BVB in Paderborn: Wie ein Besuch in der Filiale

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Jürgen Klopp

DORTMUND - Die 105 km lange Fahrt zum Auswärtsspiel beim Aufsteiger SC Paderborn am Samstag (Anstoß 15.30 Uhr) hat für den BV Borussia Dortmund schon fast den Charakter eines Ausflugs in die eigene Filiale.

Von Peter Schwennecker

Mit Torhüter Lukas Kruse sowie den Feldspielern Mahir Saglik, Uwe Hünemeier, Mario Vrancic, Marvin Bakalorz und Marvin Duksch stehen gleich sechs Akteure im Aufgebot der Ostwestfalen, die eine schwarz-gelbe Vergangenheit besitzen, sich beim BVB aber nicht durchsetzen konnten und in Paderborn den entscheidenden Sprung als Profi in die Bundesliga geschafft haben.

Dass dies so gut geklappt hat, ist auch für Dortmunds Fußball-Lehrer Jürgen Klopp eine unglaublich schöne Geschichte. „Paderborn ist das beste Beispiel dafür, dass das funktionieren kann. Ich bin ganz, ganz glücklich, all diese Jungs an jedem Wochenende in der Bundesliga spielen zu sehen“, betont der Coach. Intensiven Kontakt zu den Spielern hat er allerdings nicht. „Ich bin 47, die meisten Jungs unter 30. Da werden unter der Woche per Handy keine lustigen Nachrichten ausgetauscht“, sagt Klopp.

Ein spezielles Verhältnis pflegt er lediglich zu Mario Vrancic, den er schon als 16-jährigen Nachwuchskicker bei Mainz 05 kennenlernte und dessen erster Trainer er im Profi-Bereich war. „Er war das größte Talent, was Mainz 05 jemals rausgebracht hat“, schwärmt Klopp. „Auf Grund von Problemen im Heranwachsen hatte er ein paar Schwierigkeiten, sein Talent auf den Platz zu bringen.“ Klopp hatte ihn zu den BVB-Amateuren geholt, wo er eine überragende Rolle spielte. Aber den Sprung in den Profi-Kader der Borussen schaffte Vrancic damals nicht. „Schließlich war Paderborn der Verein, der sich dieses Riesentalent geschnappt hat“, sagt Klopp. „Und davon profitieren jetzt alle. Ich freue mich wirklich sehr, dass es bei ihm derzeit so gut läuft.“

Doch am Samstag würde sich der Dortmunder Trainer natürlich mehr darüber freuen, wenn seine Mannschaft an die Leistung aus dem erfolgreichen Spiel gegen Mönchengladbach (1:0) anknüpfen würde. Denn der BVB liegt derzeit fünf Punkte hinter Paderborn auf Rang 15. Doch Klopp ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst, gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er über den Kontrahenten redet. „Paderborn ist ein Beispiel dafür, dass man mit wenig Geld, einer klaren Idee und guten Entscheidungsträgern fantastische Arbeit leisten kann. Das Team ist eine gute Mischung aus taktischer Disziplin, Spielwitz und Tempo. Es gibt nichts, wo ich sagen würde, das können sie gar nicht“, erklärt der Coach.

Wenig Verständnis zeigt er allerdings für die Aussage seines Paderborner Kollegen Andre Breitenreiter, der im Vorfeld behauptet, dass alles andere als ein hoher Dortmunder Sieg eine Überraschung wäre. „Das ist der Gipfel des Understatements“, beteuert Klopp. „Die Paderborner sind einfach richtig gut. Sie sind variabel, mal gehen sie früh drauf, mal warten sie ab, schalten blitzschnell um, haben schon tolle Tore aus dem Gegenpressing heraus gemacht.“

Für seine Mannschaft geht es darum, weiter Stabilität zu zeigen und den nächsten Schritt zu machen, natürlich auch in der Tabelle. Die personellen Voraussetzungen sind aus Dortmunder Sicht gegeben. Marco Reus hat seine Sprunggelenkverletzung auskuriert und wird in der Startelf stehen. Anders sieht das bei Mats Hummels aus. „Mats ist noch nicht so weit, wie wir uns das wünschen würden“, erklärt der BVB-Trainer. „Länger als zehn Minuten kann er mit Fußballschuhen nicht laufen. Dann macht der Fuß wieder Sperenzchen.“

Klopp hofft darauf, dass der Innenverteidiger für die Champions-League-Aufgabe am folgenden Mittwoch bei Arsenal London eine Option sein könnte. Sokatris ist nicht nur gelbgesperrt, sondern kann auch sein Bein nach dem Wadenbeinruch noch nicht belasten. Für ihn wird Matthias Ginter in der Innenverteidigung neben Neven Subotic auflaufen. Pierre-Emerick Aubameyang laborierte unter der Woche an Magen- und Darmproblemen, ist inzwischen aber wieder im Training. Was auch für die Rekonvaleszenten Nuri Sahin und Jakub Blaszczykowski gilt. „Idealerweise können wir ihnen noch ein bisschen Zeit geben. Sie waren lange nicht dabei, brauchen deshalb auch eine lange Zeit, um wieder die komplette normale Funktion des Körpers abrufen zu können“, erklärt Klopp.

Quelle: wa.de

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