Rückkehr als Bayern-Profi

Mario Götze trifft in Dortmund und schweigt

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Mario Götze nach seinem Treffer in Dortmund.

DORTMUND - In seinen Badelatschen war er so schnell gelaufen, wie es das Schuhwerk ermöglichte. Vorbei an den wartenden Journalisten mit ihren Kameras, Mikrofonen und gezückten Stiften. Hin zum Kabinentrakt der Dortmunder, wo er sein Trikot mit Marco Reus tauschen wollte.

Von Patrick Droste

Doch die Türen waren zu, Mario Götze stand unschlüssig herum, wartete, verschwand zwischenzeitlich in einem Nebenraum, ehe sich die Kabinen dann doch öffneten. Als er sein Shirt losgeworden und ein schwarz-gelbes dafür zugesteckt bekommen hatte, machte er sich schnell zurück auf den Weg zur Bayern-Kabine. Ohne dabei mit einem Journalisten über seine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte sprechen zu wollen. „Hier ist das nicht gut“, erklärte er kurz und knapp auf Nachfrage unserer Zeitung.

Etwas deutlicher wurde wenig später Markus Hörwick, der Pressesprecher des FC Bayern: „Das ist für ihn eine Respektgeschichte. Er hatte schon vor dem Spiel erklärt, dass er hier nichts sagen will. Es hängt noch viel bei ihm.“

Wie viel bei den Fans des BVB noch hängt, nachdem ihr einstiger Liebling trotz vorheriger Treuebekenntnisse im Frühjahr seinen Wechsel nach München bekannt gegeben hatte, wurde schon vor der Partie mehr als deutlich. Vor dem Stadion verbrannten die Dortmunder Anhänger Götze-Trikots, hielten vor dem Anpfiff eine Plakat mit der Aufschrift „Für dich war’s längst klar“ und anderen Beleidigungen hoch. Hinzu kam ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert, als Götzes Name bei der Bekanntgabe der Auswechselspieler gerufen wurde – denn Bayern-Coach Pep Guardiola hatte seinen Millionen-Einkauf zunächst auf die Bank beordert – ob aus taktischen Gründen oder ob er ihm weitere Schmährufe ersparen wollte, blieb unergründlich.

Bilder vom Spiel:

BVB unterliegt Bayern 0:3

Die gellenden Pfiffe nahmen dann aber doch noch außergewöhnliche Dimensionen an, als der 21-Jährige in der 56. Minute für Mario Mandzukic eingewechselt wurde – ein Tausch, der urplötzlich vollzogen wurde. Denn Götze hatte sich nicht neben dem Platz warmgelaufen, sondern still und heimlich im dunklen Spielertunnel. Als er dann im gleißenden Licht der Flutlichtmasten das Spielfeld betrat, machte er dann aber einfach nur das, was er kann. Und wofür er fürstlich bezahlt wird: Fußballspielen – und Tore schießen. Gerade einmal zehn Minuten später sorgte er nämlich mit seinem Treffer für die Vorentscheidung in dieser Partie – mit der sechsten Ballberührung nach seiner Einwechslung. Anschließend hob er seine Arme, so als wolle er sich für diesen Treffer entschuldigen.

„Das sind Geschichten, die passieren nur im Fußball. Das ist unglaublich“, staunte Bayerns Thomas Müller, während Philipp Lahm betonte: „Schön für uns, dass Mario das 1:0 macht. Dass er fußballerisch viel Qualität hat, wissen wir.“ Und Manuel Neuer stellte klar: „Mario kam rein, hat eiskalt zugestochen – auch mit einer Coolness und einer Ruhe. So wie es ein erfahrener Spieler mit 28 machen würde.“ Weniger angetan war dagegen BVB-Coach Jürgen Klopp vom Treffer seines einstigen Schützlings. „Ne, das schmerzt nicht, dass ausgerechnet Mario getroffen hat. Ich hätte mir nur gewünscht, dass er zu seinen Dortmunder Zeiten öfter mal solche Tore gemacht hätte.“

Doch jetzt spielt er eben für den deutschen Rekordmeister – ein Wechsel, der für Münchens Toni Kroos nur logisch war. „Ich meine, was soll man ihm vorwerfen?“, fragte er. „Er wollte den nächsten Schritt in seiner Karriere machen. Mit seiner Qualität gehört er zu den Bayern und nicht zu Dortmund. Punkt.“ Später feierte Götze doch noch ausgelassen den Bayern Sieg, war in Jubelpose auf einem Foto zu sehen, das Jerome Boateng aus dem Bayern-Bus in einem sozialen Netzwerk gepostet hatte...

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Quelle: wa.de

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