Holland lässt es grachten

Amsterdam - Doppelter Ritterschlag, ein Empfang bei Königin Beatrix, und zum Schluss ein Bootskorso durch die Grachten von Amsterdam: Die Elftal lässt sich feiern.

Empfang und Bootskorso: Die Bilder

Holland lässt es grachten: Empfang und Bootskorso

Holland lässt es grachten: Empfang und Bootskorso

Sportler trinken nicht? Beim fröhlichen Bootskorso für den Fußball-Vizeweltmeister über Amsterdams Grachten floss das “Biertje“ überall - und auch auf dem geschmückten Boot der Oranje-Elftal in Strömen. Immer wieder prosteten sich Fans und Fußballer zu. Es gab Kusshändchen von ungezählten Meisjes am Ufer und in kleinen Booten, junge Burschen sprangen vor Begeisterung ins Wasser. “Eine solche Stimmung hat Amsterdam zuletzt mit den Beatles erlebt, und davor nur mit Elvis Presley“, sagte ein TV-Reporter.

“Das hätte ich nun doch nicht erwartet, die vielen Menschen, das tut jetzt richtig gut“, meinte Nigel de Jong erfreut. Stärker als andere Oranje-Kicker hatte der Mittelfeldakteur nach der dramatischen 0:1-Niederlage Hollands im WM-Finale gegen Spanien wegen allzu harten Einsteigens in der Kritik gestanden - vor allem wegen seines rotverdächtigen Kung-Fu-Tritts gegen die Brust von Xabi Alonso.

Auch noch am Tag des Festumzugs bemängelten internationale und niederländische Zeitungen klar und deutlich die vielen Fouls und das teils aggressive Spiel des Oranje-Teams. “Die niederländische Elftal war extrem unsportlich“, schrieb die vielgelesene Zeitung “Algemeen Dagblad“. “Es gab keine ,beautiful losers', sondern nur hässliche Verlierer.“

Oranje-Trainer Bert van Marwijk wies aber alle Kritik zurück. “Das passt nicht zu mir und das passt nicht zu unserem Team“, sagte er bei einem Empfang durch Ministerpräsident Jan Peter Balkenende in Den Haag - kurz nachdem ihm und Kapitän Giovanni van Bronckhorst mit der Erhebung zu Rittern von Oranien-Nassau höchste Ehren zuteil wurden.

Auch Bayern-Kapitän Mark van Bommel widersprach den Kritikern. Schließlich hätten auch die Spanier mehrfach Gelb gesehen, sagte der Mittelfeldspieler. “Ich fand den Schiedsrichter höchst unglücklich.“ Referee Howard Webb hatte dagegen das extrem hart geführte Finale als “Höllenritt“ bezeichnet.

Doch all das war nun kein Thema mehr. Auch beim Empfang durch Königin Beatrix in Palast Noordeinde in Den Haag sei darüber “mit keinem Wort gesprochen“ worden, sagten Teilnehmer der Begegnung hinter verschlossenen Türen. “Die Königin hatte den Wunsch, dem Oranje-Team für die Gesamtleistung zu danken“, hieß es bei Hofe. Danach erschien die Monarchin zum Gruppenfoto, ohne sich öffentlich zu äußern.

In zwei Hubschraubern der niederländischen Luftwaffe reisten die Oranje-Spieler nach Amsterdam. Dort überflogen sie zunächst die bereits Zehntausenden Fans auf dem Museumsplein vor dem Reichsmuseum, der größten Fanmeile des Landes. Dort startete unmittelbar nach dem Bootskorso die Jubelfeier für die “Elftal“.

Auch hier wieder beste Stimmung. “Viva Hollandia!“-Gesänge, Vuvuzela-Tröten und holländische Schlager wechselten sich ab. Rund 180 000 Fans sangen und tanzten mit. Auf selbstgemalten Schildern hielten viele Sympathie-Bekundungen hoch. “Wesley (Sneijder), I love you“, war da zum Beispiel zu lesen.

Auch Stürmerstar Arjen Robben konnte sich vor Liebeserklärungen kaum retten - die Spieler-Frauen und -Freundinnen nahmen es mit Humor. “Es tut immer noch weh, dass wir die Chance zum Titel verpasst haben“, gestand Robben. Aber der Empfang durch die Fans helfe, dies zu überwinden. An diesem Tag sei “der totale Oranje-Wahnsinn“ angesagt, sagte Balkenende. “Heute zeigt Holland, dass wir auf Euch stolz sind.“

dpa

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