Nach Marseille-Drama: BVB feiert den Achtelfinal-Einzug

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MARSEILLE - Bei der Tour durch die Beletage des europäischen Fußballs hat der BV Borussia Dortmund das gesteckte Etappenziel so gerade noch mit dem letzten Benzintropfen erreicht.

Von Peter Schwennecker 

„Diese Mannschaft kann offenbar nur Drama“, stöhnte Ex-Profi und -Stadionsprecher Norbert Dickel, der als Live-Kommentator für das BVB-Netradio angesichts der fast im Minutentakt vergebenen Großchancen einer Herzattacke sehr nahe war und nach dem Siegtreffer durch Kevin Großkreutz in der 87. Minute wahre Freudentänze auf der Pressetribüne aufführte.

Mit dem letzten Aufgebot hatten sich die Schwarz-Gelben allerdings hochverdient mit 2:1 (1:1) bei Olympique Marseille durchgesetzt und sich dank der Energieleistung sogar noch auf den ersten Platz der Vorrundengruppe F vor Arsenal London geschoben. Für Hans-Joachim Watzke, dem Vorsitzender der BVB-Geschäftsführung, eine echte Genugtuung. „Viele haben uns ja in den vergangenen Wochen schon am Scheideweg, vor dem Börsen-Crash oder ähnlichem Unfug gesehen“, sagte er in den Katakomben des Stade Velodrome. „Jetzt haben wir diese starke Gruppe als Sieger abgeschlossen. Und das ist ein echtes Ausrufezeichen.“

Laut Watzke habe die Mannschaft trotz aller Probleme den Einzug in das Halbfinale mehr als verdient: „Nach dem alten K.o.-Modus im Europapokal haben wir gegen alle Teams dieser Gruppe den direkten Vergleich gewonnen.“ Erleichtert war auch Trainer Jürgen Klopp, dass der Krimi in Marseille für die Borussen ein Happy End fand: „Wer so viele Möglichkeiten auslässt, ist im Fußball schon mal hart bestraft worden.“

Neben Großkreutz, dem Schützen des entscheidenden Tores, gab es in dieser Partie zwei weitere Helden. Nuri Sahin zeigte trotz eines Teilabrisses des Außenbandes im Sprunggelenk vor allem nach der Pause als zentraler Taktgeber und Lenker im Aufbauspiel des Bundesligisten eine Klasseleistung. Sein Einsatz, versicherte er nach der Partie, sei kein Risiko gewesen. „Ich muss mich vor allem bei unserer medizinischen Abteilung bedanken“, erklärte Sahin: „Die haben mich vor dem Spiel Tag und Nacht behandelt.“ Deswegen sei er, nicht zuletzt aber auch wegen einiger Medikamente, ohne Schmerzen in die Partie gegangen. Der verletzte Fuß wurde auch in der Halbzeit noch einmal getapet. „Ich habe mich gut gefühlt“, bestätigte Sahin.

Ein bewegendes Kapitel Dortmunder Fußball-Geschichte schrieb zudem der erst 18-jährige Marian Sarr, der zuvor nicht einmal eine Minute in der Bundesliga gespielt hatte. „Es war schon cool, wie der hier aufgetreten ist. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er auch nur einen Zweikampf verloren hat“, lobte Trainer Jürgen Klopp den Innenverteidiger. „Es ist etwas Außergewöhnliches, sein Debüt als Profi in der Champions League zu feiern“, fuhr der Trainer fort: „Er war sicherlich angespannt, doch Nervosität habe ich bei ihm überhaupt nicht gesehen.“

Neben seiner Ruhe in den Aktionen stellte Klopp besonders die Passgenauigkeit von Sarr heraus. Da am Samstag im Bundesliga-Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim der in Marseille erneut überragende Sokratis gesperrt ist, dürfte Sarr, der erst im Januar von Leverkusen verpflichtet wurde, am Wochenende auch seine Premiere im deutschen Fußball-Oberhaus feiern.

Quelle: wa.de

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