S04-Boss steht zur Wahl

Tönnies: "Schalke war ein Sanierungsfall"

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Clemens Tönnies

Rheda-Wiedenbrück - Aufsichtsratschef Tönnies steht auf der Jahreshauptversammlung von Schalke zur Wiederwahl. Der Fleischfabrikant hat den Altmeister zu einem der Großen gemacht, erntet aber auch Kritik.

Noch vor wenigen Jahren war Schalke 04 „ein Sanierungsfall“, sagt Clemens Tönnies. Und: „13 Trainer in zwölf Jahren sind zu viel“, gibt der Aufsichtsratsvorsitzende des Fußball-Bundesligisten zu. Dennoch zieht der 57-Jährige im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) eine positive Bilanz seiner Amtszeit: „Wir standen noch nie so gut da wie heute.“

Der Fleischfabrikant aus Rheda-Wiedenbrück, seit 2001 Chef des Kontrollgremiums und starker Mann bei den Königsblauen, stellt sich auf der Jahreshauptversammlung am Samstag (14.00 Uhr) zur Wiederwahl. Dabei wird es nicht nur darum gehen, dass er seit 2009 („da hat es noch mal richtig geknallt“) die Verbindlichkeiten des Traditionsklubs von 252 auf 173 Millionen Euro reduziert hat.

Oder darum, dass der Altmeister unter seiner Ägide in elf von zwölf Jahren den Europapokal erreichte, fünfmal in der Champions League spielte, dreimal Vizemeister wurde und zweimal den DFB-Pokal gewann. Auch nicht um den hohen Trainerverschleiß, dem unter anderem der jetzige Triple-Gewinner Jupp Heynckes 2004 zum Opfer fiel. „Ich ärgere mich vor allem über seinen Abgang“, sagt Tönnies.

Derzeit bewegt die Schalker Fans vor allem der Vertrag mit der Ticketbörse Viagogo, die dem Klub ab 1. Juli 3,6 Millionen Euro für drei Jahre zahlt. Dafür darf das Unternehmen 3000 Karten pro Jahr mit maximal 100-prozentigem Aufschlag weiterverkaufen, soll zudem alle Ticketverkäufe von Fan zu Fan übernehmen. In der Nordkurve gab es schon in der vergangenen Saison vehemente Proteste, auf der JHV werden Tönnies und der Schalker Vorstand um das Thema nicht herumkommen.

Einige Fans hätten „Angst, dass wir unsere Seele verkauft haben“, sagt Tönnies: „Das ist nicht der Fall. Ich sehe das eher so, dass man ein Stück weit den Schwarzmarkt los wird.“ Der Unternehmer, der jährlich fünf Milliarden Euro umsetzt, hat auch den Vorwurf registriert, „dass ich Schalke zu Professionalität und Kommerzialisierung getrieben habe“. Damit kann er leben. „Wenn wir oben dabei sein wollen, muss es aber so sein. Wir haben keine andere Wahl.“

Trotz der Proteste rechnet er fest mit seiner Wiederwahl. „Ich gehe mit dem Ehrgeiz in die Wahl, ein hohes Maß an Zustimmung zu bekommen, um auch die Kraft zu haben, die Dinge weiter nach vorne zu bringen.“ Ein Scheitern von Tönnies, der dem Klub zwischenzeitlich mit 30 Millionen Euro aus der eigenen Tasche aushalf, wäre eine Sensation. Denn dann müssten beide Mitbewerber, der Rechtsanwalt Andres Schollmeier (52) und der Unternehmensberater Peter Lange (57), mehr Stimmen als er erhalten.

Er habe „keine Angst, nicht wiedergewählt zu werden“, betont Tönnies: „Aber wenn die Mehrheit mich nicht wollen würde, würde ich mich für die schönste Zeit meines Lebens bedanken und nach Hause gehen.“

Vorweisen kann der Schalke-Boss vor allem, dass er den Klub wirtschaftlich und sportlich zu einem der Großen gemacht hat. Rund 200 Millionen Euro setzten die Königsblauen zuletzt jährlich um, im vergangenen Jahr 190,8. Die einst horrenden Schulden sind auf 173,1 Millionen Euro reduziert, 2018 ist die selbst finanzierte Arena abbezahlt, 2022 soll der Klub weitgehend schuldenfrei sein.

In der Bundesliga hat sich Schalke in der Spitzengruppe und im Europacup als Stammgast etabliert. Was fehlt, ist Kontinuität auf der Trainerbank. „Die Zeiten des Trainerhoppings müssen vorbei sein“, sagt Tönnies: „Mit Jens Keller wollen wir nach vorne schauen. ` An dem anfangs umstrittenen Coach, der am Ende noch Platz vier erreichte, will er festhalten - selbst wenn im August in den beiden Qualifikationsspielen die Champions League verpasst werden sollte: `Wir setzen voll auf ihn und werden ihm immer den Rücken stärken.“

Zusammen mit Keller und Manager Horst Heldt hat Tönnies einen Umbau im Team angestoßen. Junge, hungrige Spieler statt satter Stars heißt die neue Devise. „Wir wollen auf Schalke keinen Filigrantechniker mehr sehen, der keine Lust hat, dem Ball hinterherzulaufen, den er verloren hat. Und ich will auch nie wieder den Satz hören: Wir haben zwar verloren, aber schlecht gespielt haben wir nicht.“

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Die Meisterschaft, so Tönnies, sei auf Jahre hinaus an Bayern München vergeben. Ein Champions-League-Platz soll möglichst herausspringen, mit „attraktivem Fußball“. Dafür sollen sich alle „mehr auf das Wesentliche konzentrieren“ und „nicht untereinander irgendwo an der Peripherie streiten“.

sid

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