Früherer BVB-Präsident

Der tiefe Fall des Dr. Gott: Gerd Niebaum vor Gericht

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Schwere Vorwürfe: Der ehemalige Präsidentvon Borussia Dortmund Gerd Niebaum verlässt am Freitag das Landgericht. Er ist unter anderem wegen Betrug, Untreue und Urkundenfälschung angeklagt.

DORTMUND - Untreue. Kreditbetrug. Urkundenfälschung. Die Vorwürfe gegen Gerd Niebaum wiegen schwer. Seit Freitag steht der ehemalige Präsident von Borussia Dortmund vor dem Landgericht Dortmund. Die Aussichten für den ehemaligen „Sonnenkönig“ sind düster.

Von Holger Drechsel

Der Name Niebaum – in Dortmund zieht er noch. Etliche Zuschauer und Kamerateams drängen sich vor dem kleinen Sitzungssaal 136 des Dortmunder Landgerichts. Es dauert, bis alle Platz gefunden haben. Niebaum, mittlerweile 66, steht im Blitzlichtgewitter, die Hände betont lässig in den Hosentaschen versenkt, und lächelt. Und für diesen kleinen Moment ist es ein bisschen wie in den alten, glanzvollen Zeiten des Mannes, den man in Dortmund seinerzeit oft „Dr. Gott“ nannte.

Es ist ein bemerkenswerter Absturz, den Gerd Niebaum hingelegt hat. Als Präsident führte er den Bundesligisten Borussia Dortmund in den 1990-er Jahren ganz nach oben: Drei Meisterschaften, ein Pokalsieg und, als Krönung, der Champions-League-Titel 1997 fallen in die Zeit seiner Regentschaft. In diese Zeit aber fällt auch der rasante Niedergang des BVB, der nur haarscharf an der Pleite vorbeischrammte. Niebaum und sein Manager Michael Meier hatten ein maßlos überteuertes Kartenhaus aufgebaut und viele Millionen Euro verbrannt.

Wege trennten sich 2005

Bis 2004 stand Gerd Niebaum an der Spitze des BVB.

Die Wege des Vereins und seines Königs trennten sich 2005. Für den BVB ging es wieder aufwärts, doch die Talfahrt des Gerd Niebaum ging weiter. Lange Jahre hatte er als Anwalt und Notar mit seiner noblen Praxis an der B1 glänzende Geschäfte gemacht. Irgendwann aber verzockte sich der Erfolgsgewohnte beim riskanten Spiel mit Immobilien im Osten und häufte einen aberwitzigen Schuldenberg an. Ab etwa 2005 war seine Vermögenslage „desolat“, wie es Staatsanwalt Dirk Stickeln nennt. In seiner Anklageschrift spricht er von 16 Millionen Verbindlichkeiten bei Banken und weiteren 1,3 Millionen bei Privatleuten, die Niebaum angehäuft habe – und das, obwohl seine Praxis zu dieser Zeit noch eine Million Euro Gewinn im Jahr gemacht habe.

Niebaum, so skizziert es der Staatsanwalt, wurde immer mehr zum Getriebenen. Er brauchte immer neues Geld, um immer neue Finanzlöcher zu stopfen. Pumpte Freunde und Verwandte an, klapperte Banken ab – und wurde dabei irgendwann, so die Anklage, vom Zocker zum Straftäter.

So habe sich Niebaum im Jahr 2005 am Nachlass einer Dortmunder Witwe bedient: Der Notar gewährte sich selbst einen Kredit und hob knapp 460 000 Euro vom Festgeldkonto der Verstorbenen ab, die er in Raten zurückzahlen wollte, so der schwerste Anklagevorwurf.

Falsche Angaben zu Verbindlichkeiten

Außerdem habe Niebaum beim Versuch, frische Kredite oder höhere Kreditlinien zu bekommen, falsche Angaben zu seinen Verbindlichkeiten gemacht – unter anderem bei der Sparkasse Münsterland-Ost und der Sparkasse Werl. Letztere ließ Niebaum aber abblitzen, berichtet der Staatsanwalt.

Dritter Vorwurf: Niebaum soll eine Unterschrift seines Schwagers nach dessen Tod gefälscht haben, um sich so eine längere Frist für die Rückzahlung von zwei Darlehen über insgesamt 600 000 Euro zu erschleichen. Darüberhinaus soll der Mann, der früher mit Millionen jonglierte, in etlichen Fällen fällige Mandantengelder nicht ausgezahlt haben – Forderungen von mal 1000, mal 3000 Euro blieben so unbezahlt. Niebaum war finanziell tief gefallen.

Anwaltstitel 2011 entzogen

Und seine Chancen, wieder zu Geld zu kommen, sind nicht groß. Nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn legte Niebaum sein Notariat nieder. 2011 folgte dann der berufliche Knockout: Wegen „Vermögensverfalls“ wurde ihm der Anwaltstitel entzogen. Seitdem ist es still geworden um Niebaum, in der Öffentlichkeit sieht man ihn kaum.

Auch den ersten Prozesstag verfolgt er schweigend: Allerdings kündigen seine Anwälte im weiteren Verlauf eine „grundsätzliche Äußerung“ an und versprechen eine Auflistung der mittlerweile von Niebaum geleisteten Zahlungen, um das Schuldengeflecht zu entwirren. Das Urteil soll am 13. Februar gesprochen werden.

Quelle: wa.de

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