Suche nach Normalität

BVB-Star Mkhitaryan: „Nicht unser Job, gegen Terrorismus zu kämpfen“

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Dortmund - Nach den traurigen Ereignissen rund um die deutschen Länderspiele in Paris und in Hannover will der deutsche Fußball am Freitag mit der Bundesliga-Partie des Hamburger SV gegen den BV Borussia Dortmund (20.30 Uhr) zumindest versuchen, zur Normalität zurückzukehren.

Und Henrikh Mkhitaryan, Armenier in Diensten des BVB, bringt es vor der Abfahrt Richtung Hamburg auf den Punkt, was die meisten seiner Dortmunder Teamkollegen denken: „Es ist nicht unser Job, gegen Terrorismus zu kämpfen. Wir wollen unserem Beruf nachgehen und uns wieder auf den Fußball konzentrieren.“

Weil der Verein durch die drei Nationalspieler Mats Hummels, Matthias Ginter und Ilkay Gündogan, die in Paris und Hannover dabei waren, unmittelbar betroffen ist, spricht auch Borussias Fußball-Lehrer Thomas Tuchel auf Grund der räumlichen Nähe von einer ganz neuen Kategorie. „Es ist aber nicht so, dass ich mit einem mulmigen Gefühl nach Hamburg fahre“, sagt der Trainer. Vielmehr empfindet er es eher als komisch, mit seinen Spielern vor der Partie beim HSV eine Video-Analyse zu machen, sich intensiv auf das Spiel vorzubereiten. „Was in Paris und Hannover geschehen ist“, beteuert Tuchel, „führt uns vor Augen, dass es viel Wichtigeres gibt als Fußball.“ Dennoch hofft der Coach, dass alle seine Profis bereit sind, sich auf das Spiel einzulassen. Besondere Gespräche hat er mit Hummels, Ginter oder Gündogan nicht geführt. „Wir hören zu. Auch ich habe mehr Fragen als Antworten, deswegen halte ich mich mit Ratschlägen zurück“, erklärt der Trainer.

Hamburg wird auch sportlich für die Dortmunder eine große Herausforderung. Für den HSV galt der BVB zuletzt als Aufbaugegner, überließ in den vergangenen drei Aufeinandertreffen gleich sieben Punkte den Hanseaten. „Wir wollen daran anknüpfen, wo wir vor der Länderspielpause aufgehört haben und unseren erfolgreichen Weg fortsetzen“, beteuert Mkhitaryan, der einer der wenigen BVB-Profis war, die nicht international für ihr Land unterwegs waren.

Kompletter Kader steht zur Verfügung

Ohnehin erlebt Tuchel derzeit bei den Schwarz-Gelben in personellen Hinsicht ein völlig neues Gefühl. Nachdem Nuri Sahin und Erik Durm nach langer Verletzungspause ins Mannschaftstraining zurückgekehrt sind, steht erstmals seit einigen Monaten der komplette Kader zur Verfügung, wobei Sahin und Durm von Tuchel alle Zeit der Welt erhalten werden, um sich richtig in Form zu bringen. Fest plant er für Hamburg aber mit Marco Reus. „Er ist auf jeden Fall eine Option, auch von Beginn an“, versichert der Trainer. Auch Shinji Kagawa wird zur Startformation gehören, obwohl der Japaner in der vergangenen Woche die meisten Flugkilometer aller BVB-Profis zurücklegte. „Er kennt sich mit der Belastung aus“, schmunzelt Tuchel. „Ich frage ihn am besten gar nicht, wie er sich fühlt.“

In Hamburg erwartet er ein intensives Spiel gegen einen sehr disziplinierten Gegner, der leidenschaftlich darum kämpfen wird, aus seiner Außenseiterrolle das Beste zu machen. Deshalb hofft er, dass seine Mannschaft jene Energie und Lust aufbringen wird, die die Dortmunder mit einer Siegesserie auf Platz zwei der Tabelle führte.

Störende Nebengeräusche, weil er dem HSV vor einem Jahr trotz angeblicher Einigung nach langen Verhandlungen absagte, erwartet Tuchel übrigens nicht. „Ich freue mich, wieder nach Hamburg zu kommen. Wir hatten sehr vertrauliche und wertschätzende Gespräche, ich behandel das auch weiter vertraulich“, beteuert Tuchel. „Wenn ich jemandem in Hamburg das Gefühl gegeben habe, quasi einig geworden zu sein, dann tut mir das leid. Das war nicht meine Absicht.“

Quelle: wa.de

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