BVB-Boss über Sammer, Stöger und Fan-Kritik

Watzke: "Brauchen keinen Kuschelzoo" - das will der BVB jetzt ändern

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Viele Herausforderungen für die kommende Saison: Hans-Joachim Watzke (links) und Michael Zorc.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat sich gegenüber dem Fanzine "Schwatzgelb" ausführlich geäußert: zur enttäuschenden Saison, zu Peter Stöger, zur Rolle von Matthias Sammer und zur Kaderplanung. Wir haben die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Dortmund - Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, hat dem BVB-Fanzine "Schwatzgelb" ein ausführliches Interview gewährt.

Darin spricht er zum Teil sehr selbstkritisch über die enttäuschende Saison, falsche Weichenstellungen in der Kaderpolitik, Fehler bei der Trainersuche und darüber, was sich in der kommenden Spielzeit alles ändern soll.

Watzke äußert sich unter anderem zur neuen Rolle von Matthias Sammer, den Abschied von Trainer Peter Stöger, die Kritik an Kapitän Marcel Schmelzer und das Verhältnis von Team und Fans. Beim Thema Lucien Favre, der als heißer Nachfolge-Kandidat gehandelt wird, hält er sich zurück.

BVB-Chef Watzke über...

... die Gründe für die enttäuschende Saison

"In der vergangenen Saison sind wir Vierter geworden und haben oft nicht den besten Fußball gespielt. [...] Als erstes muss man anführen, dass wir in den vergangenen zwei Jahren fünf absolute Klassespieler verloren haben. […] Zweitens: Es ist offensichtlich, dass wir bei der Trainerentscheidung im Sommer nicht richtig gelegen haben. […] Der dritte Punkt [...] ist die Mannschaftszusammenstellung. Wir haben unter dem Einfluss der vorherigen Trainer das Augenmerk zu stark auf das spielerische Element der Mannschaft gelegt und zu wenig auf die anderen Dinge. […] Der vierte Punkt: Wir haben massiv unter den Folgen des Anschlags gelitten. […] Als letzten Punkt muss man dann noch anführen, dass einige Spieler, die wir verpflichtet haben, nicht unsere Erwartungen erfüllt haben."

... die Konsequenzen aus der Saison 2017/18

"Wir haben schon ein paar Schlussfolgerungen getroffen: Die erste, die für mich in den nächsten Jahren sehr wesentlich sein wird, ist die Tatsache, dass wir Sebastian Kehl und Matthias Sammer dazugeholt haben. […] Wir brauchen vor allem jemanden, der täglich nah an der Mannschaft dran ist und auch mal die sogenannten Sekundärtugenden einfordert. Das kann nicht nur der Trainer machen."

... Matthias Sammer

"Matthias hat von außen noch einen schärferen Blick auf das, was man von innen teilweise nicht so gut sieht. […] Ich kenne die Vorbehalte, wir brauchen aber keinen Kuschelzoo. [...] Wir diskutieren sehr kontrovers und haben viel Spaß dabei. In den Jahren des Erfolges hat man immer das Problem, dass man sich Schulterklopfer an Land zieht, die alles gut finden. Das ist bei Sebastian Kehl und Matthias Sammer definitiv nicht ausgeprägt."

Matthias Sammer

... Spielerverpflichtungen

"Wir müssen im Bereich Mentalität, Führungsstärke und positiver Aggressivität zulegen. Idealerweise finden wir Spieler, die führen können und obendrein spielerische Qualität haben. Wir werden weiter den Weg mit hochbegabten Spielern gehen, aber wir benötigen definitiv zwei oder drei Führungsspieler, da haben wir Nachholbedarf. […] [D]er Umbruch wird deutlich ausfallen."

... über die Kritik an Kapitän Marcel Schmelzer

"Es gibt kaum einen Spieler, der eine so hohe Identifikation mit dem Verein aufweist wie er. Ich würde mir wünschen, dass das bei den Fans auch honoriert wird und einen gewissen Einfluss hat. [...] Ich kann nicht auf der einen Seite Identifikation einfordern und dann den Spielern, die es leben, ständig „auf die Fresse hauen". Marcel Schmelzer hat bei uns […] einen deutlich größeren Kreditrahmen als andere Spieler."

Marcel Schmelzer

... das Verhältnis von Mannschaft und Fans

"Die Erwartungshaltung ist in den vergangenen Jahren extrem groß geworden [...]. Ich habe nicht das Gefühl, dass im Stadion noch von sehr vielen verziehen wird, wenn wir einen 18-Jährigen einwechseln und der erstmal fünf Fehlpässe spielt, selbst wenn er aus dem eigenen Stall kommt. […]"

... über Peter Stöger

"Es gab zwischendurch auch die Überlegung, dass es weitergehen kann. Wir hatten Phasen, in  denen es gut aussah. […] Peter Stöger kam nach dem Bayern-Spiel zu uns und hat uns gesagt, es sei seine Tendenz, am 30.06. aufzuhören. Ich glaube nach dem Derby hat er uns endgültig mitgeteilt, dass er wirklich nach dem Sommer nicht weitermachen will. Wenn wir das kommuniziert und danach kein Spiel mehr gewonnen hätten, dann wäre das doch als Grund benannt worden. Als Alibi für alle. Er wird ein Freund bleiben."

Peter Stöger

... Kritik an der Qualität der Bundesliga

"Ich glaube, dass das Produkt „Bundesliga" künstlich ein bisschen schlechter dargestellt wird als es ist. [...] Wir haben momentan keine Topphase, darüber müssen wir nicht reden. Aber es nicht so schlecht, wie es gemacht wird. Die fehlende Spannung an der Spitze nervt mich ja selbst."

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Quelle: wa.de

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