"Einmal BVB, immer BVB"

1966er-Kapitän Wolfgang Paul wird 75 Jahre alt

DORTMUND - Noch heute steht der Kapitän des ersten deutschen Europapokalsiegers von 1966 täglich in seinem Uhrengeschäft in Olsberg im Sauerland. Am Sonntag feiert der ehemalige BVB-Spieler Wolfgang Paul seinen 75. Geburtstag.

5. Mai 1966 - Borussia Dortmund steht im Glasgower Hampden Park im Finale des Europapokals der Pokalsieger. Gegner ist der große FC Liverpool mit Trainerlegende Bill Shankly, dem jungen deutschen Team von Coach Willi Multhaup werden kaum Chancen eingeräumt. Am Ende aber stemmt der BVB den Siegerpokal in den verregneten schottischen Himmel, vor allem dank Kapitän Wolfgang Paul. "Wir waren die erste deutsche Mannschaft, die den Europacup gewonnen hat. Darauf bin ich heute noch stolz", sagt Paul.

An diesem Sonntag wird er 75 Jahre alt. Gefeiert wird nur im kleinen Familienkreis, mit Frau Almuth und den Töchtern Cardel und Andel geht es übers Wochenende in ein Hotel. Wo, das verrät der Großvater von vier Enkeln niemandem: "Sonst stehen mir hier zu viele Leute vor der Tür", meint er lachend.

Wolfgang Paul mit einem Ball der Fußball-Weltmeisterschaft 1966. Der

Geboren in Olsberg im Sauerland, und zunächst für seinen Heimatverein TuS Bigge und den VfL Schwerte am Ball, lockt die Borussia den beinharten Verteidiger 1961 nach Dortmund. Paul aber fährt weiter zweigleisig, denn nach der Schule ist er beruflich in die Fußstapfen seines Großvaters Karl getreten. "Er hatte in Schwerte einen gut gehenden Uhrenladen. Auch mein Vater war Uhrmacher und ich bin es dann auch geworden", verrät Paul.

Noch heute steht er täglich im Geschäft, der "Juwelier Paul" ist bekannt in Olsberg. Eine Riesenuhr auf dem Bürgersteig an der Hauptstraße wirbt für den berühmten Sohn der Stadt. Sogar der Siegerring für die Helden von Glasgow ist "made by Paul". Der BVB vergab den Auftrag für das Goldstück mit der Gravur "Europapokalsieger 1966" an den Onkel des damaligen BVB-Spielführers.

Es stehen sich am 28. Mai 1966 Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund gegenüber. Das Spiel endete 4:1 für die Eintracht. Der Frankfurter Kapitän Dieter Lindner (rechts) und der Dortmunder Kapitän Wolfgang Paul bei der Platzwahl mit dem Schiedsrichter Werner Treichel.

"Willst du Profi werden oder nicht?", fragte ihn Trainer Hermann Eppenhoff vor mehr als 50 Jahren. Schließlich geht beides. "In der Woche war tagsüber Training und nachmittags habe ich bei meinem Onkel im Uhrengeschäft gearbeitet. Auch freitags, wenn die Mannschaft vor den Heimspielen in die Sportschule Kaiserau gefahren ist."

Wolfgang Paul zeigt in seinem Garten in Olsberg ein altes Foto, auf dem er als Spielführer des BVB den gewonnen Europapokal der Pokalsieger präsentiert.

Bei der Borussia wird der gelernte Halbstürmer schnell zum Abwehrchef umfunktioniert, wird 1963 deutscher Meister und 1965 DFB-Pokalsieger. Im Europapokal-Finale 1966 gegen die "Reds" ist er gemeinsam mit Vorstopper Rudi Assauer der Turm in der Schlacht. "Mit dem Rudi klappte das prima. Natürlich war das Spiel gegen Liverpool das größte in meiner Laufbahn, aber persönlich habe ich im Halbfinale gegen West Ham United besser gespielt", betont Paul. Die Engländer wollten ihn dann gleich verpflichten: "Das kam aber für mich nicht in Betracht."

Gut zwei Monate später fährt er mit der deutschen Nationalelf zur WM nach England. Bundestrainer Helmut Schön hatte ihn kurz zuvor zum ersten Mal in die DFB-Auswahl berufen. Und auch wenn er bei der WM keine einzige Minute spielt, darf sich Paul Vizeweltmeister nennen.

1971 muss er seine Karriere nach mehreren Meniskusrissen beenden. Das Knie macht nicht mehr mit. "Heute ist das keine große Sache, da sind die Profis nach einer Arthroskopie zwei Wochen später wieder auf dem Platz. Aber damals war das eine schwere Verletzung."

Danach zieht Paul zurück in die Heimat, eröffnet das eigene Geschäft. Den Schwarz-Gelben bleibt er bis heute als Vorsitzender des Ältestenrats treu. "Einmal BVB, immer BVB", sagt Paul voller Stolz. Die aktuelle Tabellensituation macht ihm deshalb keine großen Sorgen: "Die Hinrunde war schlecht, ganz klar. Aber in der Mannschaft steckt so viel Qualität, dass wir auf keinen Fall absteigen." - dpa

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

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