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Im Anschluss an Live-Anruf im Doppelpass: Hoeneß klingelte nach der Sendung beim Moderator privat durch

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Von: Antonio José Riether

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Uli Hoeneß rief bei Doppelpass an, um sich für Katar einzusetzen.
Uli Hoeneß rief bei Doppelpass an, um sich für Katar einzusetzen. © Christoph Hardt/imago-images

Beim Thema Katar platzte Uli Hoeneß der Kragen. Er rief beim Doppelpass an und polterte in der Live-Sendung gegen den Andreas Rettig und meldete sich im Anschluss nochmal bei Florian König.

Update vom 27. September, 11.45 Uhr: Nächste TV-Schalte mit dem Vereinspatron: Diesmal hat Uli Hoeneß vom FC Bayern live bei RTL gesprochen - und bei diesem Anlass Münchens Trainer Julian Nagelsmann eine Frist gesetzt.

Nach Anruf im „Doppelpass“ von Sport1: Bayerns Uli Hoeneß meldet sich bei Moderator Florian König

Update vom 26. September, 21.31 Uhr: Uli Hoeneß rief nicht nur live im Doppelpass an am Sonntag, sondern auch nach der Sendung privat bei Sport1-Moderator Florian König, wie Sport1 selbst berichtet. Denn Hoeneß hatte in der Sendung das Telefonat abrupt beendet. „Er hat mich hinterher angerufen. Das war dann allerdings ein nicht so langes Gespräch, weil ich an der Sicherheitsschleuse am Münchner Flughafen war und mein Handy in den Scanner legen musste“, so König. „Er hat erklärt, dass er da einfach schon alles gesagt hatte, was er sagen wollte, und er wollte auch nicht zu Bayern-Themen Stellung nehmen. Ich war nicht der Nächste, der seinen Zorn abbekommen hat. Das war ein kurzes, aber sehr freundliches Gespräch.“

Update vom 26. September, 9.24 Uhr: Beim Doppelpass auf Sport1 kam es am Sonntag zu einer überraschenden Schimpftirade von Uli Hoeneß. Dieser hatte in der Sendung angerufen, da er seine Sichtweise zum Thema Katar erläutern wollte und reagierte auf die Kritiker, die die Bedingungen der Arbeiter bemängelt hatten. Nun erklärte der FC-Bayern-Ehrenpräsident seinen Anruf im Live-Fernsehen.

Der Auslöser, so Hoeneß zu Bild, war „die Aussage von Alfred Draxler, den Sport nicht zu überfrachten“. „Das ist der Punkt. Katar ist Anteilseigner z.B. von VW und der Deutschen Bank. Der Bundeskanzler bittet in Katar um Öl und Gas. Da geht es um unser Land. Sonst könnten wir nur noch mit 17 Prozent der Welt Geschäfte machen. Wir Deutsche müssen aufpassen, dass wir uns nicht isolieren.“

Hoeneß verteidigt Katar weiter: „Frauen des FCB haben dort als erstes Frauen-Team mit kurzen Hosen gespielt“

Hoeneß‘ Argument in der Sendung war, dass sich die Bedingungen und Menschenrechte durch die WM verbessert hätten. Auch hier hatte er ein Beispiel parat. „Die Frauen-Mannschaft des FC Bayern hat vor einigen Jahren als erstes Frauen-Team in Katar mit kurzen Hosen gespielt. Das war eine Sensation und ein Durchbruch für den Frauenfußball.“ Die Diskussionen seien „genau das, was wir brauchen“, meint der 70-Jährige. „Dank des Fußballs ist der Fokus auf Katar gerichtet, das bringt Veränderungen. Ich habe dort selbst vernünftige Gespräche mit Verantwortlichen geführt.“

Viele vermuteten, dass die Bayern-Spitze die Öffentlichkeit derzeit auf die Verlängerung des Sponsoring-Vertrags vorbereiten möchte, doch dem entgegnet Hoeneß: „Nein, das weiß ich gar nicht. Und ist nicht mein Thema. Mir geht es darum, dass wir vor unserer eigenen Haustür kehren sollten, anstatt scheinheilige Diskussionen zu führen.“ Ob er selbst zur WM fahren wird, entscheidet Hoeneß „nach der Vorrunde“. „Wenn ich das Gefühl habe, bei unserer Nationalmannschaft läuft es gut, da steckt was drin – dann fliege ich hin.“

Uli Hoeneß ruft im Doppelpass an: Pro-Katar-Wutrede und Abwertung von Kritikern

Erstmeldung vom 25. September:
München - Katar ist ein Reizthema beim FC Bayern, beim Doppelpass am Sonntag war das Sponsoring des WM-Austragungslandes wieder im Fokus der Diskussion. Andreas Rettig, von 2013 bis 2015 DFL-Geschäftsführer, war ebenfalls mit in der Gesprächsrunde und argumentierte gegen eine Zusammenarbeit mit dem Staat, dem seit Jahren schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Daraufhin rief Uli Hoeneß kurzerhand in der Sendung an, um seinen Standpunkt darzustellen.

