Keine Rücksicht auf Liga-Gipfel:

Deutschland mit BVB-Block gegen England

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LONDON - Joachim Löw wurde energisch. Der Bundestrainer schert sich weder um Vorwürfe der englischen Gastgeber noch um die Debatte über mögliche Ungerechtigkeiten vor dem Bundesliga-Gipfel Dortmund gegen FC Bayern.

Mit einem starken BVB-Block um den Torwart-Debütanten Roman Weidenfeller und Khedira-Ersatz Sven Bender will Löw die Engländer in ihrem Heiligtum ärgern und besiegen. "Alle, die hier dabei sind in London, sind einsatzfähig und freuen sich wahnsinnig auf dieses Spiel. Das ist ja auch ein Mythos", berichtete Löw, der beim Abschlusstraining mit seinem Team schon einmal die besondere Atmosphäre der Wembley-Arena testete.

Bilder vom Abschluss-Training

DFB-Team fährt mit der U-Bahn zum Abschlusstraining

Jede Diskussion um Bevorzugung und Belastung der Nationalspieler des BVB und des FC Bayern wischte der Bundestrainer in London rigoros als "populistisch" vom Tisch. "Eins ist klar, dass ich als Nationaltrainer auf die Nationalmannschaft schaue und das Spiel als wichtigen Test sehe. Dortmund gegen Bayern ist schon mal gar nicht mein Thema. Mein Thema ist England und Chile im nächsten Jahr", sagte Löw mit Blick auf die letzten Testspielgegner vor seiner Kadernominierung für die WM im kommenden Sommer.

"Das ist eher ein Thema der Medien. Von Vereinen und Trainern habe ich es noch nicht gehört", sagte Löw zu den Vergleichen, wie lange welcher Nationalspieler aus Dortmund und München nach dem 1:1 in Italien noch einmal zum Einsatz komme. Vor allem aus der Chefetage des BVB hatte es immer mal wieder Zweifel an einer Gleichbehandlung der beiden deutschen Topclubs gegeben.

Vier Tage vor dem Liga-Spitzenspiel könnten in London fünf Dortmunder Akteure in der Startelf stehen, vom FC Bayern womöglich nur ein oder zwei; in Italien war es jedoch entgegengesetzt gewesen. "Es ist Dienstag, es ist ein Spiel in Wembley mit jungen Spielern, die völlig austrainiert sind. Wenn das ein Problem ist, entwickeln wir uns in Deutschland wieder in eine andere Richtung - in eine falsche", betonte Löw energisch.

Bestätigt wurde er vom Dortmunder Sven Bender, der im 33. Spiel gegen England - bisher stehen elf deutschen Siegen 15 Niederlagen entgegen - die Rolle des schwer am Knie verletzten Sami Khedira in der Mittelfeldzentrale übernehmen soll. "Ganz sicher werde ich mich nicht schonen, wenn ich zum Einsatz kommen sollte. Ich gehe in jedes Spiel mit hundert Prozent, mit allem, was mir zur Verfügung steht. Ich bin froh über jede Minute, die ich spielen darf", erklärte der 24-Jährige vor seinem siebten Einsatz für Deutschland.

Der Bundestrainer legte sich bei den meisten Personalien fest. Weidenfeller steht mit 33 Jahren erstmals im deutschen Tor. Er wird zum ältesten Torhüter-Debütanten in der Geschichte der DFB-Auswahl. Der von einer Grippe genesene Per Mertesacker rückt wieder in die Innenverteidigung. Den Job an der Seite des Kapitäns könnten sich Mats Hummels vom BVB und Bayern-Profi Jérome Boateng zeitlich teilen. Dortmunds Marcel Schmelzer darf links verteidigen. Dessen Vereinskollege Marco Reus soll davor das Spiel schnell machen.

"Im Wembley zu spielen, ist immer etwas ganz Besonderes. Ich freue mich auf die Aufgabe", bemerkte Weidenfeller, mit dem Löw in diesen Tagen einige Gespräche geführt hat. "Er hat im Training einen fantastisch guten Eindruck gemacht, ist absolut präsent, eine gereifte Persönlichkeit mit großer Ausstrahlung im Tor", lobte der Bundestrainer den insgesamt 58. Neuling in seiner Amtszeit.

Bestätigt Weidenfeller gegen England das Urteil, könnte er mit guten Chancen auf ein Brasilien-Ticket ins WM-Jahr gehen. "Wir müssen im Mai die endgültige Entscheidung treffen und darauf vorbereitet sein", sagte Löw in der Bibliothek des Royal Horseguards Hotels, unweit gelegen von Scotland Yard und Trafalgar Square.

Möglichkeiten zur Bewährung sollte Weidenfeller bekommen. Löw zählt England noch immer zu den stärksten Nationen der Welt: "Diese Mannschaft spielt gerade zu Hause mit unheimlicher Wucht, Dynamik und Zweikampfstärke." England-Spezialist Mertesacker weiß als Arsenal-Profi: "Der Respekt ist einfach gegenseitig."

Quelle: wa.de

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