BVB geht am Stock

Hummels-Schock raubt letzte Bayern-Vorfreude

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Mats Hummels

[UPDATE 14.20 Uhr] DORTMUND/LONDON - Ganz Fußball-Deutschland fiebert dem Bundesliga-Schlager zwischen Borussia Dortmund und Bayern München entgegen. Beim BVB regieren aber auch Frust und Skepsis.

Als die Diagnosen von Mats Hummels und Marcel Schmelzer eintrafen, war bei Borussia Dortmund auch noch die letzte Vorfreude auf den "deutschen Clasico" verflogen. Die Abwehr geht nach dem neuerlichen Schock komplett am Stock, der Termin sorgt für Ärger und im schlimmsten Fall droht schon nach dem Schlager am Samstag (18.30 Uhr/Sky) das Ende der größten Titelträume.

Angesichts dieses Sacks voller Sorgen würden die BVB-Verantwortlichen den Bundesliga-Gipfel wohl am liebsten absagen. Borussia-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und -Präsident Reinhard Rauball hatten das Londoner Wembley-Stadion nach dem deutschen 1:0-Sieg gegen England bereits mit hochrotem Kopf und ohne jeden Kommentar verlassen.

Am Mittwochmittag hatten sie bittere Gewissheit. Innenverteidiger Hummels (24) erlitt einen knöchernen Bandausriss am rechten Fersenbein und wird voraussichtlich bis Mitte Januar ausfallen. Schmelzer (25) muss wegen eines Faserrisses in der linken Wadenmuskulatur wohl drei Wochen pausieren.

Das lange ersehnte und gelungene Nationalmannschafts-Debüt von Torhüter Roman Weidenfeller war spätestens da zur Randnotiz verkommen. Fehlt der Borussia nach den vorherigen Verletzungen von Hummels' Nebenmann Neven Subotic (Kreuzbandriss) sowie von Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek doch über Wochen die gesamte Stamm-Viererkette.

Der Pole Piszczek kam im Test gegen den SC Paderborn (1:2) zwar wieder zum Einsatz, steht für das Bayern-Spiel aber noch nicht zur Verfügung. Dass sich gegen den Zweitligisten auch noch der als Ersatz für Subotic oder Hummels infrage kommende Testspieler Manuel Friedrich am Knie verletzte, macht das schier unglaubliche Dilemma des BVB perfekt.

Marcel Schmelzer

"Das ist zwar be********, aber wenn man sieht wie es Neven oder Sami geht gibt es auch Schlimmeres", schrieb Hummels auch mit Blick auf den verletzten Nationalmannschafts-Kollegen Sami Khedira (Kreuzbandriss) bei Facebook: "Ich werde die Jungs anfeuern so gut es geht, die kommenden Wochen werden sehr schwierig, aber wir werden das schon hinkriegen."

Als er von alledem noch nichts wusste, kritisierte Sportchef Michael Zorc derweil schon die Ansetzung Liga-Gipfels. "Das ist für mich persönlich eine unglückliche Terminierung", sagte Zorc der Sport Bild: "Dieses Spiel vor einem fünften Spieltag in der Champions League zu setzen, an dem es im Normalfall noch um viel geht - und unmittelbar nach einer langen Länderspiel-Pause. Es ist nicht optimal für alle Beteiligten, von der Vorbereitung her, von der Vorfreude, von allem."

Drei Tage nach dem Spitzenspiel müssen die Dortmunder im Champions-League-Spiel gegen den SSC Neapel gegen das vorzeitige Aus in der Königsklasse kämpfen - ebenfalls ohne Hummels und Schmelzer.

Nicht nur diese Sorgen plagen die bereits fürs Achtelfinale qualifizierten Münchner nicht. Im Nachhinein klingt es sogar wie Hohn, dass Bayern-Kapitän Philipp Lahm im klubeigenen TV mit seinem unverhofften Heimaturlaub kokettierte. Er freue sich darüber "ein paar Tage zu Hause zu sein", sagte Lahm dort, die unerhoffte Regeneration habe "sehr, sehr gut" getan. Und so kam er zu dem Schluss: "Wir werden top vorbereitet sein."

Den BVB-Funktionären dürften diese Aussagen schwer im Magen liegen, auch wenn Lahm sie bereits am Dienstagmittag tätigte. Dass in Lahm und Torhüter Manuel Neuer zwei Bayern-Stars von Bundestrainer Joachim Löw vor dem England-Spiel nach Hause beordert wurden, dürfte den Westfalen auch nicht unbedingt gefallen haben.

Statt wie vier Tage zuvor in Italien mit sechs Bayern und einem Dortmunder "mussten" in London plötzlich vier Borussen und nur drei Münchner in der Startelf auflaufen. Die Verletzungen von Hummels und Schmelzer waren die unschöne Pointe.

"Das Spitzenspiel zwischen Dortmund und Bayern war in den vergangenen Tagen kein Thema bei uns. Dass sich die Spieler nun nach den beiden Länderspielen gegen Italien und England auf dieses Match fokussieren, ist doch ganz klar", hatte Nationalmannschafts-Teammanager Oliver Bierhoff gesagt, der ebensowenig wie Löw die Aufregung während der Länderspielreise verstehen konnte. Dass der Bundestrainer Lahm und Neuer vorzeitig nach Hause geschickt habe, sei aus nachvollziehbaren Gründen erfolgt und hätte rein gar nichts mit einer Wettbewerbsverzerrung für das erneute Duell der Champions-League-Finalisten am Samstag zu tun. Zumal Bayern-Profi Toni Kroos in beiden Spielen über die volle Distanz gegangen war. - sid

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Quelle: wa.de

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