Nach Niederlage gegen Hannover

BVB-Trainer Jürgen Klopp angeschlagen und ratlos

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Jürgen Klopp

DORTMUND - Jürgen Klopp ist ein Trainer, der angesichts seiner exzellenten rhetorischen Fähigkeiten gerne im Rampenlicht steht. Doch seit einigen Wochen vermittelt er den Eindruck, dass ihm Pressekonferenzen einfach nur noch lästig sind.

Nach der vierten Bundesliga-Niederlage in Folge beim 0:1 (0:0) gegen Hannover 96 und dem damit verbundenen Abrutschen auf den 15. Tabellenplatz wurden sie für den Fußball-Lehrer fast schon zur Qual.

„Mir wäre es lieber, wenn ich Fragen beantworten könnte“, gab sich Klopp wortkarg. „Wir werden weiterkämpfen, müssen dran bleiben, das ist alternativlos“, sagte der 47-Jährige. Der Coach des BV Borussia Dortmund hatte einfach keine Lust mehr, die Erklärungen für die sportliche Talfahrt und die auffällige Diskrepanz zwischen den Leistungen im deutschen Oberhaus und der Champions League ständig zu wiederholen. Seine Elf habe gegen Hannover vieles besser gemacht. In allen Spielstatistiken lag sie vorn. 17:7 Torschüsse, 14:1 Ecken, 53 Prozent Ballbesitz, 51 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, sie erarbeitete sich vier Riesenchancen durch Marco Reus, weitere durch Henrikh Mkhitaryan, Mats Hummels und Adrian Ramos. „Wir müssen uns nur belohnen. Das ist uns wieder nicht gelungen“, sagte Klopp.

Stattdessen gab es selbst in den Königsklassen-Trikot erneut einen empfindlichen Tiefschlag. Hiroshi Kiyotake verwandelte einen Freistoß zum 0:1 (61.). Dortmund rannte danach vergeblich an, wenigstens den Ausgleich zu schaffen. „Weil uns vielleicht wieder die letzte Entschlossenheit und Konsequenz im Abschluss fehlte“, wie Klopp zum wiederholten Male bemerkte. Deshalb sei jetzt der BVB die Mannschaft, die am weitesten von ihren Saisonzielen entfernt ist. Und bevor Fragen aufkamen, ob der Trainer irgendwann vielleicht hinwerfen würde, ergriff Klopp selbst die Flucht nach vorn: „Mit dem Trainer-Thema können wir auch nicht dienen. Wir könnten ja sagen, es macht keinen Sinn mehr. Doch das tun wir nicht.“

Bilder vom Spiel:

BVB verliert gegen Hannover 96

Die Bundesliga-Talfahrt des Vizemeisters nagt derweil auch am Nervenkostüm der Profis. So ließ sich Hummels in der Mixed-Zone zu der unglücklichen Aussage hinreißen, dass der Ball beim Freistoß Kiyotakes sehr lange in der Luft gewesen sei und er sich schon gewundert habe, dass er im Tor landete. Eine unnötige Kollegenschelte des Kapitäns, zumal Schlussmann Roman Weidenfeller anschließend mit zwei Riesenparaden eine höhere Pleite verhinderte.

Die Anhänger bewahrten nach dem Spiel dagegen Ruhe, es gab keine Pfiffe, weil auf den Rängen Ratlosigkeit, Fassungslosigkeit und Entsetzen herrschte. Von der Südtribüne wurde die Mannschaft nach dem Schlusspfiff sogar gefeiert. „Die Reaktion der Fans war einfach toll“, bemerkte Ilkay Gündogan. „Doch es sollten ja auch die Ergebnisse stimmen, wir müssen so langsam etwas zurückzahlen.“

Von dem Saisonziel, erneut die direkte Qualifikation für die Champions League zu schaffen, können sich die Dortmunder erst einmal verabschieden. „Die Situation ist bedrückend. Über solche Dinge müssen wir derzeit nicht nachdenken“, meinte Sportdirektor Michael Zorc. Und auch Klopp rechnet angesichts des Restprogramms bis zum Jahreswechsel nicht damit, „dass wir in den nächsten Wochen die Punkte nur noch addieren werden“. Nach dem Pokalspiel am Dienstag (20.30 Uhr/live im ZDF) beim Zweitligisten FC St. Pauli geht es am Samstag (18.30 Uhr) zum FC Bayern München, eine Woche später kommt Borussia Mönchengladbach nach Dortmund. Dass die Borussia dann auf Teams trifft, die sich nicht hinten reinstellen, sondern mitspielen werden, sei, so Klopp, für ihn kein Grund, jetzt „yippie“ zu rufen.

Quelle: wa.de

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