Völler staunt

Bayer-Kuriosum! "So was habe ich noch nie erlebt"

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Philipp Wollscheid (Archivfoto).

Mönchengladbach - Bayer Leverkusen hat die erneute Champions-League-Qualifikation dicht vor Augen, sorgt aber weiter für Kurioses.

112 Tage nach dem „Phantomtor“ von Hoffenheim hat Bayer Leverkusen ein weiteres kurioses Stück Bundesliga-Geschichte geschrieben. „Da haben wir wohl wieder einen Rekord aufgestellt“, meinte der einstige „Phantomschütze“ Stefan Kießling nach dem 1:0 (0:0)-Erfolg beim Borussia Mönchengladbach ironisch.

Dass der „Big Point“ (Sportchef Rudi Völler) und die zehn Punkte Vorsprung auf die fünftplatzierte Borussia zunächst in den Hintergrund der Diskussionen rückten, lag an den Gelben Karten für die Ersatzspieler Philipp Wollscheid (9.) und Giulio Donati (78.). Der erste hatte von der Bank einen zweiten Ball ins Spielfeld geworfen, der zweite den Spielball beim Warmlaufen nicht hergeben wollen.

Völler musste zunächst „etwas schmunzeln, weil ich so etwas noch nie erlebt habe“, war über die Außenwirkung jener Szenen aber alles andere als glücklich. „So will man sich natürlich nicht präsentieren“, erklärte der Weltmeister von 1990, der aber versicherte, dass es keine Geldstrafen geben werde.

Die beiden Sünder waren sich ohnehin keiner Schuld bewusst. „Ich weiß nicht, warum ich Gelb gesehen habe. Ich habe nichts getan“, versicherte Donati. „Ich war irritiert und überrascht, als er mir die Karte unter die Nase hielt“, sagte der am Ende noch für 61 Sekunden eingewechselte Wollscheid und beteuerte, den Ball nicht zur Irritierung des Gegners ins Spielfeld geworfen zu haben. Schiedsrichter Florian Meyer wollte es zunächst auch bei einer Ermahnung belassen, verwarnte Wollscheid nach Funk-Rücksprache mit seinem Assistenten aber doch noch.

Bayer-Schlussmann Bernd Leno beurteilte die Situation derweil mit unangebrachter Ironie. „Eigentlich war es ja gar nicht so schlecht gemacht von Philipp“, sagte er: „Aus der Situation hätte ein gefährlicher Angriff entstehen können. So gesehen war es wie ein taktisches Foul.“ Gladbachs Ex-Trainer Hans Meyer beurteilte die Situation am Sky-Mikrofon als „idiotisch, aber es ist wohl instinktiv passiert“.

Am Ende konnte Michael Schade die kuriosen Begleiterscheinungen aber „gut verschmerzen“. Zu erleichtert war der Bayer-Geschäftsführer, dass sein Team nach drei Niederlagen um die Jahreswende „wieder in die Spur gefunden hat. Auf Gladbach haben wir nun ein etwas beruhigendes Polster“, sagte Schade dem SID und sah einen „guten Start in den Monat der Wahrheit“ mit dem Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Zweitligist 1. FC Kaiserslautern und dem Achtelfinale der Champions League gegen das neureiche Paris St. Germain: „Von mir aus kann es so weitergehen.“

Dem fast schon standesgemäßen Sieg am Niederrhein - seit 1989 blieb Bayer zum 22. Mal in Folge dort ungeschlagen - rang auch Völler etwas Gutes ab. Trotz, oder sogar gerade wegen der insgesamt dürftigen Leistung. „Es ist wichtig zu sehen, dass wir auch mit durchschnittlichen Leistungen gegen gute Gegner gewinnen können“, erklärte er.

Nach schwacher erster Halbzeit hatten eine ordentliche zweite und ein Traumtor von Heung-Min Son (62.) zum Sieg gereicht. Für Trainer Sami Hyypiä war das Positivste, „dass meine Mannschaft Charakter gezeigt hat“. Und das ist für den „Monat der Warheit“ zumindest eine gute Voraussetzung.

sid

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