Nach 1:5-Debakel

Fink stinksauer - HSV-Kapitän wirft Binde weg

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Thorsten Fink

Hamburg - Nach dem Fehlstart des Hamburger SV in die Bundesliga-Saison inklusive Debakel daheim gegen Hoffenheim ist Trainer Thorsten Fink richtig laut geworden.

Kapitän Rafael van der Vaart warf bei seiner Auswechslung stinksauer die Binde aufs Spielfeld, Thorsten Fink rastete nach unbequemen Reporterfragen komplett aus. Der 1:5 (1:1)-Offenbarungseid gegen den vorjährigen Fast-Absteiger 1899 Hoffenheim und insgesamt acht Gegentore in zwei Partien zum Saisonstart trieben dem Trainer des Hamburger SV die Zornesröte ins Gesicht: „Das war Scheiße, aber ich kann nicht aufgeben.“

Er fühlt sich von seinen Profis im Stich gelassen. Dennoch gab er zwei Tage trainingsfrei. „Das ist einzig und allein die Entscheidung des Trainers. Ob die Maßnahme fruchtet und eine entsprechende Gegenreaktion kommt, werden wir am nächsten Samstag sehen“, sagte Präsident Carl Edgar Jarchow Sky Sport News. Allein Nationaltorhüter René Adler wurde am Sonntag am Volkspark zum freiwilligen Training gesichtet.

„Ich bin nicht genervt, ich bin kampfeslustig. Es lag nicht an der taktischen Ausrichtung, der Gegner war technisch besser und schneller“, brüllte Fink im Presseraum. Auch van der Vaart bekam sein Fett weg: „Ich habe gehofft, dass Rafael das noch mit Erfolg rumreißen kann.“ Konnte er nicht. Das Handelfmetertor (44. Minute) des Regisseurs war zu wenig.

Ein Nachspiel wird das Wegwerfen der Binde nicht haben. „Da kann man mal drüber weg sehen, es gibt Schlimmeres“, sagte Sportdirektor Oliver Kreuzer am Sonntag, ehe er die Routiniers scharf kritisierte. Die unterirdische Leistung des Holländers und der anderen erfahrenen Nationalspieler müsse aufgearbeitet werden. Offenbar ist Kreuzers Kabinenpredigt nach der 0:4-Blamage im Flutopferspiel vor zweieinhalb Wochen bei Dynamo Dresden schnell verpufft. „Wir hatten Vorgaben, aber dann machte jeder, was er wollte“, berichtete Heiko Westermann.

Vielleicht hatte Fink vor der Partie den Mund zu vollgenommen, als er davon sprach, in der Mannschaft einen neuen Geist ausgemacht zu haben. Denn von dem war überhaupt nichts mehr zu spüren. „Das ist eine Demontage“, befand Adler, der sich lange gegen das Debakel wehrte, beim fünften Tor aber selbst die Waffen streckte. „Das ist absolut katastrophal, da kann man die schlimmsten Adjektive nehmen für das, was wir gezeigt haben“, sagte der fast verzweifelt wirkende Keeper: „Wir haben im Kollektiv versagt. Das tut mir leid, die Fans zahlen für so eine Scheiße auch noch Geld.“ Mit solch einer Abwehrleistung gewinne man kein Bundesliga-Spiel.

Die Innenverteidigung mit Westermann und Lasse Sobiech war schlichtweg überfordert. Die beiden sahen auch deshalb besonders schlecht aus, weil sie von ihren Vorderleuten im Stich gelassen wurden. Derart eingeladen zog das Team von Markus Gisdol an dessen 44. Geburtstag ein feines Konterspiel auf, bei dem der Brasilianer Roberto Firmino mit drei Vorlagen und zwei Toren (5./77.) Mann des Tages wurde. Der französische Neuzugang Anthony Modeste (67./74.) schoss sich mit nun drei Treffern an die Spitze der Torjägerliste. Und auch Kevin Volland (50.), dem in der Vorwoche gegen Nürnberg ein regulärer Treffer nicht anerkannt worden war, trug sich am Tag des offenen Tores in Hamburg in die Schützenliste ein.

Kaum gewonnene Zweikämpfe, eklatante Abwehrfehler und Angst in der Vorwärtsbewegung waren die Gründe für die von immer lauter werdenden Pfiffen begleitete Schlappe gegen spielfreudige Hoffenheimer. „Jetzt fahren wir nach Berlin, wo uns eine Mannschaft erwartet, die auch gewillt ist, uns aus dem Stadion zu schießen“, meinte Adler mit Blick auf den kommenden Gegner. Selbstbewusstsein hört sich anders an.

Müssten Fink und Kreuzer nicht dringend nachverpflichten? „Verstärkung kann man nur holen, wenn man Geld hat“, lautete die nüchterne Antwort des desillusionierten Übungsleiters. Wie in der Vorsaison kommt nach einem passablen Auftritt stets die Ernüchterung. „Die Mannschaft lässt mich seit eindreiviertel Jahren nicht einmal zwei bis drei Spieltage durchatmen.“

dpa

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