Abflug nach Madrid

BVB träumt von der nächsten Sternstunde

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Auch heute stehen sich Cristiano Ronaldo (links) und Lukasz Piszczek gegenüber.

MADRID - Trotz der Personalsorgen um den gesperrten Robert Lewandowski träumen die BVB-Spieler wieder einer Sternstunde gegen die "Königlichen". Offiziell wird tiefgestapelt, doch ein bisschen ärgern will man die Madrilenen doch, wie Trainer Jürgen Klopp kurz vor dem Abflug zugibt.

Von Heinz Büse

Vom Finalisten zum "Aschenputtel" - vor der erhofften Champions-League-Sternstunde bei Real Madrid gab sich Jürgen Klopp als redegewandter Tiefstapler. Mit Verweis auf die großen Unterschiede beim Budget und auf die Personalnot seines Teams verglich er Borussia Dortmund kurzerhand mit der Märchenfigur. "Soll ich mich hier hinstellen und sagen, die hauen wir weg?", fragte Klopp kurz vor dem Abflug zum Viertelfinal-Hinspiel am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF und Sky).

Ähnlich wie der Fußball-Coach betonte auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke trotz der letztjährigen Endspielteilnahme die Rolle als Underdog: "Die Chancen stehen nicht übermäßig gut. Wir sind klarer Außenseiter. Aber das waren wir in der vorigen Saison auch." Sein Team wolle "ein starker, unangenehmer Gegner sein", ergänzte Klopp mit dezentem Optimismus. Und: "Ich bin ruhig. Wir werden unsere Möglichkeiten haben."

Den meisten Fachleuten fällt es indes schwer, an ein neuerliches Fußball-Wunder zu glauben. Denn im Gegensatz zur Saison 2012/2013, als der Revierclub sowohl in der Gruppenphase als auch im Halbfinale über die Königlichen triumphierte, steht diesmal nur eine Rumpfelf zur Verfügung. Von der Startformation, die beim 4:1 über Real im April 2013 für Furore gesorgt hatte, sind am Mittwoch nur noch vier Profis dabei. Dennoch überwiegt bei Nationalverteidiger Mats Hummels bei allem Respekt die Vorfreude: "Das ist eines der Spiele, von denen man schon als Junge geträumt hat."

Neben den Dauerverletzten Ilkay Gündogan, Neven Subotic, Jakub Blaszczykowski, Sven Bender und Marcel Schmelzer fehlt im Estadio Bernabéu auch noch Real-Schreck Robert Lewandowski. Die Gelb-Sperre des polnischen Nationalspielers wiegt besonders schwer: Schließlich hatte er in den vergangenen vier Duellen mit den Spaniern fünfmal getroffen - allein viermal im Halbfinale. "Auf jeden Fall besitzen wir im vorderen Bereich ein paar Optionen. Aber eines ist klar: Robert ist nicht zu ersetzen", bekannte BVB-Kapitän Sebastian Kehl.

Klopp ließ offen, wer für Lewandowski eingesetzt werden soll. Mögliche Alternative: Marco Reus oder Pierre-Emerick Aubameyang als sogenannte falsche Neun. Aubameyang gab ein besonderes Treuebekenntnis zur Borussia ab: Beim Abflug erschien er mit einem frisch ins Haar rasierten BVB-Emblem. Als eher unwahrscheinlich gilt, dass der international unerfahrene Julian Schieber den Vorzug erhält.

Das neuerliche Kräftemessen mit dem europäischen Dauerrivalen wird ohnehin zum Herkules-Akt. Schließlich ist der spanische Rekordmeister neben dem Lokalrivalen Atletico das einzige im laufenden Wettbewerb noch ungeschlagene Team. Zudem trifft Weltfußballer Cristiano Ronaldo, der am Mittwoch sein 100. Spiel in der Königsklasse bestreitet, derzeit nach Belieben.

Das bekam im Achtelfinale schon der BVB-Erzrivale Schalke (1:6, 1:3) zu spüren. Den jüngsten Niederlagen von Real in der Primera Division gegen den FC Barcelona und beim FC Sevilla misst Hummels deshalb keine große Bedeutung bei: "Ich sehe da keine Krise. Ich sehe da eine Anhäufung von verdammt vielen Weltklassespielern."

Immerhin wähnen sich die Borussen aus psychologischer Sicht leicht im Vorteil. Nach Einschätzung von Kehl hat sich der BVB im vergangenen Jahr beim Starensemble Respekt verschafft. "Wir haben schon 2012/13 bewiesen, dass wir sie schlagen können. Dass wir sie damals ausgeschaltet haben, wird sie noch wurmen", sagte der BVB-Kapitän dem "Kicker".

Geschäftsführer Watzke hofft auf eine ähnliche Dramaturgie mit Happy End, will aber diesmal bis zum Ende durchhalten. Beim 0:2 im Halbfinal-Rückspiel hatte er die Spannung nicht mehr ertragen und war in den letzten Minuten der Partie auf die Toilette geflüchtet: "Wenn wir in Madrid ohne Robert wieder 0:2 verlieren und das Rückspiel mit Robert eine Woche später 4:1 gewinnen - alles gut." - dpa

So könnten Sie spielen

Madrid: Casillas - Carvajal, Pepe, Sergio Ramos, Coentrao - Modric, Xabi Alonso, Di Maria - Bale, Benzema, Ronaldo. - Trainer Ancelotti

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm - Kehl, Sahin - Aubameyang (Hofmann), Mchitarjan, Großkreutz - Reus. Trainer: Klopp

Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England) - sid

Quelle: wa.de

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