„Mitten in zweiter Welle“

Söder wird bei Markus Lanz zugeschaltet - als er weg ist, lästert Talk über ihn

Markus Söder war in der TV-Talkshow Markus Lanz (ZDF) zu Gast. Bayerns Ministerpräsident äußerte sich zum Beherbergungsverbot und warnte vor einem zweiten Lockdown.

  • Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach bei Markus Lanz (ZDF)*.
  • „Wir sind einem zweiten Lockdown näher, als man denkt“, warnte er, auch angesichts des Corona-Geschehens in Nachbarländern.
  • Als er nicht mehr zugeschaltet ist, wird er von einer Journalistin stark kritisiert.

Mainz - Viele Politiker hätten sich nach dem Corona*-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel* (CDU) selbst enttäuscht gezeigt, so Markus Lanz zu Beginn seiner Sendung. „Ist die Politik am Ende?“, lautet seine erste Frage an den per Video zugeschalteten bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder* (CSU).

Söder selbst hatte in Bayern nach dem Gipfel strengere Regeln aufgelegt. Doch die Frage nach einer Schwäche der Politik lässt er nicht auf sich sitzen. Natürlich sei die Politik noch handlungsfähig - sie müsse die „Leitplanken“ vorgeben, meint er. „Wir wissen ja, was wirkt. Es ist ja jetzt nicht so, dass Corona uns vor ein völlig neues Rätsel stellt.“ Es sei eine reine Nerven- und Geduldssache, die mit „klaren und verbindlichen Regeln“ beherrscht werden könne und kein „Krieg gegen Corona“. Auch 24hamburg.de* berichtet darüber.

Söder bei Markus Lanz zur Corona-Krise: „Wir wollen keinen zweiten Lockdown“

Prompt und ungefragt spricht Söder daraufhin eine deutliche Warnung aus: „Wir wollen keinen zweiten Lockdown. Aber wenn wir nicht die richtige Geschwindigkeit der Maßnahmen haben, dann - und das befürchte ich - sind wir aufgrund der Geschwindigkeit von Corona* jetzt einem zweiten Lockdown näher als wir befürchten.“

Anders als im März komme die Situation aber nicht wie eine „Naturkatastrophe“ daher, sondern sei regelbar. Man habe sich die Situation im Sommer allerdings teilweise „schön geredet“. Aktuell gäbe es aber in Nachbarländern bereits extrem strenge Maßnahmen und die ersten schwierigen Situationen in Krankenhäusern: „Die tschechische Regierung hat heute angefragt, ob wir nicht Intensivbetten zur Verfügung stellen könnten“, berichtet Söder. „Wir sind wieder mitten voll in der zweiten Welle, und wir müssen diese Bewährungsprobe bestehen“, schließt er seine Warnungen ab.

Corona: Söder bei Markus Lanz (ZDF) zum Beherbergungsverbot befragt

„Wie nimmt man die Menschen mit? Ich habe den Eindruck, viele sind müde“, fragte Lanz weiter. Besonders beim Thema „Beherbergungsverbote“ könne die Stimmung kippen, meint Lanz. Diese Maßnahme könne eventuell dazu führen, dass die Politik die Unterstützung der Menschen verliert.

„Ich glaube, dass die Debatte um das Beherbergungsverbot völlig überschätzt ist. Wenn alle die Konzepte anwenden, dann wird es von sich heraus überflüssig. Bereits einen Tag später ist das Beherbergungsverbot in Bayern gekippt. Ausreiseverbote, die RKI*-Chef Roland Wieler ins Spiel gebracht hatte, hält Söder dagegen für „überzogen“. Man gewinnt den Eindruck, dass sich Söder wieder voll in seinem Element fühlt. Als er von Lanz gefragt wird, ob man wolle, dass Menschen wegen Kontaktbeschränkungen „einsam und ungetröstet“ sterben müssen, sagt Söder nur „Nein.“ Und entgegnet dann: „Aber wir wollen auch nicht, dass wir wieder vor schweren ethischen Fragen stehen, wie etwa der berühmten Triage.“

Tatsächlich ist auch Söder selbst im jüngsten ARD-Deutschlandtrend deutlich beliebter als Armin Laschet (CDU) und Friedrich Merz (CDU), was eine Kanzlerkandidatur angeht . Auch auf Twitter bekommt sein Auftritt von einigen gute Kritiken:

Markus Lanz (ZDF): Als Söder Corona-Talk verlässt, lästert Journalistin über ihn

Als Söder dann nicht mehr zugeschaltet ist, wird hinter seinem Rücken erst einmal über ihn gesprochen. Die Journalistin Claudia Kade wirft ihm vor, dass Söder selbst keinen kühlen Kopf bewahre. Besonders seine Zuspitzung auf eine „Unkontrollierbarkeit“ in Berlin sei unangemessen - im Übrigen habe Bayern monatelang mit den Infektionszahlen vorne gelegen.

Markus Söder musste sich nach seinem Auftritt Kritik gefallen lassen.

Was wir aktuell nicht brauchen, meint sie, seien Machtkämpfe zwischen Politikern, wenn Söder selbst andauernd von Solidarität spreche. (kat) *Merkur.de, tz.de und 24hamburg.de sind Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Screenshot ZDF

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