Nur der Zoff der Klub-Bosse sorgt für Brisanz

DORTMUND/MÜNCHEN - Auf den Rasen kündigt sich ein Prestige-Duell ohne größere Brisanz an. Aber zwischen den Chef-Etagen von Bayern München und Borussia Dortmund fliegen die Giftpfeile.

Selbst das mögliche Duell des ehemaligen Borussen Mario Götze mit dem künftigen Bayern-Profi Robert Lewandowski gerät zur Nebensache. Sportlich sind die Fronten zwischen dem alten und neuen Meister aus München und "Vize" Dortmund angesichts von 20 Punkten Differenz ohnehin geklärt.

Dafür sorgt das öffentliche Scharmützel zwischen den Führungsetagen der Klubs vor dem Gipfeltreffen am Samstag (18.30 Uhr/Sky) für reichlich Brisanz. Uli Hoeneß sei keine "Mutter Teresa", hatte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke gen München geschickt. Dort konterte der designierte Präsident und Hoeneß-Nachfolger Karl Hopfner. Watzke sei ein "Lügner", ein "Baron Münchhausen", weil er in einem Interview einen falschen, viel zu hohen Zinssatz für ein von den Bayern 2004 gewährtes Darlehen über zwei Millionen Euro für die damals finanziell angeschlagene Borussia in Umlauf gebracht hatte.

Watzke korrigierte den Zinssatz inzwischen nach unten, gab seinen Irrtum zu. Dennoch, die Beziehung zwischen den beiden Branchenführern ist erkaltet. "Das Verhältnis war schon einmal besser", befand Watzke im Kicker. Der 54-Jährige glaubt, auch die Gründe zu kennen. Weil "wir den Bayern in den vergangenen Jahren zu nahe gekommen sind - und sie möglicherweise auch registrieren, welch große Sympathiewerte wir in Gesamtdeutschland genießen. Wer ein gutes Verhältnis zu den Bayern haben will, sollte sich sportlich möglichst weit von ihnen entfernen."

20 Punkte dürften eigentlich genügend sein. Dennoch fliegen in regelmäßigen Abständen die Giftpfeile hin und her. Zuletzt zwischen Münchens Sportvorstand Matthias Sammer und BVB-Coach Jürgen Klopp oder zwischen Paul Breitner und Watzke. "Die Wahrnehmung in Dortmund ist manchmal etwas eigenartig", merkte Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge zu der Darlehens-Diskussion an. "Damit sollten wir das Buch auch langsam zuschlagen. Das ist zu lange her, um es immer wieder aufzuwärmen."

Auch Rummenigge glaubt, den Grund für die Angriffslust des Rivalen zu kennen: "Ich glaube, dass mich der morgendliche Blick auf die Tabelle auch nicht fröhlich stimmen würde." Das Bild würde sich auch bei einem Sieg der Dortmunder nicht groß ändern. "Das Spiel hat statistischen Wert, aber auch nicht mehr", sagte Rummenigge nach dem Einzug der Bayern ins Halbfinale der Champions League gegen Manchester United (3:1). Sammer kann mit dem Begriff Prestige-Duell nichts anfangen: "Ich habe noch nirgends gesehen, dass einer auf der Autogrammkarte stehen hatte: Prestige gewonnen. Es ist für uns kein entscheidendes Spiel."

Vier Tage nach der kraftraubenden, aber erfolglosen Aufholjagd im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid (2:0) wird auch Klopp in seiner Aufstellung rotieren - soweit angesichts der langen Verletztenliste überhaupt möglich. Denn für den BVB steht am kommenden Dienstag (20.30 Uhr/Sky und ARD) das Halbfinale des DFB-Pokals gegen den VfL Wolfsburg auf dem Programm.

"Das ist ein sensationeller Zeitpunkt für das Spiel in München", meinte Klopp anlässlich der Pressekonferenz am Donnerstag ironisch. Dennoch benötige der BVB drei Punkte, "die uns guttun würden". Wer auflaufen werde, konnte Klopp noch nicht sagen. "Da spielen mehr Dinge als nur Verletzungen eine Rolle", erklärte der 46-Jährige.

"Wir fahren nicht nach München, um etwas abzuschenken. Aber wenn man die nächsten beiden Spiele betrachtet, hat das Pokal-Halbfinale für uns die höhere Priorität", bestätigte Watzke. Im Pokal geht es um die letzte Chance der Dortmunder in dieser Saison auf einen Titel - im Falle des Finaleinzugs am 17. Mai in Berlin wohl erneut gegen die Bayern. - sid

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare