Nur fünf Minuten für Depressionen beim BVB

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DORTMUND - Die dritte Pflichtspielniederlage in Folge hinterließ auch bei Jürgen Klopp tiefe Spuren. „Natürlich zeigt das erst einmal Wirkung“, gestand der Dortmunder Trainer nach dem bitteren 0:3 (0:0) vor 80 645 Zuschauern (ausverkauft) gegen den FC Bayern München ein.

Von Peter Schwennecker

Doch angesichts des bevorstehenden vorentscheidenden Heimspiels in der Champions League gegen den SSC Neapel am Dienstag (20.45 Uhr/live bei Sky) wollte sich der Fußball-Lehrer nicht allzu lange mit dem Gipfel-Absturz befassen.

„Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt, dass sie jetzt fünf Minuten Zeit für Depressionen haben“, berichtete der 46-Jährige. „Doch dann konzentrieren wir uns auf Neapel. Wir wollen alles dafür tun, damit wir im Dezember noch ein richtiges Endspiel in Marseille haben.“ Sollte die Borussia gegen den Vertreter der Serie A aus Italien nicht gewinnen, dürfte das Überwintern in der Königsklasse kein Thema mehr sein. Es würde die Europa-League-Tour durch die Provinzen des Kontinents folgen.

Ein Szenario, dass sich in Dortmund niemand ausmalen möchte. Dass ausgerechnet der erst kurz zuvor eingewechselte Ex-Dortmunder Mario Götze die BVB-Niederlage mit dem 0:1 (66.) einleitete, traf alle Borussen mitten ins Herz. „Mario ist eben ein cooler Hund“, meinte Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Dass er Klasse hat, das wussten wir. Er hat den Bayern ja nicht umsonst 37 Millionen gekostet.“ Die weiteren Treffer von Arjen Robben (85.) und Thomas Müller (87.) spiegelten dann allerdings nicht den wahren Verlauf wider.

„Bis zum 0:1 haben wir gut gespielt, hätten selbst in Führung gehen können“, ärgerte sich BVB-Mittelfeldabräumer Sven Bender. „Auch danach hatten wir einige Chancen zum Ausgleich. Aber wir sind nicht belohnt worden.“ Robert Lewandowski, zweimal Marco Reus und der diesmal blasse Henrikh Mkhitaryan ließen beste Möglichkeiten für die Dortmunder aus. „Wir agieren schon seit Wochen nicht zielstrebig genug“, ärgerte sich Schlussmann Roman Weidenfeller. „Wir spielen vorn noch immer quer, anstatt den direkten Weg zum Tor zu suchen. In der Bundesliga muss alles viel schneller gehen.“

Bilder vom Spiel:

BVB unterliegt Bayern 0:3

Bayerns Trainer Josep Guardiola sprach selbst nach dem 3:0 im Bundesligagipfel mit großem Respekt über den BVB. „Wir haben gegen die beste Kontermannschaft der Welt gewonnen“, meinte der Spanier, der seinen eigenen taktischen Schachzug herausstellte. Mitte der zweiten Halbzeit wechselte er mit Mario Götze und Thiago die spielentscheidenden Leute ein. „Ich liebe die Mittelfeldspieler. Nur wenn man Dominanz im Mittelfeld hat, kann man ein Spiel gewinnen. Erst mit Götze und Thiago haben wir die Begegnung kontrolliert.“

Obwohl es das Ergebnis nicht ausdrückte, zeigte sich Klopp einmal mehr bestätigt, dass der BVB die Münchner durchaus fordern kann. „Ich habe in den vergangenen Monaten die Bayern noch nie so viel lange Bälle schlagen sehen“, erklärte der Coach, der Guardiolas Schachzug allerdings nicht verhindern konnte. „Es ist schon cool, wenn man Götze und Thiago einwechseln kann“, meinte Klopp. „Erst bearbeiten sie uns mit den langen Bällen, dann bringen sie ihre 1,70 m-Jungs.“

Schließlich geriet der Dortmunder Fußball-Lehrer angesichts des drohenden Bayern-Solos in der Bundesliga ins Grübeln und suchte eine Teilschuld für die Dominanz der Münchner in den eigenen Reihen: „Vielleicht ist das jetzt die Fluch der guten Tat“, sinnierte Klopp. „Offenbar haben wir sie in den vergangenen Jahren zu oft geärgert.“ Vom vorzeitigen Dortmunder K.o. in der Bundesliga wollte im BVB-Lager allerdings niemand reden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bayern Meister werden, war schon vor der Saison sehr groß“, erklärte Hans-Joachim Watzke. „An dieser Tatsache hat sich durch dieses Spiel nichts verändert.“

Quelle: wa.de

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