Umfassendes Geständnis angekündigt

Ex-BVB-Boss Niebaum winkt Bewährungsstrafe

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Gerd Niebaum winkt offenbar eine Bewährungsstrafe.

DORTMUND - Der wegen Untreue, Kreditbetrugs und Urkundenfälschung angeklagte ehemalige Präsident von Borussia Dortmund, Gerd Niebaum, wird sehr wahrscheinlich nicht ins Gefängnis müssen. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Dortmunder Landgericht deutete die Vorsitzende Richterin Susanne Rauhaus am Freitag an, dass sie eine Bewährungsstrafe für möglich halte, falls dieser ein umfassendes Geständnis ablegt.

Von Holger Drechsel

Seine Anwälte kündigten ein solches für den weiteren Prozessverlauf an. Niebaum soll zwischen 2005 und 2009 laut Anklage in insgesamt 14 Fällen einen Schaden von rund 1,7 Millionen Euro angerichtet haben.

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Zu dieser Zeit war der lange Zeit überaus erfolgreiche Anwalt und Notar nicht mehr für den BVB tätig und hatte sich bei riskanten Immobiliengeschäften in Ostdeutschland komplett verhoben. Die Anklage spricht von Verbindlichkeiten in Höhe von 16 Millionen Euro bei Banken und noch einmal 1,3 Millionen Euro bei Privatleuten, die der ehemalige BVB-Boss angehäuft habe.

Ein Schuldenberg, den Niebaum am Freitag allerdings nicht einmal erwähnte, als er sich erstmals vor Gericht äußerte. Vielmehr skizzierte der tief gefallene „Sonnenkönig“ seine Lebensgeschichte als Erfolgsstory – von Jurastudium, Promotion, Kanzleigründung und glücklichem Familienleben.

Im Jahr 1978 hatte Niebaum seine Dortmunder Kanzlei gegründet, und „die Entwicklung der Kanzlei war erfreulich“, sagte der gebürtige Dortmunder. Spezialisiert auf Versicherungsrecht wuchs die Kanzlei stetig, in Spitzenzeiten seien „13, 14 Rechtsanwälte und 35 Mitarbeiter“ dort beschäftigt gewesen.

Niebaums Bilanz: "Jährlich um die 1000 Fälle"

Dazu kam noch Niebaums sehr einträgliche Tätigkeit als Notar von 1986 bis 2001 und – nach einer Unterbrechung wegen dessen BVB-Geschäftsführerjob – von 2006 bis 2011. „Jährlich um die 1000 Fälle“ habe er als Notar bearbeitet, sagte Niebaum und betonte: „Ich habe mein Amt stets ordnungsgemäß ausgeführt.“

Eine Aussage, die allerdings in krassem Widerspruch zur Anklage steht. Danach soll Niebaum unter anderem als Notar sich einen 460.000-Euro-Kredit aus dem ihm anvertrauten Nachlass einer Dortmunder Witwe genehmigt haben.

Doch dazu sagte Niebaum am Freitag ebenso wenig wie zu den anderen Vorwürfen – Erschleichen von Krediten mit falschen Vermögensangaben, Unterschriftenfälschung bei einem Kreditvertrag und Einbehalten von Mandantengeldern.

Kein Wort dazu, wie der ehemals überaus erfolgreiche Jurist so tief in die Schulden geraten konnte.

Kein Wort dazu, warum er erst sein Notarsamt zurückgeben musste und 2011 auch seine Anwaltszulassung verlor.

"Die Hintergründe dürften der Kammer bekannt sein"

Nur ein knappes „die Hintergründe dürften der Kammer bekannt sein“, sagte Niebaum zu dem Umstand, dass ihm seine Zulassung wegen „angenommenen vermögensverfalls“ entzogen wurde.

Heute habe er sich „ins Privatleben zurückgezogen“, sagte Niebaum: „Ich habe keine Einkünfte und lebe von den Ersparnissen und Einkünften meiner Familie.“ Ein Urteil wird für Mitte Februar erwartet.

Quelle: wa.de

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