Anwalt: Wulff bekam seit 1994 kein Kanzlei-Honorar

Christian Wulff soll seinem Anwalt zufolge seit 1994 kein Honorar aus seiner früheren Anwaltskanzlei mehr erhalten haben

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff hat seinem Anwalt zufolge nach dem Ausscheiden aus seiner früheren Anwaltskanzlei 1994 kein Honorar mehr bekommen.

Trotz neuer Vorwürfe gegen Bundespräsident Christian Wulff bleibt sein Anwalt Gernot Lehr dabei: Wulff habe keine Geschäftsbeziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens unterhalten, dessen Ehefrau Wulff den umstrittenen Privatkredit für sein Haus gewährte. Hintergrund ist ein Bericht, wonach die Osnabrücker Kanzlei, bei der Wulff früher als Anwalt tätig war, unter anderem auch Geerkens betreute, der zudem auch der Vermieter der Kanzlei-Räumlichkeiten war. Wulff selbst sucht derweil Erholung beim Winterurlaub in Thüringen.

Christian Wulffs politisches Leben in Bildern

Christian Wulffs politisches Leben in Bildern

Christian Wulff wird am 19. Juni 1959 im niedersächsischen Osnabrück als zweites Kind von Rudolf und Dagmar Wulff geboren. Am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium legt er das Abitur ab. Christian Wulff engagiert sich früh als Schülersprecher, Studentenvertreter und in den Jugendverbänden Schüler Union und Junge Union.

Von 1980 bis 1986 studiert Christian Wulff Rechtswissenschaften mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt an der Universität Osnabrück. 1987 leistet er sein Referendarexamen in Hannover, danach sein Referendariat am Oberlandesgericht Oldenburg und legt 1990 sein Assessorenexamen in Hannover ab. 1990 tritt Christian Wulff in eine Rechtsanwaltskanzlei ein.

1986 wird Wulff für die CDU Mitglied im Rat der Stadt Osnabrück, von 1989 bis 1994 ist er deren Fraktionsvorsitzender. Er bleibt Ratsmitglied bis 2001.

1988 heiratet Wulff Christiane Vogt. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter, Annalena. Nach 18 Ehejahren trennen sich die beiden.

1994 wird Wulff in den niedersächsischen Landtag gewählt. Im März des Jahres übernimmt er das Amt des Fraktionsvorsitzenden, im Juni den Posten des Landesvorsitzenden seiner Partei in Niedersachsen. 1998 wird Christian Wulff zu einem der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU gewählt.

1994 und 1998 tritt Wulff als CDU-Fraktionsvorsitzender in Niedersachsen bei den Landtagswahlen gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder an und verliert beide Male gegen den späteren SPD-Kanzler.

Bei der Landtagswahl 2003 feiert Wulff dann einen großen Erfolg gegen den Schröder-Nachfolger Sigmar Gabriel - er wird niedersächsischer Ministerpräsident.

Fünf Jahre später wird Wulff in seinem Amt des Ministerpräsidenten bestätigt.

2008, zwei Jahre nach der Trennung von seiner ersten Ehefrau heiratet Wulff Bettina Körner. Sie bringt einen Sohn mit in die Ehe, Leander. 2008 wird der gemeinsame Sohn Linus Florian geboren.

Am 30. Juni 2010 setzt sich Wulff in der Wahl der Bundesversammlung gegen den Gegenkandidaten Joachim Gauck im dritten Wahlgang durch und wird zum zehnten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Auf eigenen Wunsch ruht seine Mitgliedschaft in der CDU seit diesem Tag.

2011 wird Christian Wulff durch den Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr bekommt er die Ehrenmedaille des Deutschen Olympischen Sportbundes verliehen.

Am 13. Dezember 2011 berichtet die Bild-Zeitung von einem Privatkredit Wulffs, den er von einem befreundeten Geschäftsmann bzw. dessen Frau erhalten haben soll.

Eine Anfrage des niedersächsischen Landtags zu diesem Vorgang beantwortete Wulff 2010, er streitet jedoch Geschäftsbeziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens ab. Später erklärt der Bundespräsident, er bedauere es, dass durch seine Aussagen zu dem Privatkredit ein falscher Eindruck entstanden sei.

Am 22. Dezember bittet Wulffs Pressesprecher Olaf Glaeseker (r.) um seine Entlassung. Die Hintergründe dieses Vorgangs bleiben im Dunkeln.

