"Eine ganz schöne Aufgabe" für BVB-Neuling Park

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Dortmund - Eigentlich war es gar nicht unbedingt sein Spiel gewesen. Joo-Ho Park agierte bei seinem Startelf-Debüt wie viele seiner Kollegen von Borussia Dortmund in der Partie gegen FK Krasnodar: bemüht, aber irgendwie ohne die große Wirkung.

„Für ihn war es nicht leicht“, sagte sein Trainer Thomas Tuchel später. „Er hat eine Weile gebraucht, um reinzufinden.“ Doch da waren diese beiden Szenen. Zwei Augenblicke, die ihn zu einer der zentralen Figuren beim schwer erarbeiteten 2:1 (1:1)-Erfolg machten. In der zusätzlichen Minute der ersten Hälfte war es Parks Flanke, die Matthias Ginter den Ausgleichstreffer per Kopf ermöglichte. Und schließlich, als alles bereits auf ein Remis hindeutete und die dritte Minute der Nachspielzeit lief, versuchte sich der 28-Jährige als Tiefflieger.

Parks Nase schien fast den Rasen zu berühren, als er eine Ginter-Flanke verwertete – und einen Teil der geschätzt drei Millionen Euro Ablöse, die der BVB kurz vor der Schließung des Transferfensters für Tuchels Musterschüler an Mainz 05 überwies, wieder einspielte. Schließlich bringt ein Sieg in der Gruppenphase der Europa League 360.000 Euro Prämie.

Die Teamkollegen seien „von Anfang an sehr hilfsbereit“ gewesen, sagte Park. „Es wurde mir leicht gemacht, mich zu integrieren. Das hat zu diesem Ergebnis geführt.“ Dabei ging Park, der in Dortmund einen Vertrag bis 2018 unterschrieben hat, zehn Minuten vor dem Abpfiff auf dem Zahnfleisch, hatte Krämpfe. „Aber er hat körperlich gebissen. Das zeugt von dem großen Herz und der Einstellung, die der Junge hat“, lobte Tuchel seinen Schützling, dem er einiges abverlangte. Denn der Linksverteidiger begann auf der ungewohnten Halbposition, was einen Teil zur sehr überschaubaren ersten Halbzeit Parks beitrug.

„Da habe ich ihm eine ganz schöne Aufgabe gegeben“, schmunzelte Tuchel, der Park erst nach dem Wechsel und der Auswechselung Marcel Schmelzers auf die etatmäßige Position ließ. Der unbändige Einsatz, den Park dort an den Tag legte, imponierte dem Coach, kam zugleich aber nicht überraschend. „Ich weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann“, sagte Tuchel, der sich mit Blick auf das entscheidende Tor Parks sicher war: „Das beschleunigt die Integration.“ Und es war nicht zuletzt – wie Ginters Treffer – ein weiterer Nachweis dafür, wie offensiv die Außenverteidiger unter Tuchel denken und agieren müssen.

Park war nicht der einzige Akteur, dem der Coach erstmals einen Platz in der Anfangsformation zugewiesen hatte. Auch Youngster Adnan Januzaj, von Manchester United ausgeliehen, durfte von Beginn an ran. Und er machte ebenfalls nachhaltig Bekanntschaft mit den Ansprüchen, die Tuchel an seine Spieler in Sachen Vielseitigkeit stellt. Januzaj begann auf der rechten Außenbahn, war nach dem Wechsel Sturmspitze, später noch auf der Halbposition zu finden. „

Er braucht diese Spiele“, sagte Tuchel mit Blick auf den 20-jährigen Belgier und verdeutlichte, dass die Europa-League-Partie auch die ideale „Spielwiese“ für Experimente dieser Art bot. „Es gibt keine anderen Möglichkeiten, die Abläufe schnell zu lernen“, meinte Tuchel, der die Ballsicherheit, die Übersicht, die Fähigkeiten Januzajs im Eins gegen Eins lobte. „Er ist auf einem guten Weg.“

Wie eine Einsatzgarantie für den Sonntag klingt dieses Zeugnis beileibe nicht. Im Top-Spiel gegen Bayer Leverkusen (17.30 Uhr) dürften Park, Januzaj und der abermals seine Chance nicht nutzende Ex-Leverkusener Gonzalo Castro ihre Plätze wieder räumen müssen, zumal Tuchels Team in dieser Formation Abstimmungsprobleme offenbarte und die BVB-Maschine längst nicht so gut geölt wirkte wie in den Begegnungen zuvor. „Das wird ein heißes Spiel. Wir müssen einiges besser machen“, meinte Ilkay Gündogan.

Marco Reus ist nach längerer Verletzungspause wieder fit. Und soll seinen Teil dazu beitragen, dass der Bundesliga-Tabellenführer seine schier atemberaubende Serie von zehn Pflichtspiel-Siegen in Folge ausbaut, die für viel Selbstvertrauen im Dortmunder Lager gesorgt hat. Es sei, sagte Ginter mit Blick auf das unangenehme Krasnodar-Spiel, „sehr wichtig“ gewesen, „in der Spur zu bleiben“. Dank ihm. Und Park.

Quelle: wa.de

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