Trainer auf der Tribüne

Vulkan Klopp gibt sich Mitschuld am 1:2 in Neapel

NEAPEL - Er war explodiert. So wie der Vesuv zu seinen schlimmsten Zeiten. Und genauso wie das Feuer- und Lavaspucken des berühmten Vulkans von Neapel hatte auch der Ausbruch von Jürgen Klopp in der 30. Minute des Champions-League-Spiels seiner Dortmunder Borussen beim SSC Neapel bitterböse Folgen.

Von Patrick Droste

Für die Mannschaft, die das Auftaktmatch der Königsklasse mit 1:2 (0:1) verlor und nun unter Druck steht. Und für ihn persönlich, denn der Imageschaden nach seiner erneuten Eruption gegenüber einem Vierten Offiziellen dürfte groß sein.

Mehr Bilder vom Spiel

BVB verliert 1:2 beim SSC Neapel

Daran änderte sich auch nichts, als sich Klopp nach der Partie einsichtig zeigte und sich sowohl beim Schiedsrichter sowie bei seinem Team entschuldigte – zumal alle Entscheidungen des portugiesischen Unparteiischen Pedro Proenca absolut korrekt waren. Vor allem die nach einer halben Stunde, die für so großen Ärger bei Klopp gesorgt hatte. Da sich auf dem Pflaster von Neven Subotic, der zuvor eine Platzwunde über dem linken Auge erlitten hatte, nach der ersten Behandlung an der Außenlinie noch ein kleiner Blutfleck befand, wurde dem Innenverteidiger – so wie es das Reglement vorschreibt – die Rückkehr aufs Spielfeld verweigert.

Als der kleine Verband ausgetauscht war, winkte der Unparteiische Subotic wieder auf den Platz und ließ gleichzeitig den Eckball des SSC ausführen, den dann Higuain im allgemeinen Durcheinander der Dortmunder Deckung per Kopf zum 1:0 verwertete – für Klopp Grund genug, die Zähne zu fletschen, sich auf den Vierten Offiziellen Venancio Tome zu stürzen und diesen wüst zu beschimpfen.

Klopp: Asyl beim Hausmeister

Nachdem Jürgen Klopp vom Platz gestellt worden war, musste er erst einmal schauen, wo er bleiben und die Partie weiter verfolgen konnte. Seine erste Wahl fiel auf einen Sitz mitten im Publikum hinter der BVB-Bank. Doch dort fühlte sich der Dortmunder Coach überhaupt nicht wohl. „Auf der Tribüne hatte ich den Eindruck, dass viele Leute Freude an meinem Schicksal hatten, da waren zu viele Anhänger von Neapel“, sagte der Fußball-Lehrer, der sich daher schnell nach einer neuen Bleibe umschaute. Die Kabine war für ihn nach seiner Roten Karte tabu, daher war er froh, dass ihm zufällig der Hausmeister des Stadio San Paolo über den Weg lief und ihn mit in sein Kabuff nahm. „Bei ihm habe ich dann in einem kleinen Raum die Partie an einem Fernseher gesehen“, berichtete Klopp, für den diese Art der Spielverfolgung aber kein allzu großes Problem war: „Ich gucke ja auch sonst die meisten Spiele vor dem TV-Gerät.“ Allerdings eher seltener die Partien der eigenen Mannschaft. - -pad-

„Ich dachte, dass der Schiedsrichter mit der Freigabe der Ecke warten muss. Aber diese Annahme war falsch“, meinte ein kleinlauter Klopp später, der anschließend den Innenraum verlassen musste und nun mit einer Sperre durch die Uefa rechnen kann. „Das fühlt sich nicht gut an, ist aber auch nicht mehr zu ändern. Die Mannschaft hat nicht gut gespielt, aber das war mein Ding.“ Und übrigens nicht das erste: Klopp muss in dieser Beziehung mittlerweile als Wiederholungstäter gelten. Schon mehrfach geriet er heftig mit Unparteiischen aneinander und musste für seine Entgleisungen bislang insgesamt 48 000 Euro Strafe zahlen.

Nicht nur Klopp muss wahrscheinlich die nächste Partie der Königsklasse tatenlos aus der Ferne beobachten. Denn nachdem zuerst Mats Hummels vom Platz humpelte, als ihm Christian Maggio in den Rücken gesprungen war und sich der Innenverteidiger den Ischiasnerv eingeklemmt hatte (45.), sah nur eine Minute später auch Torwart Roman Weidenfeller nach einem Handspiel außerhalb des Strafraums Rot. Damit war das Desaster für den BVB an einem ereignisreichen Abend perfekt, zumal dem BVB nach dem Abbrennen von Bengalos durch seine Fans auch noch eine empfindliche Geldstrafe droht. Oder wie Pierre-Emerick Aubameyang meinte: „Das war eine schwarze Nacht.“

Nuri Sahin zeigte sich sehr selbstkritisch: „Man muss klar sagen, da sind wir auch ein bisschen selbst schuld. Es ist noch eine Minute zu spielen, da muss man den Ball halten und sich in die Halbzeit retten. Das ist uns nicht gelungen, vielmehr verlieren wir auch noch Roman. Und zu zehnt war es dann natürlich schwer.“ Und Sven Bender fügte hinzu: „Immer wenn wir dachten, dass wir in das Spiel reinkommen, ist was Neues passiert.“

Zwar zeigten die Dortmunder im zweiten Durchgang Moral, steckten auch das 0:2 durch Lorenzo Insigne (67.) weg. Doch zu mehr als dem 1:2-Anschlusstreffer nach einem Eigentor durch Camilo Zuniga (87.) reichte es gegen ein starkes Team aus Neapel nicht mehr.

„Wir haben registriert, dass man in der Champions League einen anderen Fußball spielt als in der Bundesliga. Wir müssen im nächsten Spiel gegen Marseille unbedingt eine Schüppe drauflegen“, stellte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke klar, wohlwissend, dass dem Champions-League-Finalisten der vergangenen Saison ansonsten bei einer erneuten Pleite das frühe Aus in der Königsklasse droht. Allerdings müssen die Dortmunder dies dann ohne den routinierten Stammkeeper und ihren großen Motivator an der Seitenlinie tun.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare