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Bundesligastart – Pfiffe und Entertainment

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Carolin Niemczyk, Sängerin der Band Glasperlenspiel, beim Start der Bundesliga in Frankfurt
Nicht gegen Carolin Niemczyk, Sängerin der Band Glasperlenspiel, waren die Pfiffe der Fans beim Bundesliga-Auftakt gerichtet, sagt Prof. Dr. Harald Lange. © dpa/Uwe Anspach

Die Eröffnungszeremonie zum Start in die 60. Bundesligasaison hat unterstrichen, was wir alle ohnehin schon wissen: Die „Macher“ der Bundesliga setzen nach wie vor auf Entertainment und wollen darüber am großen Geld, das der Fußball bringen kann, dranbleiben.

Die Pfiffe der Fans werden ihnen deshalb erhalten bleiben. Am vergangenen Freitag waren es vor allem Frankfurter Fans, die diese Zeremonie (und keinesfalls unsere Nationalhymne oder die Sängerin) ausgepfiffen haben. Das Spiel zwischen Entertainment und derartigen Pfiffen wird uns in den kommenden Monaten bis zum Saisonfinale im Mai 2023 erhalten bleiben. Selten gab es mehr Sand im Getriebe des neuen Kommerz-Fußballs.

Die gerade gestartete Bundesligasaison wird vor allem durch zwei Besonderheiten geprägt werden: Neben der langweiligen Serienmeisterschaft der Bayern können wir davon ausgehen, dass auch die die Saisonunterbrechung wegen der unbeliebten WM in Katar für Kritik und Ablehnung sorgen wird. Wir werden also weiterhin viele Pfiffe kritischer Fans hören.

Der FC Bayern sorgt wieder für Langeweile in der Meisterschaft

Eigentlich ist der Kampf um die Meisterschaft das Filetstück jeder Liga. Mit dem 6:1 gegen die Frankfurter Eintracht haben die Bayern gleich im ersten Spiel der neuen Saison deutlich gemacht, dass der Spannungsbogen in der Frage, wer diesmal die Meisterschaft gewinnt, erneut gegen Null tendiert.

Es lohnt sich also erst gar nicht daran zu denken, dass irgendjemand in das Titelrennen mit einsteigen könnte. Wir wissen schließlich aus den zurückliegenden Jahren, dass auch andere Themen, beispielsweise Auf- und Abstieg, Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe oder das Abschneiden in der Champions League und Europa League, Spannung garantieren können. Außerdem gibt es noch den DFB-Pokal. Deshalb werden auch all diejenigen, die keine Serienmeister mögen, Gelegenheit finden, spannenden Fußball und mitreisende Mannschaften zu erleben.

Harald Lange
Prof. Dr. Harald Lange äußert sich zum Start der Bundesliga. © privat

Die vergangene Saison hat mit den Erfolgen und den Auftritten von Vereinen wie dem SC Freiburg, Union Berlin oder Eintracht Frankfurt untermalt, dass in dieser Perspektive das neue Potenzial und der eigentliche Unterhaltungswert der Bundesliga steckt. Ich meine: Es lohnt sich nicht, wegen der Langeweile im "Kampf" um die Meisterschaft zu jammern. Wir werden andere spannende Themen finden.

Allerdings macht es dann Sinn, die TV-Gelder und Erlöse aller anderen Vermarktungsrechte der Bundesliga nach einem neu gedachten Schlüssel zu verteilen und den Bayern diesen Geldhahn abzudrehen. Wer mag schon für die Garantie von Langeweile zahlen?

Saisonunterbrechung wegen der WM in Katar

Die Saison wird nach dem 15. Spieltag (11. bis 13. November) wegen der WM in Katar für zwei Monate unterbrochen. Dieser empfindliche Eingriff stört nicht nur die gewohnte Dramaturgie der Bundesliga, sondern führt allen Fußballbegeisterten eindrücklich die Schattenseiten des Profisports vor. Wir werden in der Vorweihnachtszeit auf die Idee der Bundesliga verzichten müssen, um das unwürdige Spektakel in Katar mitzuerleben. Viele Fans haben bereits ihren persönlichen Boykott angekündigt. Anstelle von Macht, Geld oder geopolitischen Spielchen, die auf Kosten der vielen toten Bauarbeiter ausgetragen werden, möchten wir guten Sport.

Hierzu habe ich zwei Fragen. Erstens: Was genau ist das? "Guter" Sport? Wertebasierter Sport? "Mitreißender" Sport? "Leidenschaftlicher" Sport? (…)? Zweitens: Wie ließe sich so etwas jenseits unserer romantisch verklärten Vorstellungen im Kommerz-Fußball realisieren?

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