Hitzfeld: Dortmund stärkster Konkurrent für Bayern

LÖRRACH - Deutschlands erfolgreichster Fußball-Trainer aller Zeiten, Ottmar Hitzfeld (63), freut sich auf den Rückrundenauftakt in der Bundesliga. Mit dem aktuellen Schweizer Nationaltrainer, der mit den Münchner Bayern und mit Borussia Dortmund Champions-League-Sieger wurde und zahlreiche Meistertitel holte, sprach Wilfried Horrmann.

Kann Borussia Mönchengladbach nach dem überraschenden 1:0-Auftaktsieg in München am Freitagabend noch einmal die Bayern ärgern und die Meisterschaft noch spannender machen? Hitzfeld: Das glaube ich schon. Gladbach ist unter meinem geschätzten Kollegen Lucien Favre im letzten Jahr wie eine Blume aufgeblüht, hat sensationelle Leistungen gezeigt und steht zu Recht ganz oben dabei. Sie können die Bayern zum jetzigen Zeitpunkt durchaus schlagen, weil auch sie noch nicht wissen, wo sie derzeit stehen. Zu Beginn einer Saison und einer Rückrunde ist alles möglich.

BVB-Coach Jürgen Klopp käme eine Niederlage der Bayern wohl nicht ungelegen…

Hitzfeld: Das stimmt, aber der BVB muss ja auch erst mal in Hamburg gewinnen. Der HSV ist von Thorsten Fink enorm stabilisiert worden, das wird kein Selbstläufer für den BVB. Schon zu meiner Dortmunder Zeit haben wir uns in der Hansestadt immer schwer getan.

Zurück zum Auftaktspiel der Bayern in Gladbach: Wie sehen Sie die Entwicklung bei der Borussia vom Niederrhein?

Hitzfeld: Ich bin begeistert, wie Lucien Favre aus einer Schießbude eine unglaublich sichere Defensive baute, wie er auch die Offensive mit dem überragenden Marco Reus kreiert hat. Das ist klasse. Favre ist auch für mich – neben Jürgen Klopp – der Trainer des Jahres.

Aber nun werden mit Reus und Neustädter zwei Asse am Ende der Saison den Verein verlassen…

Hitzfeld: Aber das ist doch das Geschäft. Es gibt auch wirtschaftliche Seiten, und die Borussia verkauft Reus mit riesigem Gewinn. Damit muss man als Trainer leben, deshalb wird in Gladbach doch nicht die Welt untergehen. Dortmund verlor mit Sahin doch auch zu Beginn der Saison den besten Mann an Real Madrid, und dazu fiel Torjäger Barrios mit einer Verletzung fast die ganze Hinrunde aus. Und sie stehen trotzdem oben dabei.

Ist denn für sie die Entscheidung von Reus, zum BVB anstatt nach München zu wechseln, die richtige?

Hitzfeld: Ja, ich glaube schon. Bei einer Offensive mit Robben, Ribery, Müller, Schweinsteiger, Gomez usw. hätte Marco bei den Bayern auch auf der Bank landen können.

Können denn die relativ gleich gelagerten Offensivkünstler Götze, Kagawa und Reus nächste Saison beim BVB zusammen auflaufen und harmonieren?

Hitzfeld: Da sehe ich überhaupt kein Problem, Klassespieler können immer zusammen spielen. Der BVB wird dadurch nächste Saison noch unberechenbarer, diese Jungs werden bestimmt mächtig Wirbel machen.

Wer wird denn Meister?

Hitzfeld: Für mich ist Bayern München der Top-Favorit. Sie haben die größte Substanz. Und Jupp Heynckes hat es geschafft, wieder die Balance zwischen Abwehr und Offensive zu festigen. Als größten und stärksten Konkurrenten sehe ich den BVB, zumal man ja auch die Belastung durch die Champions League nun nicht mehr hat. Borussia Dortmund wird nicht locker lassen.

Aber BVB-Chef Aki Watzke betont immer wieder, dass die Bayern die unangetastete Nummer 1 sind. Sehen Sie das auch so?

Hitzfeld: Ja, Bayern ist nun mal der Marktführer und wird dies auch in naher Zukunft bleiben. Aber man muss schon mit Hochachtung nach Dortmund blicken. Da sind im vergangenen Jahr mit Hummels, Bender, Götze, Großkreutz und Schmelzer fünf Talente ins Nationalteam gerückt. Und die Borussia wurde ein hoch verdienter Meister. Dennoch blieb die Führungsriege mit Watzke, Zorc und Klopp immer zurückhaltend, respektvoll und seriös. Das hat mir sehr gut gefallen.

Quelle: wa.de

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