BVB will Meister werden

Zorc: Darum haben wir unser Ziel so offensiv formuliert

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Der Weg ist klar: BVB-Sportdirektor Michael Zorc (rechts, mit Trainer Lucien Favre) will mit Dortmund Meister werden.

Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc spricht im Interview über Titel-Ambitionen, Mats Hummels, Marco Reus - und ob er auf den BVB als Meister auch wetten würde.

Bad Ragaz - Borussia Dortmund hat offensiv den Gewinn der deutschen Meisterschaft als Saisonziel ausgegeben. Im SID-Interview in Bad Ragaz erklärt Sportdirektor Michael Zorc (56) die Gründe und blickt auf den am Samstag beim Supercup beginnenden Zweikampf mit Bayern München voraus.

Sie haben ihre Hausaufgaben bei den Einkäufen erledigt. Wie entspannt sind Sie?

Michael Zorc: Ich bin in jedem Jahr entspannt. Vor einem Jahr hatten wir einfach eine komplett andere Ausgangssituation. Damals kamen wir aus einer schwachen Saison und hatten uns gerade entschieden, dass wir einen Neustart mit verändertem Personal einleiten wollen. In diesem Jahr wollen wir darauf aufbauen. Hinzu kommt: Durch den Verkauf von Christian Pulisic hatten wir früh ein höheres Maß an Planungssicherheit, was die Ausgabenseite angeht.

Sie haben auch Spieler dank fester Ausstiegsklauseln verpflichtet. Schauen Sie besonders auf solche Spieler?

Zorc: In solchen Fällen sind Transfers natürlich einfacher. Es geht aber grundsätzlich nur um die Qualität der Spieler. Wir haben in diesem Jahr den besonderen Fall, dass wir in Julian Brandt und Nico Schulz zwei deutsche Nationalspieler für uns gewinnen konnten. Ein solches Vorgehen wird immer Teil unserer Philosophie sein. Darüber hinaus passen beide fußballerisch hervorragend zu uns.

Das erhofft sich Zorc von der Verpflichtung von Hummels

Der Transfer von Mats Hummels hat überrascht. Wann haben Sie die Möglichkeit gesehen, ihn zurückzuholen?

Zorc: Wir kennen uns bekanntlich seit vielen Jahren sehr gut. Wir wussten, was wir bekommen, wenn wir ihn verpflichten. Ein Transfer hat sich in den vergangenen Monaten durch Entwicklungen bei ihm und bei Bayern München abgezeichnet.

Was erhoffen Sie sich durch seine Verpflichtung?

Zorc: In erster Linie sportliche Qualität, aber auch Führungsqualität. Er wird keine lange Anpassungszeit benötigen.

Sie haben sehr offensiv das Saisonziel Meisterschaft formuliert. Warum?

Zorc: Wir waren in der vergangenen Saison 21 Spieltage lang Tabellenführer. Dass wir am Ende abgefangen worden sind, haben wir uns in erster Linie selbst zuzuschreiben. Solch eine Saison ist Verpflichtung und Motivation zugleich. Wir müssen zumindest versuchen, unseren Rahmen und unser Limit noch weiter nach oben zu verschieben. Deshalb haben wir gesagt, dass wir wieder um den Titel mitspielen wollen. Dieser Wunsch kam insbesondere auch aus der Mannschaft heraus.

Ihr Trainer Lucien Favre gilt nicht gerade als Lautsprecher. War es schwierig, ihn auf diese Linie einzuschwören?

Zorc: Nein. Ich halte nichts davon, wenn ein Ziel von der Vereinsführung vorgegeben wird und die anderen folgen müssen. Alles ist im Gleichklang. Wir werden ja nicht beschimpft, wenn wir kein Meister werden. Den Versuch zu unternehmen und dies klar zu formulieren, finde ich aufgrund der vergangenen, sehr guten Saison und unserer Kadersituation allerdings legitim.

Zorc hat auch Leipzig und Leverkusen auf dem Radar

Warum ist die Mannschaft noch stärker geworden?

Zorc: Durch die Neuverpflichtungen haben wir sowohl Qualität als auch Stabilität hinzugewonnen."