Anfang Januar 2012 tauchen Medienberichte auf, wonach Wulff den Bild-Chefredakteur Kai Dieckmann telefonisch bedroht haben soll, den Artikel über die Kreditaffäre zurückzuziehen.

Knapp ein Jahr nach seinem Rücktritt als Bundespräsident, haben sich Christian Wulff und seine Frau Bettina getrennt.

Der Umstand, dass Geerkens Vermieter und Mandant der Kanzlei Funk, Tenfelde und Partner gewesen sei, “begründet keine Geschäftsbeziehung von Christian Wulff zu Egon Geerkens“, hob Lehr hervor. Im niedersächsischen Landtag hatte Wulff 2010 eine Frage nach geschäftlichen Beziehungen zu Geerkens verneint.

Lehr betonte, Wulff habe seine Tätigkeit für die Kanzlei im Jahr 1994 eingestellt. Er sei lediglich damit einverstanden gewesen, “dass die Kanzlei seinen Namen auf dem Briefkopf führte, ihm die Kammerzulassung ermöglichte und ihn in die Berufshaftpflichtversicherung einbezog“.

Die Anwaltskanzlei Funk, Tenfelde und Partner teilte auf dapd-Anfrage ebenfalls mit, dass Wulff nach 1994 keine Mandanten der Kanzlei mehr betreut und danach auch “keine Vergütung und keine irgendwie geartete Vergünstigung“ erhalten habe. Einer der Rechtsanwälte, Stefan Felsner, bestätigte zwar die Recherchen von tagesschau.de, wonach Geerkens Mandant und Vermieter der Räume der Kanzlei war. Er verwies aber darauf, dass Geerkens ausschließlich von einem anderen Anwalt beraten und vertreten worden sei.

Nahles bezeichnet Wulff als Pinocchio

Die SPD verschärfte dennoch den Ton gegenüber dem Bundespräsidenten. Offensichtlich sitze ein “Pinocchio“ im Bundespräsidialamt, sagte Generalsekretärin Nahles am Dienstag dem Sender N24. Dies sei peinlich und schade dem Amt. Sie forderte Wulff auf, Bilanz zu ziehen, “ob er wirklich noch Vorbild sein kann“. Daran gebe es erhebliche Zweifel. Wulff allein habe es jedoch in der Hand, “daraus Konsequenzen zu ziehen“.

Ähnlich äußerte sich der Fraktionsvorsitzende der niedersächsischen Grünen, Stefan Wenzel. Wulffs Verbindung mit Geerkens über die Rechtsanwaltskanzlei zeige “eine weitere geschäftliche Beziehung, die dem Landtag verschwiegen wurde“. Der Vorsitzende der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, Björn Thümler, verwies hingegen darauf, dass die Landesregierung bereits 2005 sämtliche Anfragen zu Wulffs Anwaltstätigkeit beantwortet habe.

McAllister: Glaeseker hatte unorthodoxe Arbeitsweise

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister distanzierte sich unterdessen von Wulffs ehemaligem Sprecher Olaf Glaeseker. Beim sogenannten Nord-Süd-Dialog sei vieles von Glaeseker ohne Absprachen entschieden worden, sagte der CDU-Landesvorsitzende der “Bild“-Zeitung. “Auf jeden Fall hatte Olaf Glaeseker eine unorthodoxe Arbeitsweise und er hat offenkundig außerhalb der üblichen Kontrollen gehandelt“, sagte McAllister.

Der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) hatte zuletzt gesagt, er fühle sich von Christian Wulffs früherem Sprecher “beschissen“. McAllister sagte nun, dass diese Aussage “das allgemeine Empfinden der Landesregierung“ ausdrücke.

Mit Blick auf sein persönliches Verhältnis zu Wulff blieb McAllister distanziert. Auf die Frage nach einer Freundschaft zwischen ihm und dem Bundespräsidenten sagte er: “Wir haben viele Jahre gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet.“ An Spekulationen zu einem Rücktritt von Wulff wolle er sich “aus Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten“ nicht beteiligen.

Seit Sonntag macht die Präsidentenfamilie Urlaub in einer Pension im thüringischen Friedrichshöhe. Der Ort liegt zwischen Eisfeld und Neuhaus am Rennweg. Er wolle ein “paar Tage die Landschaft genießen“, sagte Wulff am Dienstag. Zu den Vorwürfen in der Kredit- und Medienaffäre äußerte er sich dagegen nicht.

dapd

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

BerlinChristian Wulff
Kommentare zu diesem Artikel