Wirbel um Wulffs Buch reißt nicht ab

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Bundespräsident Christian Wulff erlebt derzeit wenig vergnügliche Tage.

Hamburg - Die Unterstützung für ein Buch von Christian Wulff durch Unternehmer Carsten Maschmeyer ist nach Ansicht des Verlegers völlig unproblematisch. Die Grünen fordern die Aufklärung des "System Hannovers".

Die Finanzierung einer Anzeigenkampagne für ein Buch von Christian Wulff durch den Unternehmer Carsten Maschmeyer ist nach Ansicht des Verlegers völlig unproblematisch.

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“Das ist in der Verlagsbranche üblich und ein absolut normaler Vorgang“, sagte Manfred Bissinger, der im Verlag Hoffmann und Campe den Bereich Corporate Publishing leitet, am Dienstag zu “Spiegel Online“. “Wir haben damals verschiedene Unternehmer, unter anderem Carsten Maschmeyer, angesprochen, ob sie sich an der Vermarktung des Buchs beteiligen würden.“

Der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe hat bestätigt, dass Maschmeyer die Werbekampagne mitfinanziert hat. “Der damalige Geschäftsführer bei Hoffmann und Campe, Manfred Bissinger (ausgeschieden 2010), hatte Herrn Maschmeyer persönlich um diese Hilfe gebeten“, erklärte der Verlag am Dienstag auf Anfrage. Angaben über die Höhe der Werbemittel von Maschmeyer wollte der Verlag nicht machen. Bissinger hat für das Buch “Besser die Wahrheit“ (2007) selbst ein politisches Essay über Wulff geschrieben.

Kein Honorar für Wulff

Das Autorenhonorar für den Gesprächsband sei ausschließlich an Wulffs Co-Autor Hugo Müller-Vogg gegangen. Der damalige Ministerpräsident, der in dem Buch auf Fragen von Müller-Vogg antwortet, habe kein Honorar erhalten.

Im Hoffmann und Campe Verlag erscheinen viele Bücher von Politikern und Managern, zuletzt “Zug um Zug“ von Peer Steinbrück und Alt-Kanzler Helmut Schmidt. Mit Müller-Vogg als Co-Autor hat der Verlag auch Bücher von Kanzlerin Angela Merkel, Ex-Bundespräsident Horst Köhler und dem früheren Bahn-Chef Hartmut Mehdorn veröffentlicht.

Das Buch des heutigen Bundespräsidenten wurde mit den von Maschmeyer bezahlten Anzeigen während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs des damaligen Ministerpräsidenten Wulff beworben. Bissinger sagte weiter, die Finanzierung von Anzeigen durch Privatpersonen sei “kein Geheimnisgeschäft, da gab es nichts zu verbergen“. Von Wulff sei danach auch nicht gefragt worden. “Warum sollte ihn das auch interessieren?“

Der branchenübliche Buchvertrag sei mit Wulffs Interviewer Hugo Müller-Vogg geschlossen worden, sagte Bissinger. Wulff selbst habe kein Honorar erhalten. “Die Frage nach der Anzeigenfinanzierung ist da irrelevant.“

Christian Wulff und seine Vorgänger

Das waren die deutschen Bundespräsidenten

Der Ältestenrat des niedersächsischen Landtags kam am Dienstag zu einer Sondersitzung wegen der Vorwürfe gegen Ex-Ministerpräsident Wulff zusammen. Knapp eineinhalb Jahre nach dessen Wechsel in das Amt des Bundespräsidenten diskutierten die Parlamentarier darüber, ob Wulff in Hannover gegen das Ministergesetz des Landes verstoßen hat. Die Sitzung dauerte allerdings nur rund 15 Minuten, weil sich Abgeordnete der Regierungsfraktionen CDU und FDP und der Opposition nicht einigen konnten, ob das Gremium überhaupt zuständig ist.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bleibt bei ihrer Unterstützung für Wulff. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Dienstag in Berlin, Wulff genieße weiter Merkels “vollstes Vertrauen“. Die Kanzlerin und Wulff stünden “in sehr regelmäßigem und intensivem Kontakt zu einer Vielzahl von Fragen“. Diese Kontakte würden wie immer vertraulich behandelt.

Zu den Berichten, wonach Unternehmer Maschmeyer eine Werbekampagne für ein Interview-Buch Wulffs finanziert habe, sagte Seibert, auch für neu auftauchende Fragen gelte, dass sie an den Bundespräsidenten zu richten seien. “Sie werden von ihm persönlich aufgeklärt.“

Merkel hatte schon am Montag bei einem Besuch im Kosovo betont: “Der Bundespräsident macht eine hervorragende Arbeit, und das, was im Raume steht, wird von ihm persönlich aufgeklärt.“

Der Bundespräsident - viele Aufgaben, wenig Macht

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Die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hat von Wulff Aufklärung zum “System Hannover“ gefordert. Wulff lasse zu, dass das Bundespräsidialamt quasi umgeben sei von einem Amigo-System, dem “System Hannover“, sagte Künast am Dienstag in Berlin. “Er muss das System Hannover aufklären, sagen, was war, und sich entschuldigen.“

Künast meldete Zweifel daran an, dass Wulff von der Bezahlung einer Anzeigenkampagne für ein Interview-Buch durch den Unternehmer Carsten Maschmeyer nichts gewusst habe. “Ich kann keine Tatsachen anführen, aber ich halte es für lebensfremd“, sagte Künast. “Soll denn ein renommierter Verlag in Deutschland, der das Buch über einen Ministerpräsidenten herausgibt, ernsthaft Geld für Anzeigen annehmen, wo der Autor vom Finanzier nichts weiß?“

Die Finanzierung von Zeitungsanzeigen rieche nach einer trickreichen Umgehung des Parteispendenrechts. Ab 10 000 Euro müssten Spender genannt werden. Wer statt einer Parteispende den Weg der Anzeigenfinanzierung wählt, verhindere, dass der Name genannt werde.

dpa

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