"Plan komplett überdenken"

Löw: Eine Chance hat Kießling noch

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Stefan Kießlings WM-Zug nach Brasilien ist offenbar noch nicht ganz abgefahren

München - Bundestrainer Joachim Löw hält Bayer Leverkusens Torjäger Stefan Kießling die Tür zur Fußball-Nationalmannschaft vor der WM in Brasilien offen.

Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Doppelsechs an der Seite von Bastian Schweinsteiger und Starkoch Tim Mälzer als Assistenztrainer: Joachim Löw hat für die WM-Endrunde in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) offenbar noch einige Überraschungen in petto.

„Auf jeden Fall wäre sie sofort im Mannschaftsrat. Auf dem Platz wäre sie mit ihrem Überblick auf einer zentralen Position im Mittelfeld gut aufgehoben, am besten in der Nähe von Bastian Schweinsteiger. Die beiden würden prima harmonieren“, verriet der Bundestrainer im aktuellen SZ-Magazin, wo Merkel mit ihren strategisch Fähigkeiten am besten in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft aufgehoben wäre.

Bei TV-Koch Mälzer als Coach hätte Löw „ein gutes Gefühl, wenn sie so coachen wie sie kochen“. Der Bundestrainer hat sich erst kürzlich persönlich von den Kochkünsten des 42-Jährigen überzeugt. Löw beantwortete für das SZ-Magazin 45 Fragen von Prominenten, wobei ausgerechnet Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel Löw zu einer durchaus überraschenden Antwort verleitete.

„Sollte sich jemand verletzten oder in ein Formtief geraten, bin ich bereit, meinen Plan komplett zu überdenken“, beantwortete Löw Vettels Frage, warum der Bundestrainer Bundesliga-Torschützenkönig Stefan Kießling von Bayer Leverkusen „keine echte Chance“ in der Nationalmannschaft gebe.

„Ich habe ihm gesagt, dass ich auf der Mittelstürmerposition eher auf Miroslav Klose und Mario Gomez zähle“, antwortete Löw, ehe er eventuelle Verletzungsprobleme und Formschwäche und damit wieder Kießling ins Spiel brachte.

Kießling selbst hat das Thema Nationalmannschaft zwar offiziell abgehakt, selbst aber auch immer wieder betont, dass er im Notfall zur Verfügung stehe. Damit rechnet er aber nicht, auch wenn derzeit Italien-Legionär Gomez vom AC Florenz nach seinen am 15. September 2013 erlittenen Innenbandteilriss im rechten Knie sein Comeback mehrmals verschieben musste.

„Das wird nicht passieren“, so Kießling. Löw habe ihm klar gesagt, „dass er nicht mit mir plant, auch nicht für die WM. Da kann passieren, was will. Es ist okay, dass er mir das gesagt hat. Aber damit ist das Thema für mich durch.“ Einen Rücktritt aus der DFB-Auswahl hatte der Bayer-Torjäger allerdings ausgeschlossen.

Ob mit oder ohne Kießling, der Titel bei der WM an der Copacabana ist nicht nur für die deutsche Mannschaft, sondern auch für den Bundestrainer persönlich das großes Ziel. „Titel sind das Wichtigste, für einen Trainer wie für die Fans. Nur Titel verschaffen vollkommene Zufriedenheit“, gestand Löw, der aber auch klarstellte: „Für mich als Trainer gibt es aber auch jenseits von Pokalen eine große Befriedigung.“ Dass mittlerweile auch Kreativität, Technik und Spielwitz zu den deutschen Fußball-Tugenden zählen, würde ihm ein gutes Gefühl geben.

Löw äußerte sich auch noch einmal zum Coming-Out von Thomas Hitzlsperger und zu der Frage, warum Homosexualität im Fußball immer noch ein Tabuthema sei: „Mann kann Fußball und Politik nicht vergleichen. Im Sport sind wir den Emotionen der Öffentlichkeit viel direkter ausgesetzt. Wenn sich da ein aktiver Spieler als homosexuell outet, bekommt er die emotionale Reaktion rivalisierender Fans unmittelbar zu spüren. Das darf man nicht unterschätzen. Ich wünsche mir aber, dass Hitzlspergers Bekenntnis bei uns allen zu einem entspannteren Umgang mit dieser Thematik beiträgt.“

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dpa/sid

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