auch Torhüter Roman Weidenfeller längst konsterniert vom Rasen des Kölner Stadions geschlichen.

Sie alle waren restlos bedient und teilweise regelrecht ratlos nach dem 1:2 (0:1) bei Aufsteiger 1. FC Köln - die dritte Bundesliga-Niederlage nacheinander schien Klopp und Co. fast mürbe zu machen.

"Wir haben eine Art Fußball gespielt, die absolut keinen Sinn macht." Derart harsche Worte sind von Klopp sehr selten zu vernehmen. Am Samstag, nach den Gegentreffern von Kevin Vogt in der 40. und Simon Zoller in der 74. Minute, war es wieder einmal soweit: "Wir haben uns die Suppe erneut selbst eingebrockt und waren nicht in der Lage, sie selbst auszulöffeln", ließ der BVB-Coach wissen.

Die Ratlosigkeit griff so heftig um sich, dass Zorc sogar von der "schwierigsten Situation in den letzten Jahren" sprach. Der stolze Meisterschaftszweite, in der Champions League zweimal ohne Gegentor erfolgreich, dümpelt nur noch rum. Zorc: "Wir müssen erstmal schauen, dass wir da unten rauskommen. Der Abstand nach oben wird immer größer." Auf Titelträger Bayern, den die BVB-Profis eigentlich attackieren wollten, beträgt er schon 13 Zähler.

Auch die Rückkehrer Ilkay Gündogan und Marco Reus konnten da nicht entscheidend helfen. Gündogan wurde von Klopp erstmals nach einer Verletzungspause von 434 Tagen wieder in einer Erstligapartie eingesetzt und war laut Zorc "das einzig Positive am heutigen Tag". Der Ausgleich von Ciro Immobile (48.) zum zwischenzeitlichen 1:1 war zu wenig, um die Krise zu beenden.

"Achter Spieltag, sieben Punkte - das ist viel zu wenig für unsere Ansprüche", kommentierte Zorc, der auch kaum eine Erklärung fand, warum es überhaupt nicht mehr läuft in der Liga. Vielleicht das: "Bei dem einen oder anderen muss es mal richtig klick machen." Zorc war regelrecht sauer auf die "sogenannten Führungsspieler", denen er eines gnadenlos vorhielt: "Sie machen kapitale Böcke."

Wie etwa Keeper Weidenfeller, der vor dem 1:2 unmotiviert an einer Flanke vorbeiflog und Zoller, wie zuvor schon Vogt beim 1:0 der Kölner, nur noch einschieben musste. Am Schluss jubelte nur der FC. Trainer Peter Stöger: "Das ist eine riesen Überraschung nach einer großartigen kämpferischen Leistung meiner Mannschaft." Und die beendete dank der Premierentreffer der Neuzugänge Vogt und Zoller für den FC dessen Serie von zuvor acht Pleiten gegen den BVB. Das 1:0 war gleichzeitig das 1500. Heimtor in Liga eins und der erste Heimtreffer dieser Saison für die "Geißböcke".

Für Weltmeister Mats Hummels war die Enttäuschung "riesig groß". Sein Team habe die Kölner mit entscheidenden Fehlern ins Spiel gebracht. Der BVB-Kapitän hielt eines mit großes Skepsis für die Zukunft fest: "Das zieht sich jetzt seit fünf Spielen gnadenlos durch. Das ist eine Phase, die man in Dortmund nicht oft hat."

Es muss schnell besser werden. Denn die Partie in Köln war der Auftakt zu einer Serie von sieben Partien binnen 23 Tagen. "Für uns beginnt jetzt der Rest der Saison", hatte Klopp vor dem Auftritt in Müngersdorf angekündigt. Er ist jetzt mehr denn je als Psychologe und Motivator gefragt vor dem Königsklassenduell bei Galatasaray Istanbul am Mittwoch.

Spieldaten:

Ballbesitz in %: 35,8 - 64,2

Torschüsse: 5 - 16

gew. Zweikämpfe in %: 51,8 - 48,2

Fouls: 11 - 14

Ecken: 3 - 6

Statistik Köln-Dortmund bei "fussballdaten.de"

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