Rebellische Fußlümmler

„Am Borsigplatz geboren“ - Denkmal für BVB-Gründer

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Filmemacher Jan-Henrik Gruszecki (links) mit BVB-Profi Kevin Großkreutz bei der Premiere in Dortmund.

DORTMUND - Die Geschichte von Borussia Dortmund ist schon oft erzählt worden. 1909. Borsigplatz, Borussia-Bier, Wildschütz. Die Fakten sind bekannt. Warum also noch ein Film über die Gründerzeit des Fußballvereins? Nun, ganz einfach: Weil die Geschichte des BVB noch nie so schön erzählt worden ist wie in der Dokumentation „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“.

Von Holger Drechsel 

Es war ein ehrgeiziges Projekt, das die jungen Filmemacher Jan-Henrik Gruszecki, Marc Quambusch und Gregor Schnittker verfolgt hatten. Als glühende BVB-Fans wollten sie die Gründungsgeschichte ihres Vereins wieder aufleben lassen und dabei vor allem dem lange Zeit vergessenen Gründer Franz Jacobi ein Denkmal setzen.

Monatelang sammelten die Produzenten per Crowdfunding rund 250.000 Euro für ihr Projekt ein, arbeiteten mit mehr als 200 Mitstreitern zwei Jahre lang an ihrem Film – und holten quasi nebenbei auch Vereinsgründer Jacobi heim. Der war in den 1970er Jahren nach Salzgitter gezogen, dort gestorben, sein Grab wurde vor Jahren eingeebnet. Heute hat er auf dem Dortmunder Südwestfriedhof eine würdige Ruhestätte gefunden.

Akribisch recherchiert

Fakt ist: „Am Borsigplatz geboren“ hebt sich wohltuend ab vom sonst so oft von Plattheiten und Pathos triefenden Genre Fußballfilm. Die Filmemacher schufen ein unterhaltsames Stück Fußball- und Zeitgeschichte. Akribisch recherchiert, spannend erzählt und dank einiger Kunstgriffe auch wunderschön bebildert, erzählen sie die Geschichte von aufmüpfigen junge Männern, die sich gegen die starren Regeln ihrer Zeit und gegen die dominante Kirche stellen und einfach ihre Leidenschaft leben.

„Am Borsigplatz geboren“ soll nach der FSK-Freigabe im Dortmunder „Roxy“-Kino gezeigt werden. Dann wird auch die DVD zu kaufen sein. Fanclubs, die den Film zeigen wollen, können sich bei den Filmemachern melden.

Info: www.franz-jacobi.de

Die Geschichte des BVB, sie beginnt mit einem spannenden Showdown. 19. Dezember 1909: In der Gaststätte „Zum Wildschütz“ am Borsigplatz in der Dortmunder Nordstadt treffen sich 18 rebellische junge Männer um ihren stillen Anführer Franz Jacobi, die gegen den Widerstand der katholischen Kirche einen Fußballverein gründen wollen. Als „Fußlümmelei“ geißelte Kaplan Hubert Dewald den noch jungen Sport von der Kanzel der Dreifaltigkeitskirche aus. Die jungen Männer sollten lieber auch am Sonntagnachmittag zur Kirche kommen, statt der Pille nachzujagen. Als der Kirchenmann von den Vereinsplänen hört, eilt er in die Kneipe, um das Vorhaben noch zu stoppen – und wird mit einem Faustschlag aus dem Haus gejagt. Prügel für den Kaplan, am 4. Advent! Ein echter Knalleffekt zur Vereinsgründung.

Prägende Szenen wie diese werden im Film stilecht mit Schauspielern nachgestellt. Wunderschön auch, wie eine Sandmalerin etliche Jacobi-Zitate in Bilder umsetzt.

Viele Interviews

Kern des Films sind aber die vielen Interview-Passagen mit Zeitzeugen, die viel zu erzählen haben. Etwa vom Schuster, der die kostbare Lederpille auch mal während des Spiels flickte. Oder auch die Schuhe, von denen Ursula Kude, Tochter des Vereinsmitgründers Robert Unger und heimlicher Star des Films, zu berichten weiß: „Die hatten früher Schuhe, die wurden steinhart wenn es regnete. Die sind dann mit offenen Füßen vom Platz. Und heute? Heute spielen die doch alle in Pantoffeln.“

„Am Borsigplatz geboren“ ist eine sehenswerte Rückbesinnung auf die Wurzeln des Vereins, auf die Leidenschaft, auf das, was den Fußball eigentlich ausmacht. Schade nur, dass von der aktuellen Profimannschaft des BVB nur Sebastian Kehl und Kevin Großkreutz mit auf Zeitreise gingen.

Alle Termine:

Do, 26. März, 20:00 Uhr, Dortmund, Cinestar
So, 29. März, 17:00 Uhr, Dortmund, Cinestar
Mo, 30. März, 20:00 Uhr, Dortmund, Cinestar

Ab 26.03.: täglich um 21:00 Uhr im stilvollen Roxy, Dortmund.

Do, 23. April, 20:00 Uhr, Kino im U
Fr, 24. April, 20:00 Uhr, Kino im U
So, 26. April, 15:00 Uhr, Kino im U

Quelle: wa.de

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