Erdogan-Affäre sorgt weiter für Wirbel

Nach Bierhoff-Aussage: Papa von Mesut Özil ledert gegen DFB und rät Sohn zum Rücktritt

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Mesut Özil schied mit der Nationalelf vorzeitig nach der Gruppenphase aus.

Mesut Özil polarisiert, nicht zuletzt wegen seines Fotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff kritisierte den Mittelfeldmann öffentlich. Jetzt meldet sich Mesuts Vater Mustafa zu Wort.

München - Die Personalie Mesut Özil bewegt auch knapp zwei Wochen nach Deutschlands WM-Aus die Gemüter. Doch nicht (nur) die insgesamt sparsame Leistung des Mittelfeldtechnikers steht im Zentrum des Interesses. Nach wie vor bestimmt das im Vorfeld der WM aufgenommene Foto Özils mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan die Debatte.

Der Spieler selbst hat sich auch nach dem WM-Aus nicht zu der diskutablen Aufnahme geäußert und stattdessen romantische Fotos aus seinem Urlaub in den sozialen Medien gepostet. Dafür hatte sich DFB-Teammanager Oliver Bierhoff zuletzt öffentlich kritisch über Özil ausgelassen: „Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet“, hatte Bierhoff in der Welt erklärt und war tags darauf gleich wieder zurückgerudert. Seine Versuche, die stillose Kritik wieder einzufangen, sind gründlich misslungen.

Mesut Özils Vater poltert gegen Bierhoff-Kritik: „Frechheit“

In die öffentliche Diskussion hat sich nun auch Mesut Özils Vater Mustafa eingeschaltet. Im Interview mit der Bild am Sonntag  (Achtung: „Bild Plus“-Inhalt und daher kostenpflichtig) rechnet der 50-Jährige mit Bierhoff und dem DFB ab. Der Papa war bis 2013 Berater seines Sohnes, bis ein Streit die Geschäftsbeziehung beendete. Auch privat gibt es dem Bericht zufolge nur sporadisch Kontakt zwischen Mustafa und Mesut. Nichtsdestotrotz fühlt sich Vater Özil berufen, seinen Sohn zu verteidigen und gegen die öffentlichen Angriffe in Schutz zu nehmen.

Mustafa Özil war bis 2013 Berater seines Sohnes - hier ein Bild von der EURO 2012.

Die Aussage von Bierhoff sei eine Frechheit, poltert er. „Sie dient nur dazu, die eigene Haut zu retten. Der DFB hat es versäumt, ein klares Krisenmanagement zu machen. Jetzt zu sagen, man hätte überlegen müssen, auf Mesut zu verzichten, ist ja wohl ein schlechter Witz“, findet Özil senior. Viel lieber hätte er eine richtige Strategie zwischen DFB und den betroffenen Spielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan gesehen, etwa ein gemeinsames Interview oder eine Pressekonferenz: „So hatte man das Gefühl, der eine wusste nicht, was der andere tut. Das war nicht professionell. Darüber bin ich enttäuscht.“

Vater Özil: „An Mesuts Stelle würde ich zurücktreten“

Den Aufruhr um das Foto seines Sohnes mit Erdogan kann der Papa ohnehin nicht nachvollziehen. Zwar habe er beim ersten Anblick gedacht: „Das war jetzt keine so gute Idee.“ Doch den anschließenden Wirbel hätte er nicht erwartet. Die Diskussion beziehungsweise den Umgang mit diesem Thema findet er scheinheilig. „Es gibt so viele Verbindungen im Fußball, über die man debattieren kann. Die Vergaben der WM durch die Fifa an Russland und Katar (...), Schalkes Hauptsponsor ist Gazprom, ein russischer Konzern, der FC Bayern macht sein Trainingslager in Katar. Beim Foto von Mesut aber war der Aufschrei so groß, dass ich dachte: Was ist denn jetzt los?“

Auch die sportliche Kritik am Auftreten Mesut Özils und dem vorzeitigen Vorrunden-Aus beim Turnier in Russland hält sein Vater für nicht gerechtfertigt: „Das kann man doch nicht Mesut allein in die Schuhe schieben. Da sind 23 Spieler im Kader. Die ganze Mannschaft hat versagt, nicht ein Einzelner.“ 

Als Konsequenz rät Papa Özil seinem Sohn zu einem klaren Schnitt. „Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich sagen: Schönen Dank, aber das war es! Dafür ist die Kränkung dann doch zu groß. Und wer weiß denn, was beim nächsten Spiel ist? An Mesuts Stelle würde ich zurücktreten.“ Man darf davon ausgehen, dass in der Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

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