Wulff startet mit Sommerparty ins Amt 

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Der neue Bundespräsident Christian und seine Frau Bettina Wulff beim Sommerfest am Schloss Bellevue.

Berlin - Es gab schon Bundespräsidenten, die mit weniger angenehmen Pflichten ins Amt gestartet sind. Christian Wulff hingegen darf zuerst einmal das Sommerfest um Schloss Bellevue feiern.

Keine sechs Stunden nach seiner Vereidigung durfte Christian Wulff bei bestem Wetter das große Sommerfest im Park des Schlosses Bellevue eröffnen. Rund 5000 Gäste waren da, darunter viel Prominenz. Das Fest gehört jedes Jahr zu den gesellschaftlichen Höhepunkten in Berlin. Und dieses Mal waren die Einladungen besonders begehrt. Wulff war der offizielle Gastgeber - auch wenn bei der Einlasskontrolle auf den meisten Karten noch ein anderer Name zu lesen war. Der Großteil der Büttenpapier-Briefe wurde bereits vor Ende Mai verschickt - vor dem überraschenden Rücktritt von Horst Köhler - und begann mit den Worten: “Der Bundespräsident und Frau Eva Luise Köhler bitten ...“ Auf dem Rest der Einladungen stand dann nur noch “Der Bundespräsident bittet ...“ - man wusste ja nicht, wie die Wahl ausgehen würde.

Sommerfest des Bundespräsidenten am Schloss Bellevue

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Auch ansonsten war bei dem Fest unter dem Motto “Freude - Veränderung - Zusammenarbeit“ noch sehr die Handschrift des Vorgängers zu merken. Im 20. Jahr der Wiedervereinigung stand es unter dem Zeichen des Zusammenwachsens von Ost und West. Wie alle anderen Ex-Präsidenten war auch Köhler eingeladen, verzichtete jedoch. Wulffs unterlegener Gegenkandidat Joachim Gauck war hingegen dabei. Vor der Wahl hätten sie beide eine Vereinbarung geschlossen, berichtete der neue Präsident: “Wir sind heute Abend hier - egal, wie es ist.“ Nach der kurzen Begrüßung ging Wulff auch auf seinen Versprecher beim Amtseid ein, als er nochmals ansetzen musste. “Es ist vielleicht eine Aufregungssekunde gewesen.“ Als er damit getröstet wurde, dass auch Barack Obama seinen Amtseid verpatzt hatte, entgegnete er schlagfertig: “Das macht mir Mut, dass es noch was werden kann.“

Peter Maffay unterhält das Sommerfest

Das Musikprogramm - unter anderem mit Alt-Rocker Peter Maffay und mit dem Bundesjugendorchester unter Kurt Masur - ebenso wie die Gäste waren auch noch vom Vorgänger ausgewählt worden. Das neue Staatsoberhaupt und die neue “First Lady“ Bettina Wulff durften jedoch noch eine kleine Handvoll persönlicher Freunde hinzubitten, zum Beispiel die Schauspielerin Veronica Ferres. Ganz angekommen ist Wulff in Berlin aber noch nicht. Das WM- Viertelfinale gegen Argentinien wird der bisherige niedersächsische Ministerpräsident am Samstag zu Hause in seinem Wohnort Großburgwedel anschauen. Das dortige Haus wollen die Wulffs auf jeden Fall behalten. Wo sie dann in Berlin wohnen werden, ist noch nicht entschieden. Einstweilen übernachten sie im Hotel, wenn sie in der Hauptstadt sind.

Wulff als Bundespräsident vereidigt

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Sicher ist auf jeden Fall, dass die Familie Wulff nicht ins Schloss Bellevue ziehen wird. Der letzte Bundespräsident, der in dem frühklassizistischen Gebäude auch die Nächte verbrachte, war Roman Herzog vor elf Jahren. Inzwischen wurde der Wohntrakt im Südflügel in Büros umgebaut. “Wir sind sozusagen wohnungssuchend“, sagte die neue “First Lady“. Wulff stellte ebenfalls fest: “Wir werden uns nach einer anderen Bleibe umschauen.“ In der kommenden Woche wollen die Wulffs die Dienstvilla in Berlin-Dahlem besichtigen, in der die Köhlers ihr Domizil hatten. Dann geht es aber auch schon mit den offiziellen Terminen los.

Am Montag kommt schon der erste Staatsgast

Als erster Staatsgast ist am Montag der Präsident der Dominikanischen Republik, Leonel Fernández, zu Gast. Recht schnell will Wulff dann auch die erste Auslandsreisen machen, zur Europäischen Union nach Brüssel sowie nach Frankreich und Polen. Außerdem hofft Wulff auch noch auf eine Reise nach Südafrika - zum 11. Juli, wenn in Johannesburg das WM-Finale ausgetragen wird. Als Präsident hätte er seinen Platz auf der Ehrentribüne sicher. Dafür müssen allerdings die deutschen Kicker mitspielen und sich bis ins Finale durchkämpfen.

Bettina Wulff: Unsere junge, schöne First Lady

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Inzwischen stehen auch schon die ersten Personalentscheidungen fest. Neuer Leiter des Präsidialamtes wird der bisherige Chef der niedersächsischen Staatskanzlei, Lothar Hagebölling, einer von Wulffs engsten Vertrauten. Zudem kommt auch Wulff bisheriger Regierungssprecher Olaf Glaeseker mit nach Berlin. Unklar ist noch, in welcher Funktion. Offen ist, was aus dem bisherigen Staatssekretär Hans-Jürgen Wolff wird, dem viele eine Mitschuld an Köhlers frühzeitigem Abgang geben. Wulff jedenfalls ist sichtlich bemüht, die Stimmung unter den 175 Mitarbeitern im “Schloss“ wieder zu verbessern. “Es ist dort ein wunderbares Klima mit engagierten Mitarbeitern“, lobte er. Und fügte zum Schluss der Begrüßungsrede beim abendlichen Sommerfest hinzu: “Die wollen was Gutes tun. Die wollen eine erfolgreiche Präsidentschaft.“ Präsidialer geht es kaum.

dpa

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