Steueraffäre und Konzeptdiskussion

Bayern mit reichlich Gesprächsstoff in Pilsen

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Pep Guardiola ist derzeit erkältet.

Pilsen - Zwischen Steueraffäre und Konzeptdiskussion: Trotz der sportlich sorgenfreien Lage reiste Bayern München mit einigem Gesprächsstoff zur Pflichtaufgabe in der Champions League bei Viktoria Pilsen.

Präsident Uli Hoeneß muss vor Gericht, Trainer Pep Guardiola zweifelt an sich selbst und seinem taktischen Konzept, und das Duell mit Borussia Dortmund wirft bereits seine Schatten voraus: Für Bayern München verkommt das Champions-League-Spiel bei Viktoria Pilsen am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) zur Nebensache. Als der FC Bayern nach umständlicher Anreise mit Flugzeug und Bus über Prag am Montag leicht verspätet in Pilsen eintraf, gab es reichlich Gesprächsstoff - der tschechische Meister und der dort mögliche Achtelfinal-Einzug in der Königsklasse gehörte nur am Rande dazu.

Schweinsteiger will für Hoeneß gewinnen

Die Nachricht, dass sich Hoeneß wegen seiner Steueraffäre ab 10. März 2014 vor Gericht würde verantworten müssen, traf weder den FC Bayern noch Hoeneß selbst plötzlich. Der Verein stärkte ihm in einer offensichtlich längst vorbereiteten Reaktion den Rücken, sein Amt als Aufsichtsratschef darf Hoeneß weiter ausüben. Er kündigte nach der Ankunft am Teamhotel an, er wolle bis zum Prozessbeginn „alles tun“, um das Gericht von seinen Argumenten zu überzeugen. Bastian Schweinsteiger betonte in Pilsen unbeeindruckt, die Profis könnten sich dennoch „ungestört vorbereiten“. Hoeneß tue man „den größten Gefallen, wenn wir unsere Spiele gewinnen und Erfolg haben“.

Der Fall wird den Rekordmeister dauerhaft begleiten, in Sachen Konzeptdiskussion hofft Guardiola derweil schon in Pilsen auf einen Durchbruch. Nach dem mühsamen 2:1 bei 1899 Hoffenheim hatte er noch „Korrekturen“ angekündigt. Was genau er plant, führte er im etwas in die Jahre gekommenen „Golden Fish Hotel“ nicht im Detail aus. „Unser Niveau ist im Himmel, und das müssen wir erreichen. Wir müssen immer wieder etwas korrigieren. Ich habe die Verantwortung, nicht nur das Ergebnis zu sehen, sondern auch, wie wir gespielt haben“, sagte er mit krächzender, von einer Erkältung geschwächten Stimme.

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Kapitän Philipp Lahm nahm die Offensive in die Pflicht, der Arjen Robben (Pause nach Leistenproblemen) fehlen wird. „Wir müssen wieder besser und konstanter nach vorne spielen, und wollen auch dominanter auftreten“, sagte Lahm, fügte aber an: „Wir sind Tabellenführer und brauchen uns für nichts zu schämen.“

Die Bosse sehen indes kaum Anlass zu Veränderungen. „Das Konzept ist gut, wir spielen guten Fußball. Ich habe keine Sorge“, betonte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Abflug, der sich wegen einer Reifenpanne am Flugzeug um 30 Minuten verzögerte. Es sei nicht notwendig, Guardiola reinzureden, ergänzte der Bayern-Boss: „Er hat exklusive Lufthoheit über Taktik und Training, da werden wir sicher nicht irgendwelche Fachratschläge erteilen.“

Hoeneß fand die Erklärung für Guardiolas Reflexionen in dessen Charakter. „Er ist Perfektioniost. Wenn ein Spiel nicht so läuft, wird er immer gewisse Dinge infrage stellen, er ist nie zufrieden, will nie zur Tagesordnung übergehen“, sagte er: „Daran müssen wir uns gewöhnen, aber das muss ja nicht unbedingt schlecht sein.“

Hoeneß stichelt schon gegen Dortmund

Sogar sehr gut ist die sportliche Lage in allen Wettbewerben, die Diskussionen von Pilsen wirkten da etwas befremdlich. Dass die Bosse trotz der Tabellenführung in der Bundesliga nicht restlos zufrieden sind, belegte eine Aussage von Rummenigge. Mit einem Sieg in Pilsen, der das Achtelfinal-Ticket bedeuten würde, sofern ZSKA Moskau nicht bei Manchester City gewinnt, „könnten wir uns wieder mehr auf die Bundesliga konzentrieren“. Denn was dort die Dortmunder aufführen, stört sie doch erheblich in München.

Der BVB lauert einen Punkt hinter den Bayern auf Platz zwei, am 23. November kommt es in Dortmund zum direkten Duell. Dann, betonte Hoeneß, brauche man „kein besonderes Konzept, da braucht man nur an die Tafel schreiben: “BVB'. Das reicht!„ So sehr elektrisiert ihn das Duell schon jetzt, dass er stichelte, Dortmund könne gerne so weiterzaubern wie zuletzt, `aber wir sind Tabellenführer“.

Und dennoch: Gewonnen ist, außer dem europäischen Supercup, noch nichts. „Wir trinken nach wie vor Wasser“, sagte Rummenigge. Daran dürfte sich auch im Falle des nächsten Rekordes nichts ändern: Wenn der FC Bayern in Pilsen gewinnt, hätte er die elf Jahre alte Marke des FC Barcelona von neun Siegen in der Champions League in Serie eingestellt.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Pilsen: Kozacik - Rajtoral, Cisovskÿ, Prochazka, Hubnik - Horava, Horvath - Petrzela, Kolar, Duris - Tecl. - Trainer: Vrba

München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Alaba - Lahm - Müller, Schweinsteiger, Kroos, Ribery - Mandzukic. - Trainer: Guardiola

Schiedsrichter: Antonio Lahoz (Spanien)

sid

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