Nach Erdogan-Affäre

Scharfe Kritik an Bierhoffs Özil-Schelte: „Stillos, peinlich und unwürdig“

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Oliver Bierhoff muss sich für seine Özil-Schelte scharfe Kritik gefallen lassen.

Oliver Bierhoff hat Mesut Özil scharf kritisiert und dessen Zukunft im Nationaldress in Frage gestellt. Jetzt erhält der DFB-Manager Kritik von mehreren Kommentatoren.

Frankfurt/Main - Oliver Bierhoff hat mit seiner deutlichen Kritik an Nationalspieler Mesut Özil aufhorchen lassen: „Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet.“ Für diese Aussage muss sich der Team-Manager jetzt viel Kritik gefallen lassen.

Nach dem WM-Finale meldete sich auch Özil zu Wort

Ahrens: „Der DFB hat Özil das Schweigen leicht gemacht“

So schreibt Peter Ahrens, Sportredakteur bei Spiegel Online: „Wenn der Manager sich so über einen Spieler äußert, der immerhin seit 2010 das sportlich kreative Zentrum dieses Teams ist, kann dies nur zwei Gründe haben: Er weiß bereits, dass Özil nach allem, was passiert ist, ohnehin nicht mehr in der Nationalmannschaft auflaufen möchte. Oder er will dazu beitragen, dass dies passiert.“ Dieses Vorgehen Bierhoffs hält er für „stillos und eines Verantwortlichen nicht würdig“.

Das soll aber nicht bedeuten, dass die Erdogan-Bilder richtig gewesen seien. Özil zu einer öffentlichen Aufarbeitung zu überreden, sei jedoch Aufgabe des DFB gewesen, findet Ahrens. Stattdessen habe der Verband Özil das Schweigen leicht gemacht, indem man ihn von Medienpflichten befreite. Der DFB habe während der gesamten Erdogan-Affäre keinen klaren bzw. gar keinen Kurs gezeigt.

Hrstic zu Bierhoff: „Stillos, peinlich und eines DFB-Funktionärs unwürdig“

In die gleiche Kerbe schlägt auch Ivo Hrstic, Sport1-Chefredakteur-Digital. Er hält Özils Schweigen zu der Foto-Affäre für „fatal“, es sei aber die Aufgabe des Verbandes gewesen, seinen Nationalspieler zu einer Stellungnahme zu bewegen. Mit seiner Kritik würde Bierhoff jetzt aber allen „rechten Pöblern“ Recht geben, die auf das Thema aufgesprungen sind. „Dass Bierhoff das billigend in Kauf nimmt, um seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, ist nicht nur stillos, sondern peinlich und eines DFB-Funktionärs unwürdig“, so Hrstic.

Für Marian Laske von reviersport.de ist ebenfalls klar: „Bierhoff hat sich das schwächste Glied ausgesucht. Das ist einfach. Das stärkt ganz sicher nicht den Mannschaftsgeist. Vor allem aber spricht auch Bierhoff von den Werten, die der DFB verkörpern muss. Nachtreten gehört nicht dazu.“

Wie geht es mit Özil im Nationalteam weiter?

Nach der heftigen Kritik, die auf den Mittelfeld-Regisseur einprasselte, ist es fraglich, ob der weiter im Dress des DFB-Teams auflaufen will. Bierhoff dürfte mit seiner Kritik nicht dazu beigetragen haben, Özil von einem Verbleib zu überzeugen. Der Mittelfeldspieler hat sich bisher nicht zu seiner Zukunft im DFB-Trikot geäußert. Momentan erholt er sich zusammen mit seiner Freundin in Griechenland von der langen Saison. Ob er nach all den Debatten und öffentlichen Meinungen über ihn wirklich weiter macht, erscheint fraglicher denn je.

Lesen Sie auch: Die sture Haltung in der Erdogan-Affäre dürfte für Weltmeister Mesut Özil jetzt doch noch weitreichende Folgen haben.

Auch interessant: Christoph Daum hat in einem Interview Veränderungen von Bundestrainer Joachim Löw eingefordert. Auch an der Rolle von Mesut Özil übte er Kritik.

tb

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