NRW-Innenminister äußert sich

Wegen Robin Gosens: Deutsche Polizei plötzlich vor großer Änderung?

Gegen Portugal gelang DFB-Star Robin Gosens ein Sensations-Spiel. Diese Leistung könnte nun sogar Auswirkungen auf die deutsche Polizei haben.

Düsseldorf - Er ist der Held der Stunde im DFB-Team bei der Fußball-EM 2021. Beim 4:2-Sieg im zweiten Gruppenspiel gegen Portugal lieferte Robin Gosens auf der linken Spielfeldseite womöglich das Spiel seines Lebens ab. Völlig zu recht gab es dafür auch die Bestnote in der tz-Einzelkritik zur Partie*.

Gosens‘ Fabel-Leistung blieb auch der internationalen Presse natürlich nicht unerwähnt. Allgemein klingt die Story vom Fußball-Profi, der in jungen Jahren nie ein Leistungszentrum besucht hatte, im Probetraining beim BVB abgelehnt wurde und über den Umweg Niederlande schließlich in Italien bei Atalanta Bergamo den Durchbruch schaffte, jetzt zu den Stars im DFB-Team* zählt, wie ein Märchen. Dass er das selber alles kaum glauben kann, bestätigte er auch im Interview nach dem Portugal-Sieg. Gosens lebt seinen Traum, könnte man da meinen. Dabei war sein ursprünglicher Traum ein ganz anderer.

Robin Gosens lebt sein Fußball-Märchen - sein eigentlicher Berufs-Traum sah aber anders aus

Robin Gosens hatte nämlich nicht immer nur den Wunsch, Fußball-Profi zu werden. Eigentlich wollte der 26-Jährige, wie sein Opa, Polizist werden. Das erzählte er der Bild. Tatsächlich hatte sich der aus Emmerich am Niederrhein stammende Gosens auch vor seiner Profi-Karriere in seinem Heimat-Bundesland NRW bei der Polizei beworben. Allerdings scheiterte der Versuch. Begründung: Eine „Beinlängen-Differenz“. Glück für das DFB-Team, möchte man aus heutiger Perspektive sagen. NRW-Innenminister Herbert Reul macht die Story aber offensichtlich nachdenklich.

Robin Gosens lieferte gegen Portugal ein fantastisches Spiel ab - und brachte den Innenminister von NRW zum grübeln.

Reul, als Inneminister des Landes für den Bereich Sicherheit und eben auch für die dortige Polizei zuständig, outete sich nun nach der Portugal-Partie als Fan von Gosens. „Das war am Samstag eine Spitzenleistung der deutschen Mannschaft und von Robin Gosens, über die ich mich riesig freue“, sagte er gegenüber der WAZ. Reul scheint allerdings auch die Polizei-Vorgeschichte von Gosens zu kennen. Und nach dessen starken EM-Spiel könnte bei ihm nun ein kleines Umdenken einsetzen. Das beträfe dann die Richtlinien, die zur Karriere bei der Polizei gelten.

Robin Gosens scheiterte bei der Polizei NRW - seine DFB-Leistung könnte nun Umdenken auslösen

Wie der NRW-Innenminister der WAZ erzählt, denke er nach dem EM-Spiel und besagter Geschichte darüber nach, die seiner Meinung nach ohnehin „zu starren“ Einstellungskriterien für Polizisten in NRW mal überprüfen zu lassen. Der Gedanke ist demnach für Reul nicht neu. „Seit meinem Amtsantritt beschäftigen mich diese Fälle, bei denen Bewerber anhand zu starrer Kriterien beurteilt werden“, berichtet der Politiker. Durch Gosens bekommt dieser Gedanke nun aber wohl frischen Wind.

Eine Lockerung würde sicherlich bei vielen, die ebenfalls von einer Polizei-Karriere träumen, auf viel positiven Zuspruch stoßen. Zu den aktuellen Regeln zur Einstellung bei der Polizei NRW zählen unter anderem, dass man bei der Einstellung höchstens 36 Jahre alt sein darf, mindestens 163cm groß sein muss (gilt für alle Geschlechter) und einen BMI haben muss, der nicht niedriger als 18 und nicht höher als 27,5 sein darf. Hinzu kommen weitere Regeln, die etwa Sportabzeichen betreffen. Ausnahmen dieser Regeln sind zwar in Sonderfällen wohl bereits möglich, dennoch sind die Berufsträume einiger Menschen sicherlich bereits an den Hürden geplatzt.

Robin Gosens bringt NRW-Innenminister Reul zum nachdenken: Änderung der Polizei-Einstellungskriterien?

Ganz ohne Einstellungsregeln geht es natürlich nicht, das weiß auch Reul. „Dennoch wollen wir auch die Besonderheiten des Einzelfalls stärker berücksichtigen. Damit wollen wir so vielen jungen und geeigneten Menschen wie möglich einen Zugang zur Polizei eröffnen.“ Ob und wenn ja wie das ganze umgesetzt wird, ist natürlich noch nicht klar. Einige zukünftige Polizisten würden es Reul - und auch Robin Gosens - sicherlich danken, wenn es dazu käme.

Wenn man sich Robin Gosens‘ Interviews so anschaut, dürfte der Atalanta-Profi sicherlich mittlerweile durchaus zufrieden damit sein, wie seine berufliche Karriere gelaufen ist. In der Nationalmannschaft ist er nun also etabliert - und bekam nach seiner Wahnsinns-Leistung vom DFB-Team einen neuen Spitznamen verpasst. (han) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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