Klopp redet sich in Rage

Hummels flüchtet frustriert in die Kabine

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Die offizielle Siegerehrung wollte sich der Nationalspieler einfach nicht mehr ansehen.

BERLIN - Der Frust war bei einem Dortmunder Spieler nach dem Schlusspfiff besonders groß. Als sich die BVB-Mannschaft gerade in die Fankurve begab, Bundespräsident Joachim Gauck den DFB-Pokal an Bayern-Kapitän Philipp Lahm überreichte, war Borussias Verteidiger Mats Hummels längst in der Kabine verschwunden.

Die offizielle Siegerehrung wollte sich der Nationalspieler einfach nicht mehr ansehen, hatte aber auch eine andere Erklärung für sein schnelles Abtauchen parat: „Ich habe mit Schmerzen gespielt und wollte einfach nur schnell die Schuhe wechseln.“ Persönlich hatte Hummels vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw eine überragende Partie gezeigt, einmal mehr eindrucksvoll demonstriert, warum er nach Meinung vieler Experten in Deutschland aktuell wohl der beste Innenverteidiger ist.

Doch den früheren Münchner ärgerte die Tatsache, dass die Borussia ausgerechnet im Finale gegen seinen ehemaligen Verein nicht die normale Leistung abrief: „Wir hätten besser Fußball spielen müssen“, meinte Hummels. In Topform hätten wir gewonnen und den Pokal jetzt in der Hand gehabt. Da bin ich mir sicher. Es hätte uns ein bisschen fußballerische Klasse gut getan. Das ist eine Sache, an der wir hoffentlich noch arbeiten werden.“

Es spricht für den 25-Jährigen, dass er nicht allein Schiedsrichter Florian Meyer für die Niederlage verantwortlich machte, der nach 64 Minuten sein Kopfballtor nicht anerkannte, obwohl der Ball beim Rettungsversuch des Münchners Dante die Torlinie deutlich überschritten hatte. „In meinen Augen war der Ball klar hinter der Linie. Deswegen habe ich auch gejubelt. Das ist sehr ärgerlich, denn nach diesem Tor wäre es deutlich einfacher für uns geworden“, betonte Hummels. „Wir hätten das Spiel trotzdem noch gewinnen können und müssen jetzt nicht so tun, als ob es an einer einzigen Szene gehangen hat. Im Endeffekt waren es Kleinigkeiten, die das Spiel entschieden haben.“

Jürgen Klopp erfuhr von einem Journalisten, dass der Linienrichter offenbar zunächst auf Tor entschieden hatte.

Dieser Auffassung war auch Jürgen Klopp, doch der Trainer redete sich schon während der Pressekonferenz nach dem Spiel in Rage. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff habe ihn der Unparteiische erklärt, dass die Schiedsrichter sich unbedingt die Torlinientechnik als Hilfsmittel wünschen. „Das konnte man auch so sehen“, echauffierte sich Klopp. „Das haben unsere Auswechselspieler am Rande ganz deutlich erkannt.“

Klopp regte sich besonders darüber auf, dass auf internationaler Ebene bei jedem Fußballspiel in Sibirien oder anderswo inzwischen Torschiedsrichter eingesetzt werden, der DFB das als einer der größten Verbände der Welt bei einem so wichtigen Spiel wie dem Pokalfinale aber offenbar nicht für notwendig ansieht. Als er dann anschließend noch von einem Journalisten erfuhr, dass der Linienrichter offenbar zunächst auf Tor entschieden hatte, platzte Klopp der Kragen. „Das ist der Hammer, wenn der Schiedsrichter die Entscheidung eines besser Postierten überstimmt und mir anschließend erzählt, dass die Torlinientechnik fehlt.“

 Der Coach wollte zwar nicht von einer Benachteiligung reden, fühlte sich aber schon über einen längeren Zeitraum ungerecht behandelt. „Wir liegen seit Jahren auf den ersten Plätzen der Fairnesstabelle, doch man geht mit uns um, als würden wir alles nur so wegtreten“, schimpfte der Trainer, um sich dann selbst zu bremsen: „ Bevor ich mich jetzt um Kopf und Kragen rede, höre ich lieber damit auf“, sagte Klopp. Angesichts des großen Frusts wohl die einzig richtige Maßnahme. - P. Sch.

Quelle: wa.de

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