Glauben Sie, dass es ein Zweikampf mit Bayern München wird?

Zorc: Ich bin sehr gespannt auf das Projekt Leipzig mit Julian Nagelsmann. Leverkusen hat eine sehr gute Rückrunde gespielt und einen guten Kader. Aber in erster Linie geht die Meisterschaft über Bayern München."

Am Samstag kommt es zum ersten Kräftemessen mit den Bayern. Welchen Stellenwert besitzt der Supercup?

Zorc: Dieses Spiel hat einen besonderen Reiz. Es ist immer ein Prestigeduell. Für beide Mannschaften ist es ein Ernstfall. Wir wollen den Titel im eigenen Stadion natürlich gewinnen. Am Ende ist es aber ein Teil der Vorbereitung. Das ist auch klar.

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Sie haben immer betont, dass Sie noch einige Spieler abgeben wollen. Wie ist der Stand der Dinge beispielsweise bei Andre Schürrle oder Maximilian Philipp?

Zorc: Wir sind dabei, die Dinge nach und nach abzuhandeln und haben dafür noch mehr als einen Monat lang Zeit. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Kadersituation weiter optimieren können. Wir werden schlussendlich eine Kadergröße haben, mit der der Trainer vernünftig arbeiten kann, bei der aber auch die leistungsfördernde Konkurrenzsituation gegeben ist.

Der Vertrag von Mario Götze läuft nach der Saison aus. Wurde schon über eine Verlängerung gesprochen?

Zorc: Wir werden in Kürze Gespräche führen. Es ist das Ziel, mit ihm zu verlängern. Sprechen werden wir aber nicht hier im Trainingslager, sondern in aller Ruhe in Dortmund.

"Zorc: Top-Klubs in England und Spanien einen Schritt voraus"

Blicken wir auf die Champions League. Seit dem deutschen Endspiel 2013 hat es kein Bundesligist mehr ins Finale geschafft. Sind andere Länder enteilt?

Zorc: Grundsätzlich sind uns die Top-Klubs in England und Spanien einen Schritt voraus. Die Ergebnisse der vergangenen Jahre in Champions League und Europa League lügen ja nicht. Auf der anderen Seite hat man bei einer Mannschaft wie Ajax Amsterdam gesehen, dass sie auch ohne extreme wirtschaftliche Mittel ins Halbfinale eingezogen ist. Auch Tottenham als Finalteilnehmer ist ja finanziell nicht vollkommen entrückt. Es ist möglich, aber dafür braucht man ein bisschen Losglück und die nötige Tagesform.

Was kann man sich bei einer Mannschaft wie Ajax Amsterdam abschauen?

Zorc: Sie haben sehr mutig und unbeeindruckt versucht, ihr Spiel durchzuziehen. Sie waren von ihrer Vorgehensweise überzeugt. Sie haben auch bei hochkarätigen Gegnern auswärts Dominanz ausgestrahlt. Das war durchaus beispielhaft."

National und international war die Handspielregel ein großes Aufregerthema. Glauben Sie, dass es in dieser Saison besser wird?

Zorc: Es ist weiterhin schwierig zu differenzieren, was ein Handspiel ist und was nicht. Es gibt häufig eine unterschiedliche Auslegung und Interpretation der Regel. Ich glaube nicht, dass uns diese Diskussionen künftig komplett vorenthalten bleiben.

Worauf liegt denn Ihr Fokus in diesen Tagen im Trainingslager in der Schweiz?

Zorc: Es ist sehr wichtig, dass wir uns körperlich in eine gute Verfassung bringen, wir müssen physisch da sein. Es ist gut, dass wir mit der Mannschaft jetzt ins Trainingslager gegangen sind, hier können wir uns alle richtig kennenlernen, du bist 24 Stunden mehr oder weniger zusammen. Das ist für die neuen Spieler wichtig, damit sie sich akklimatisieren können.

Würden Sie mir denn empfehlen, 50 Euro auf den Meistertitel für den BVB zu wetten?

Zorc: Ich bin kein Vermögensberater. Es kommt immer auch auf die Quote an (lacht). Aber gehen Sie das Risiko doch ruhig mal ein, wenn Sie mögen.

sid

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Quelle: wa.de

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