WM-Maskottchen

Willie, Ciao, Goleo: Fulecos traurige Vorgänger

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Fuleco (l.) hatte sehr schräge Vorgänger.

Rio de Janeiro - Tiere, Menschen, Merkwürdigkeiten: Die Geschichte der Maskottchen der Fußball-Weltmeisterschaften ist voll eigenartiger Kreationen.

Fuleco trägt eine Hose. Das ist gut so. Im Gegensatz zum zotteligen Löwen Goleo, Maskottchen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, eignet sich der brasilianische Nachfolger ganz und gar nicht für Debatten über Stilfragen. Das gelbe Gürteltier mit dem blauen Panzer ist anständig angezogen und sieht auch sonst einigermaßen passabel aus. Einige seiner Vorgänger waren da ärmer dran.

Mittlerweile ist es fast 50 Jahre her, dass erstmals ein Maskottchen die WM-Bühne betrat. World Cup Willie, der Löwe mit dem „Union Jack“ auf der stolz geschwellten Brust, leistete 1966 in England Pionierarbeit. Bemitleidenswert sah der König der Tiere aus, nicht gerade zum Knuddeln. Immerhin brachte die Kreatur mit den Sehschlitzen im wahrsten Sinne des Wortes Glück, die Three Lions holten ihren einzigen Titel.

Mehr oder wenige gelungene Schöpfungen

Seit der Premiere sind mehr oder weniger gelungene Schöpfungen dieser Art fester Bestandteil jeder Weltmeisterschaft. Fast immer bedienen sich die Künstler in der Tierwelt oder stilisieren Menschen, der erste echte Ausbruch erfolgte ausgerechnet 1990. Auf dem Weg zum Titelgewinn der deutschen Elf durften die Fans „Ciao“ bewundern, ein am Computer animiertes aus grünen, weißen und roten Würfeln bestehendes Männchen mit einem Fußball als Kopf. Gastgeber Italien schaffte das Kunststück, schon vor Turnierbeginn ein Eigentor zu schießen.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, aber „Ciao“ ist einfach nur missglückt. Gerade deshalb hat die Figur bis heute Kult-Charakter, im Online-Auktionshaus ebay bringen Originalartikel von der damaligen Endrunde hohe Summen. Günstiger bekommt man neu aufgelegte Produkte auf der Homepage des Weltverbandes (fifa.com).

Die WM-Maskottchen seit 1966

Die WM-Maskottchen seit 1966

Beim Thema Maskottchen ist nichts mehr wie in den Anfangstagen. Heute wird versucht, über das Marketing-Instrument ordentlich Geld einzunehmen. Entsprechend groß ist der Aufwand, Fuleco hat seine eigene Homepage und twittert sogar. Mehrsprachig versteht sich. „Meine Social-Media-Profile pflege ich rege, damit meine Familie und Freunde an meinem Leben teilhaben können“, teilt der kleine Säuger mit. Aha.

Das Gürteltier steht für Brasilien

Nichts wurde bei der Schöpfung dem Zufall überlassen. Das Dreibinden-Gürteltier kann sich bei Gefahr zu einer Kugel (= rund = Fußball) zusammenrollen, ist nach eigenen Angaben natürlich ein „waschechter Brasilianer“ und 14 Jahre alt. „Mein Geburtstag ist der 1. Januar 2000“, steht im Profil.

Der Bezug zu Brasilien ist überdeutlich. Auch Willie passte zu England, die im Gegensatz zu Fuleco immer kugelrunde Orange „Naranjito“ zu Spanien (1982), der schreckliche Hahn „Footix“ zu Frankreich (1998) und der Leopard „Zakumi“ zu Südafrika. Warum aber ein Löwe für Deutschland? Das Geheimnis wurde bis heute nicht gelüftet.

Goleo sorgte aber nicht nur wegen seiner ungeklärten Herkunft und seiner fehlenden Hose für Verwirrung. Mal ganz abgesehen davon, dass ganz grundsätzlich viel merkwürdiger ist, wenn ein Tier ein Trikot trägt. Das nackte Fell ist eigentlich die kleinere Überraschung, aber nicht in der Welt der Maskottchen.

sid

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