Wer soll neuer Trainer werden?

Trainer Klopp hinterlässt mit Rückzug große Leere

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Der Verein hat vorerst seinen Mittelpunkt verloren: Hans-Joachim Watzke, Jürgen Klopp und Michael Zorc (von links).

DORTMUND - Besonders viel hatte Michael Zorc nicht zu sagen, als er am Mittwochmittag gebeten wurde, den Vertragsauflösungswunsch von Jürgen Klopp zu kommentieren. Aber die wenigen Worte, die er wählte, waren ungewöhnlich.

Von Daniel Theweleit

„Wir haben in den letzten Jahren ein modernes Fußballmärchen geschrieben mit Jürgen als Hauptfigur“, sagte der Sportdirektor von Borussia Dortmund. Und das klang ganz anders als die Geschichten von der Kraft des Kollektivs und der Ersetzbarkeit des Einzelnen, die im Fußball sonst so verbreitet werden. Am Tag nach der großen Eruption hat die Hauptfigur ihren Status als Mittelpunkt des schwarz-gelben Geschehens jedoch endgültig verloren. Diese Erkenntnis folgte auf den ersten spontanen Schock und die anschließende Trauer. Es ist ein fremdes Gefühl, für manche wohl auch beängstigend.

Große Teile der Verantwortung, die Klopp in den vergangenen Jahren trug, müssen nun Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke übernehmen. Und darüber sind sie überhaupt nicht glücklich. Der Klub werde jetzt „ein bisschen durchgerüttelt“, hat Klopp gesagt, „jetzt kann sozusagen die Zukunft beginnen“. Doch die Leichtigkeit, das Gefühl der Zuversicht, das der Trainer diesen Sätzen mit auf den Weg gab, ist nur noch halb so kraftvoll, jetzt wo klar ist, dass die Überfigur nichts mehr mit dieser Zukunft zu tun haben wird.

Lücke zwischen Watzke und Zorc füllen

Auf den ersten Blick steht die Frage im Mittepunkt, ob Klopps Nachfolger die sportliche Hinterlassenschaft wieder in neuem Glanz erstrahlen lässt. Ob Thomas Tuchel, wenn er sich denn mit den Verantwortlichen einigt, diese Mannschaft wiederbeleben kann. Ob er sie mitreißt und ihr eine fußballerische Idee vermittelt, die den BVB in ein Spitzenteam zurückverwandelt. Ähnlich wichtig ist allerdings, dass der neue Trainer die Lücke neben Watzke und Zorc füllen kann.

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In den Debatten um den Rücktritt während der vergangenen Tage hat Watzke noch einmal seine „besondere Beziehung“ zu Klopp, „die von extremem Vertrauen geprägt ist“, gespürt. Auch wegen dieser zwischenmenschlichen Dimension ist es gefährlich, den Trainer der vergangenen sieben Jahre zu beerben. Der Chefcoach der Zukunft wird nicht nur an den Ergebnissen seines Vorgängers gemessen, sondern auch an dessen Wirkung in den Klub hinein. An Beziehungen, die er im täglichen Umgang aufbaut. Und wie wichtig die waren, lässt sich kaum bemessen.

Klopp hat BVB stark geprägt

Klar ist aber: In den dreieinhalb gemeinsamen Jahren des Sportdirektors und des Geschäftsführers, bevor der Klub 2008 von Klopp wachgeküsst wurde, belegte der BVB zwei siebte Plätze, wurde einmal Neunter und zuletzt nur 13. Auch diese Erinnerungen sind jetzt so konkret wie lange nicht, und sie verdeutlichen: Klopp hat Borussia Dortmund erheblich stärker geprägt, als die meisten anderen Trainer ihre Arbeitgeber. „Der Name Klopp war in diesem Verein relativ groß und wurde nie der eigentlichen Bedeutung des BVB gerecht“, hat Klopp am Mittwoch gesagt. Was für ein schwarzes Loch dieser Trainer hinterlässt, wird aber erst langsam sichtbar.

Zum Beispiel beim Blick auf die Marketingslogans des Klubs, die auch am Donnerstag von dem grellen Bildschirm draußen am Stadion herunterblinkten. Die „Echte Liebe-“ und „Immer Vollgas“-Verheißungen wirken ohne Klopp irgendwie leer. Der neue Dortmunder Trainer wird viele Lücken füllen müssen.

Quelle: wa.de

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