Uli Hoeneß ruft im Doppelpass an: FC-Bayern-Ehrenpräsident verteidigt Katar im Live-TV vehement

Allerdings hielt sich der 70-jährige Hoeneß bei seiner Begrüßung nicht lange mit Umgangsformen auf und begann seinen emotionalen Monolog mit einer Attacke. „Ich möchte den Andreas Rettig, den König der Scheinheiligen, mal fragen, ob er im Winter nicht mehr so warm duscht und ob er sich zum Gas aus Katar schon Gedanken gemacht hat“, griff Hoeneß den ehemaligen Funktionär an.

„Und noch ein weiteres Argument“, führte Hoeneß fort. „Als in Afghanistan die Problematik war, da sind die ganzen Deutschen und Beamten über Katar nur mit großer Hilfe von Katar überhaupt ausgeflogen worden“. Was Hoeneß dabei allerdings nicht erwähnte oder gar ausließ: Katar, das sich als Verbündeter des Westens gibt, pflegt einen guten Draht zu Islamisten. So unterhalten die Taliban etwa ein Außenbüro in Doha, der Hauptstadt Katars.

Uli Hoeneß poltert im Doppelpass: „Den Arbeitern geht es durch die WM besser“

Hoeneß legte jedoch nach und sprang zum nächsten Punkt. „Und eines ist sicher, die WM, das Engagement des FC Bayern und andere sportliche Aktivitäten werden dazu führen, dass die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter dort besser werden und nicht schlechter“. Katar sei „das einzige Land, wo es wirklich besser wird“, so Hoeneß, der außerdem die angeblich einseitige Berichterstattung zum Emirat beklagte.

„Den Arbeitern geht es durch die WM besser und nicht schlechter und das sollte man endlich mal akzeptieren. (...) Dadurch, dass Herr Scholz oder die Nationalmannschaft hinfahren, wird es besser“, ist er sich sicher. Zudem behauptete der FC-Bayern-Ehrenpräsident, 83 Prozent der Länder auf der Welt würden die Menschenrechte „nicht so behandeln wie Deutschland“, sollte man die Geschäftsbeziehungen zu diesen Staaten beenden, könne man „den Laden zu machen“.

Debatte im Doppelpass: Andreas Rettig bezeichnet Uli Hoeneß als „Botschafter von Katar“

Rettig, dem Hoeneß eine „katastrophale“ Argumentation unterstellte, äußerte sich daraufhin ebenfalls und entgegnete: „Es überrascht mich nicht, dass Sie als Botschafter von Katar so argumentieren, Sie sind ja seit Jahren verbunden mit dem Hause“, meinte der ehemalige St.-Pauli-Manager.

„Der lange Weg der Kataris verfängt auch bei Ihnen, was das Thema Sportswashing angeht. Und ich empfehle Ihnen dringend, sich mit Leuten zu unterhalten. Ich war gestern auf einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung, wo auch Amnesty International dabei war, und habe mit einem Blogger aus Kenia geredet, der war nämlich vor Ort. Lassen Sie sich erklären, unter welchen Umständen in diesem Land gearbeitet wird“, so Rettig, der auf die schweren Bedingungen für die vielen Arbeitsmigranten im Land verwies.

„Ich kann nur hoffen, dass sich Herr Neuendorf (DFB-Präsident, Anm.) durchsetzt mit diesen Themen und mit den Fonds für die tausenden Baustellenopfer. Es war gestern eindrücklich der Bericht, derer, die vor Ort waren. Ich würde Ihnen empfehlen, Ihre Quellen etwas breiter aufzustellen“, meinte der 59-jährige in Richtung Hoeneß.

Hoeneß-Eklat im Doppelpass: Andreas Rettig führt Beckenbauer-Zitat an

Dieser ging jedoch nicht sachlich auf die Punkte ein und reagierte mit einer Gegenfrage: „Waren Sie schon mal in Katar? Ich war schon in Katar und habe mich vor Ort umsehen können“, Rettig entgegnete darauf, dass Katar kein Reiseziel für ihn sei und setzte noch einen Seitenhieb: „Herr Beckenbauer hat auch keine Sklaven gesehen“, sagte der Leverkusener, der sich auf die Äußerung Franz Beckenbauers aus dem Jahr 2013 bezog, die damals schockierte Reaktionen hervorrief. „Ich gehe davon aus, dass Sie etwas intensiver suchen würden“, entgegnete Hoeneß. Rettig hatte das Schlusswort und stellte klar: „Davon können Sie ausgehen“.

Das Thema Katar ist beim FC Bayern auch aufgrund des feststehenden Winter-Trainingslagers im Januar erneut in den Fokus gerückt. Bereits im vergangenen Jahr sorgte das Präsidium bei der Jahreshauptversammlung für einen Eklat, als es Katar-Kritiker zum Schweigen bringen wollte. Im Oktober findet die nächste Vollversammlung statt, dort könnte das Katar-Sponsoring wohl wieder eines der zentralen Themen werden. (ajr)

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