BVB-Profi Matthias Ginter im Interview

Hautnah erlebt, "wie schnell es im Fußball gehen kann"

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Dortmunder Weltmeister-Trio: Erik Durm, Mats Hummels und Matthias Ginter.

LA MANGA - Dortmunds Innenverteidiger Matthias Ginter blickt auf ein ereignisreiches Fußballjahr 2014 zurück, mit sämtlichen Facetten, die ein Profileben bietet. Im Trainingslager des BV Borussia im spanischen La Manga sprach Peter Schwennecker mit dem 20-Jährigen über die bewegenden Momente und über den anstehenden Kampf gegen den Abstieg in der Bundesliga.

2014 war für Sie ein besonderes Jahr mit vielen Ereignissen. Mit Freiburg den Abstiegskampf in der Liga gemeistert, das Debüt in der Nationalmannschaft gefeiert, die WM in Brasilien, der Wechsel nach Dortmund und der erste Auftritt in der Champions League. Hat Sie das in irgendeiner Form geprägt oder sogar verändert?

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Ginter: Es hat mich nicht verändert, aber auf jeden Fall weiter entwickelt. Es ging zuletzt eigentlich immer bergauf. Erst mit dem Nichtabstieg, dann mit dem Debüt in der Nationalmannschaft, die WM in Brasilien. Es war ein Riesenjahr. Leider kam dann die Bundesliga-Hinrunde noch dazu. Dieses Jahr zeigt, wie schnell es im Fußball manchmal gehen kann. Ich habe auf jeden Fall wahnsinnig viel gelernt.

Sie sind gebürtiger Freiburger, haben neun Jahre für den SC gespielt. War es schwer, sich von einem Verein zu trennen, mit dem man so verwachsen war?

Ginter: Ich war meine ganze Jugendzeit in Freiburg, habe dort auch die ersten Schritte in den Profibereich gemacht. Aber Borussia Dortmund war auch mein Verein. Es ist mir nicht allzu schwer gefallen, weil es eine Herzensangelegenheit war.

Wie wird man als Freiburger Fan von Borussia Dortmund?

Matthias Ginter im Freiburger Dress.

Ginter:Das hängt noch ein bisschen mit der Meisterschaft 2002 zusammen. Ich war damals einmal mit meinen Eltern im Stadion. Die Atmosphäre, das ganze Drumherum waren für mich schon etwas ganz Besonderes.

Sie sind beim BVB als Perspektivspieler bis 2019 verpflichtet worden. Ist es für Sie eine schwierige Situation, kein Stammspieler zu sein?

Ginter: Es war von vornherein klar, dass ich Geduld mitbringen muss. Ich habe trotzdem in dem halben Jahr schon sehr viel gelernt, bin jetzt auch nach der Winterpause fitter als nach der WM zurückgekommen.

Woran müssen Sie in erster Linie arbeiten?

Ginter: Es gibt als Fußballer keinen Bereich, den man nicht verbessern muss, ob mit oder gegen den Ball. Als Verteidiger steht natürlich die Abwehrarbeit an erster Stelle. Es gibt gerade bei einem jungen Spieler viele Bereiche, in denen man sich weiter steigern kann.

Sehen Sie Ihre Position langfristig in der Innenverteidigung oder doch auch einmal wieder im defensiven Mittelfeld?

Ginter: Das wird man sehen. Ich fühle mich hinten einen Tick wohler. Aber ich habe früher schon oft auf der Sechs gespielt. Ich versuche auf der Position, auf die der Trainer mich beordert, das Beste zu geben.

Ihr Bundesliga-Debüt in Freiburg haben Sie vor drei Jahren gefeiert. Da sind Sie reingekommen und haben gegen Augsburg gleich ein Kopfballtor gemacht. Wie gefühlt lange ist das her?

Matthias Ginter bei der Vertragsunterschrift in Dortmund mit Hans-Joachim Watzke (links) und Sportdirektor Michael Zorc.

Ginter: Vor genau drei Jahren bin ich mit Freiburg erstmals ins Trainingslager gefahren. Da war Freiburg Letzter, hat einen neuen Trainer gehabt. In den drei Jahren ist wahnsinnig viel passiert. Der Nichtabstieg, dann auch die Saison, in der wir mit Freiburg Fünfter geworden sind, Europa League gespielt haben. Es ging alles immer ein Stückchen bergauf.

