Krise beim BVB-Gegner Marseille: "Lust zu kotzen"

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MARSEILLE/DORTMUND - Das Champions-League-Gruppenfinale gegen Borussia Dortmund war für Olympique Marseille eigentlich längst bedeutungslos geworden. Die Franzosen sind schon ausgeschieden, sie haben keinen einzigen Punkt und auch ganz andere Sorgen.

Doch am Samstag entließ "OM" nach einem 0:1 gegen Aufsteiger FC Nantes seinen Trainer Elie Baup - das Duell mit dem BVB wird mit scharfen Worten zum Charaktertest ausgerufen. Als Präsident Vincent Labrune am Samstag der Mannschaft die Entlassung des Trainers bekannt gab, fügte er mit kalter Wut an: "Gestern im Stadion habe ich euretwegen Lust verspürt, zu kotzen. Ihr habt zwei Dinge vergessen: Zum einen, dass ihr das Trikot von Olympique Marseille tragt. Zum anderen, dass ihr Profifußballer seid."

Elie Baup, seit eineinhalb Jahren Trainer an der Canebiere, hatte Marseille unerwartet auf den dritten Platz und damit in die Champions League geführt. Dieser dritte Platz sollte auch jetzt hinter den finanziell übermächtigen Vereinen Paris St. Germain und AS Monaco erreicht werden. Aber derzeit liegt Marseille nur auf Platz fünf, 13 Punkte hinter Spitzenreiter PSG und zwei Punkte von einem internationalen Platz entfernt.

Acht Siege, drei Unentschieden und sechs Niederlagen, dazu das blamable Ausscheiden in der Champions League - das ist den Bossen zu wenig. Die übernehmen jetzt bis zum Jahresende die Verantwortung. Was nur konsequent ist, waren es doch Präsident Labrune und Sportdirektor Jose Anigo, die mit Billigung der Besitzerin Margarita Louis-Dreyfus die Parole ausgaben, gegen das Geld von Monaco und Paris könne man sowieso nichts ausrichten. Daher würden die besten jungen Franzosen geholt.

Labrune sagte zum Saisonanfang: "Wir nehmen uns Borussia Dortmund als Vorbild und entwickeln in drei Jahren eine Top-Mannschaft." So wurden im Sommer "nur" 37 Millionen für sechs neue Spieler ausgegeben - ohne großes Einverständnis des 58-jährigen Trainers. Deshalb entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass Labrune und Anigo jetzt auch sportlich in der Verantwortung stehen. Man darf sicher sein, dass sich die Spieler am Mittwoch zerreißen werden.

Baup ist an zwei Dingen gescheitert. Erstens hat er sich nie Leute seines Vertrauens in den Beraterstab geholt, sondern auf die existierenden Strukturen gebaut. Das hat ihn, als es nicht mehr lief, Solidarität gekostet. Zweitens hat er es nie geschafft, die Clans der Etablierten und der Jungspunde zusammenzuführen, wie das Jürgen Klopp beim BVB gelang. Die Neuankömmlinge, teils frischgebackene Junioren-Weltmeister, glauben noch heute, mit einem Profivertrag in Marseille den Gipfel ihrer Karriere erklommen zu haben.

Baup hätte ihnen zeigen müssen, dass sie erst am Anfang stehen. In der Kabine mussten Betreuer zuletzt sogar Schlägereien zwischen den Spielern verhindern. Souleyman Diawara, Verteidiger aus dem Senegal, sagte, es gebe "ein Benehmen, das mich aufregt. Wenn sich das nicht ändert, wird es krachen." Präsident Labrune erwartet von Baups Entlassung nun zumindest einen "psychologischen Schock". - sid

Quelle: wa.de

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