BVB-Profis beklagen triste Stimmung

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Trotz Einzug ins Viertelfinale: Die BVB-Profis sind ausgelaugt und angefressen.

DORTMUND - Jürgen Klopp wirkte sichtlich angefressen. Offenbar sah der Trainer des BV Borussia Dortmund den erneuten Einzug in das Viertelfinale der Champions League in der Öffentlichkeit nicht entsprechend gewürdigt.

Von Peter Schwennecker

Deswegen hinterließ die 1:2-Niederlage gegen Zenit St. Petersburg, die dank des 4:2-Hinspielerfolges keine negativen Folgen hatte, Spuren in Dortmund. Auf den Rängen, bei den Spielern und auch beim Fußball-Lehrer.

„In der Runde der besten Acht steht die Creme de la Creme aus Europa“, sagte Klopp. „Und wir, das ist leider geil.“ Um dann angesichts einiger Unmutsäußerungen mahnend hinzuzufügen: „Wenn man zum zweiten Mal in Folge das Viertelfinale erreicht, ist das eine außergewöhnliche Leistung. Doch wir müssen auch lernen, dass sich große Erfolge manchmal hinter Niederlagen verstecken.“

Die Spieler waren teilweise schockiert, dass sie angesichts des Fehlpassfestivals im Spielaufbau von den Sitzplatzrängen nicht die Wertschätzung genossen wie von der Südtribüne, die das Team auch nach Spielschluss feierte. „Bei jedem Ballverlust wird gestöhnt. Die Zuschauer sollten nicht so verwöhnt sein“, ärgerte sich BVB-Urgestein Kevin Großkreutz. „Ich habe das Gefühl, dass wir uns bei den Zuschauern dafür entschuldigen müssen, dass wir unter den letzten Acht in der Champions League stehen“, echauffierte sich Mittelfeldakteur Nuri Sahin. Und Kapitän Sebastian Kehl, der mit dem wichtigen Ausgleich in der 38. Minute den Zuschauern zumindest die Zitterpartie ersparte, ergänzte: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass wirklich alle happy über das Weiterkommen waren, wir uns teilweise sogar dafür rechtfertigen müssen“, so der Routinier. „Ich glaube, dass die Mannschaft das absolut nicht verdient hat.“

Für Klopp lag alles nur an der mangelnden Wertschätzung für den Gegner aus St. Petersburg. „Die Nervosität war bei allen spürbar. Würde das gegen einen Gegner mit klingendem Namen passieren, wäre das nicht so dramatisch.“ Dennoch will der Coach mit seinen Spielern noch einmal darüber reden: „Die Jungs haben was dazu gesagt. Strich drunter. Am Dienstag ist dann schon das nächste Heimspiel, wo wir die Gelegenheit haben, zu zeigen, dass wir es alle besser können. Die Chance werden wir auch nutzen“, dachte Klopp bereits an das bald anstehende Derby gegen den FC Schalke.

Fakt ist aber, dass der Borussia nicht zuletzt wegen des großen Verletzungspechs gegen St. Petersburg die nötige Frische und auch Leichtigkeit fehlte. Ausgerechnet vor den nun anstehenden vielen englischen Wochen mit Derby, Champions-League-Viertfinale und DFB-Pokal-Halbfinale wirkten einige Leistungsträger ausgelaugt. Hinzu kommt jetzt auch noch der Ausfall von Marcel Schmelzer, der sich gegen die Russen einen Muskelfaserriss am Schambeinansatz zuzog. „Er wird erst in vier Wochen wieder ins Training einsteigen, uns vermutlich in zwölf Spielen fehlen“, stöhnte Klopp.

Deshalb hofft der Fußball-Lehrer darauf, dass seine Mannschaft in dieser schwierigen Phase mehr Unterstützung von außen erhalten wird: „Tolle Szenen im Spiel haben kaum noch Relevanz, negative zeigen sofort Wirkung bei allen und auch in der Beurteilung. Die Saison ist schwierig vom ersten Tag an“, betonte Klopp. „Trotzdem haben wir bis hier hin alles aus uns rausgeholt, um da zu sein, wo wir jetzt stehen. Das zu honorieren ist die Aufgabe der Fans. Und unsere Aufgabe ist es, das weiter durchzuziehen. Und dann werden wir sehen, was es dafür gibt.“ Immerhin kann er für das schwere Auswärtsspiel am Samstag bei Hannover 96 (15.30 Uhr) wieder mit Marco Reus planen, der Umfänge und Belastung im Training zuletzt gesteigert hat. Für neue Hochstimmung in Dortmund könnte auch die Auslosung des Champions-League-Viertelfinales sorgen, die heute um 12 Uhr (live bei Eurosport) in Nyon in der Schweiz erfolgt.

Quelle: wa.de

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