Sogar Bürgermeister Scholz wundert sich

Alarm beim HSV nach 0:4 - Kreuzer tobt

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Oliver Kreuzer

Hamburg - Nach der Blamage im Benefizspiel beim Zweitligisten Dynamo Dresden (0:4) herrscht beim Hamburger SV kurz vor Saisonstart Alarmstimmung.

Prächtig gelaunt gönnte sich Olaf Scholz vor der Blamage noch ein kühles Pils. Mit einem Fan-Schal um die Schulter flaxte Hamburgs Oberbürgermeister auf der Tribüne mit Sachens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich. Doch nach dem blutleeren Auftritt „seiner“ Hamburger beim Zweitligisten Dynamo Dresden (0:4) war Scholz das Lachen vergangen - stattdessen rieb sich der SPD-Politiker verwundert die Augen. „Das war etwas zu viel der Freundschaft“, sagte Scholz: „Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was der Plan dahinter war - das muss mir erstmal einer erklären.“

Doch eine wirkliche Erklärung hatte auch Thorsten Fink am Tag danach nicht zu bieten. Der Trainer des Hamburger SV war einfach nur wütend, hielt seinen Versagern erst eine Standpauke in der Kabine und scheuchte seine Mannschaft anschließend am Donnerstagmorgen bei einem Straftraining kreuz und quer über den Platz. Während Regisseur Rafael van der Vaart und seine Kollegen bei Tempoläufen ordentlich ins Schwitzen gerieten, schüttelte Fink an der Seite immer wieder mürrisch mit dem Kopf - fassungslos ob der Unzulänglichkeiten seiner Spieler.

„Ich bin stinksauer“, sagte Fink aufgebracht über die katastrophale Vorstellung seiner Kicker, „der HSV hat einen großen Namen, und wir können uns nicht immer blamieren. Wir haben noch ein bisschen extra trainiert, weil ich gesehen habe, dass wir es gebrauchen können.“ Eine mehr als freundliche Einschätzung. Denn der HSV präsentierte sich beim Zweitligisten in Dresden kurz vor Saisonstart in einer erschreckenden Verfassung - ohne Gegenwehr, ohne Ideen und vor allem ohne Leidenschaft.

Van der Vaart, der eigentlich Struktur in das Hamburger Spiel bringen soll, steht im Moment völlig neben sich und ist weit von seiner Normalform entfernt. Doch ohne die Ideen des Niederländers, der mit Übergewicht aus dem Urlaub gekommen war, sind die Hanseaten im Spiel nach vorne uninspiriert. Die Angreifer Artjoms Rudnevs und Jacques Zoua sind zwar bemüht, versprühen allerdings nicht den Hauch von Torgefahr. Und die Abwehr offenbart unter Druck immer wieder schlimme Löcher.

Und so schrillen beim HSV kurz vor dem ersten Pflichtspiel am Sonntag im DFB-Pokal beim SV Schott Jena (16.00 Uhr/Sky) die Alarmglocken. „Das war eine Katastrophe. Ein Auftritt, der an Peinlichkeit nicht zu überbieten war“, sagte der sichtlich aufgebrachte Sportchef Oliver Kreuzer: „Es ist mir unbegreiflich, wie sich das Team so präsentieren kann. Das ist keine Frage der Qualität, sondern der Mentalität und der Einstellung.“

Tatsächlich hatten sich die Hanseaten am Mittwochabend in der Partie, deren Erlöse den Flutopfern zugute kommen, überraschend lustlos präsentiert. Und so kassierte der HSV nach Toren von Christoph Menz (42.), Filip Trojan (55.), Tobias Kempe (64.) und Soufian Benyamina (66.) die vierte Niederlage in den vergangenen fünf Testspielen. Trotzdem hält Fink weiter an der Europa-League-Qualifikation als Saisonziel fest. „Ich bin hartnäckig - wir werden unsere Ziele auch in diesem Jahr erreichen“, sagte Fink und setzte seine Mannschaft vor dem Spiel in Jena unter Druck: „Ich werde genau hinschauen, wer seine Leistung bringt. Ich erwarte eine Top-Leistung, Wille, Leidenschaft.“

Doch allmählich scheinen Fink und Kreuzer zu realisieren, dass die Qualität der Mannschaft den Ansprüchen nicht genügen könnte. Die klammen Hamburger wollen jedenfalls noch einmal auf dem Transfermarkt nach Verstärkungen suchen. „Der Kader sieht noch nicht so aus, wie ich es mir vorstelle“, sagte Kreuzer, der aber zunächst Spieler verkaufen muss, um neue zu holen. Der Transfer von Wunschstürmer Nikica Jelavic (FC Everton) scheint unterdessen vom Tisch zu sein. „Nikica können wir uns wohl nicht leisten“, sagte der Manager.

Klub-Legende Uwe Seeler mahnt trotz des Dresden-Desasters noch zur Mäßigung. „Ich glaube, dass sie sich noch fangen werden. Es war ein Testspiel, das sollte man nicht überbewerten“, sagte Seeler dem SID: „Wenn es am Sonntag ernst wird, sollten sie aber mit einer anderen Einstellung auf den Platz gehen. Vielleicht war das ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit.“ Das hoffen auch Fink und Scholz.

sid

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