Ist es schade, dass man als Fußballer kaum Zeit hat, Erfolge zu genießen?

Ginter: Ja, man schaltet ein bisschen ab. Aber so ganz verarbeiten kann man alles nicht.

Sie haben sofort beim Bundesliga-Auftakt gegen Leverkusen Ihr Debüt im BVB-Trikot gegeben, sind durch den berühmten Tunnel ins Stadion gegangen. Und dann fällt nach neun Sekunden gleich das erste Gegentor. Was denkt man in so einem Moment?

Ginter: Schlimmer hätte es, glaube ich, nicht anfangen können. Das war ja auch das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte. Das kommt einen vor, als sei man in einem falschen Film.

Umso schöner war sicherlich der Einstand in der Champions League.

Ginter: Na klar. Ich habe ein Jahr zuvor noch vor dem Fernseher gesessen, die ganz Großen im TV angeschaut. Dann ist man plötzlich selbst dabei, und gleich in so einem Spiel gegen Arsenal. Das war auf jeden Fall ein Riesenereignis.

War es beim 2:0 das beste Spiel des BVB im vergangenen Halbjahr?

Arsenals Santi Cazorla im Zweikampf mit Matthias Ginter.

Ginter: Wenn man so eine Mannschaft über 90 Minuten keine Chance gibt und den Gegner praktisch beherrscht, dann kann man nicht viel falsch gemacht haben. Es war eins der besten Spiele. Das 1:0 gegen Gladbach war ein ähnliches Spiel, in dem wir nichts zugelassen und sehr viele Chancen herausgespielt haben.

Wenn man gegen Arsenal so eine Partie zeigt, wie erklären sich dann die krassen Leistungsunterschiede in der Bundesliga?

Ginter: Es lief in der Champions League generell besser als in der Bundesliga. Wir haben das analysiert und besprochen. Jetzt geht es in der Rückrunde darum, es besser zu machen.

Was muss die Mannschaft verändern?

Ginter: Wir müssen jetzt einfach die Vorbereitung nutzen. Wir haben drei Wochen Zeit, uns für die Rückrunde in eine Topverfassung zu bringen. Diese Zeit hatten wir im Sommer nicht. Die hilft uns jetzt enorm, damit wir uns auch im taktischen Bereich besser aufstellen können. Wir werden auf jeden Fall stärker sein als vor den drei Wochen.

Sie haben im ersten halben Jahr in Dortmund viele Spiele verloren. Trainer Jürgen Klopp hat einmal gesagt, dass die Mannschaft lange gebraucht hat, um zu kapieren, dass das an ihr lag.

Ginter: Wir wissen, dass wir das auf den Platz bringen sollten, was er fordert. Wenn uns das nicht gelingt, ist es immer schwer. Es ist klar, dass es allein an uns liegt. Wenn wir gut spielen, wird es für jeden Gegner schwer.

Sie sind ja einer der wenigen Profis im Kader des BVB, der überhaupt Erfahrung im Abstiegskampf hat. Ist Abstiegskampf in Dortmunder schwerer als in Freiburg?

Typisch Hinrunde: Frankfurts Haris Seferovic jubelt, Matthias Ginter schaut schier ungläubig auf das runde Leder im Netz.

Ginter: In Freiburg war es Normalität. Wir haben uns natürlich auch vorgenommen, nicht ganz so tief unten reinzurutschen. Da war uns schon vor der Saison von vornherein klar, dass wir um jeden Punkt fighten müssen. In dem Sinne ist es in Dortmund etwas anderes. Ich glaube, dass wir aber genauso viele Charaktere in der Mannschaft haben, um da unten rauszukommen.

Mit welchen Zielen gehen Sie in der Rückrunde?

Ginter: Wir wollen eine erfolgreichere Rückrunde spielen. Das ist das Ziel von uns allen. Wir müssen die Punkte einsammeln, die wir unbedingt brauchen, und da unten so schnell wie möglich rauskommen. In den Pokalwettbewerben wollen wir – soweit es geht – die nächsten Runden überstehen.

Hoffen Sie selbst auf mehr Einsatzzeiten?

Ginter: Das ist schwierig zu sagen. Ich habe jetzt 13 Einsätze gehabt. Das war sicher auch der Verletzungsmisere geschuldet. Ich fühle mich gut, gebe jeden Tag im Training mein bestes, versuche, mich immer weiter zu entwickeln. Alles andere wird sich zeigen.

Quelle: wa.de

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