Wiederaufbau Irak: USA versenkten Milliarden im Sand

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US-Patrouille in der irakischen Hauptstadt Bagdad.

Bagdad - Beim Wiederaufbau des Irak haben die USA Milliarden von Dollar im Sand versenkt. Jetzt zeigt sich: Über zehn Prozent der Gelder wurden verschwendet. Etliche errichteten Gebäude wurden nie genutzt.

Über 50 Milliarden Dollar (40 Milliarden Euro) haben die USA in den Wiederaufbau des Irak gesteckt. Doch ein beachtlicher Teil davon wurde buchstäblich in den Wüstensand gesetzt, wie nun eine Prüfung zahlreicher Projekte durch ein amerikanisches Kontrollgremium ergab. Insgesamt wurden demnach über zehn Prozent - fünf Milliarden Dollar Steuergeld - verschwendet. Und in Anbetracht von rund 300 Einzelprüfberichten, die für den Generalinspektor für den irakischen Wiederaufbau angefertigt wurden, ist diese Summe wahrscheinlich noch untertrieben.

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Einige Projekte sind Totalausfälle, während bei anderen die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Nördlich von Bagdad steht ein Gefängnis leer, das für 40 Millionen Dollar errichtet wurde. Im Süden des Landes kann eine 165 Millionen Dollar teure Kinderklinik ihren Betrieb nicht aufnehmen. Und obwohl in Falludscha mit 100 Millionen Dollar das Dreifache des ursprünglich geplanten Betrags für eine Kläranlage ausgegeben wurde, laufen die Abwässer noch immer durch die Straßen.

Der für die Golfregion zuständige Kommandeur des Pionierkorps des US-Heeres, Oberst Jon Christensen, berichtete von über 4.800 Projekten, die seit dem Einmarsch der Amerikaner 2003 fertiggestellt worden seien und 233 weiteren, die nun schnellstmöglich zu Ende gebracht würden. 595 Projekte hätten, meist wegen Sicherheitsbedenken, aufgegeben werden müssen. Christensen räumt ein, dass Fehler gemacht worden seien. Aber “es gibt Grenzen dessen, was wir leisten können“, sagte er. Letztlich komme es darauf an, was die Iraker daraus machten.

Bauruinen verwittern

Und die sind nicht immer glücklich mit den amerikanischen Wohltaten. Zahlreiche Projekte waren nicht mit denjenigen abgesprochen, die sie nachher nutzen sollten. “Anfangs haben wir nicht so eng mit den Leuten zusammengearbeitet, dass wir mitbekamen, was ihre Bedürfnisse waren“, sagte Christensen. Mittlerweile sei die Zusammenarbeit sehr eng. Schaimaa Mohammed Amin, die Vorsitzende des Wiederaufbau- und Entwicklungskomitees der Provinz Dijala, weiß von einem Beispiel aus ihrer Region zu berichten: So wurde eine Honigfabrik gebaut und in Betrieb genommen, obwohl eine Schule und Infrastrukturprojekte viel nötiger gewesen wären. Ablehnen konnten die Iraker solche und andere in ihren Augen ungeeignete Bauten kaum. “Wir wurden fast gezwungen sie anzunehmen“, sagte Amin. Am Ende müssen sie für die Fertigstellung von Gebäuden zahlen, die sie gar nicht wollten. Manchmal weigern sich Ministerien aber auch, Baustellen zu übernehmen. Dann werden die mit Steuergeld errichteten Bauruinen sich selbst überlassen. Sie verwittern langsam, bis sie der Wüstensand wegträgt.

Von Kim Gamel

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