EU: Weniger Fischfang in der Nordsee

Brüssel - Echter Nordseefisch kommt 2011 seltener auf den Teller. Nach stundenlangem Ringen einigten sich die zuständigen EU-Minister auf die Fangquoten für Nordsee und Nordatlantik. Die Folgen:

Die Fischer in der Nordsee und im Nordatlantik dürfen im kommenden Jahr insgesamt weniger Fisch fangen als 2010. Darauf haben sich die zuständigen EU-Minister am frühen Mittwochmorgen in Brüssel einstimmig geeinigt - nach einem etwa 17 Stunden langen Verhandlungsmarathon.

Dem Staatssekretär im Bundesagrarministerium, Robert Kloos, zufolge wurde für Kabeljau ein Rückgang der Fangmenge um ein Fünftel beschlossen, für Seelachs um 13 Prozent. Die Fangmenge beim Hering wurde indes um 22 Prozent erhöht, bei Schollen um 15 Prozent. Die deutschen Nordseefischer dürfen laut Kloos nach ersten Berechnungen im kommenden Jahr etwa 2900 Tonnen Kabeljau und 10 000 Tonnen Seelachs fangen.

Der Kompromiss orientiere sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Schutz der Fischbestände, betonte Kloos. Er sprach aber auch von “schwierigen Bedingungen für die deutsche Fischerei“.

Die für Fischerei zuständige EU-Kommissarin Maria Damanaki erklärte: “Die Einigung ist sehr gut ausgefallen.“ Sie sagte, dass gefährdete Bestände wie etwa Haie nach der neuen Vereinbarung sehr gut geschützt seien. Es müsse aber noch enger mit der Wissenschaft zusammengearbeitet werden.

30 Prozent weniger Heringsfang im Vergleich zu 2010

Nach Angaben von EU-Diplomaten wichen die Minister jedoch - wie schon bei den Verhandlungen für die Ostsee im Oktober - bei der Gesamtmenge von einem Vorschlag der EU-Kommission ab. Diese hatte einen Rückgang von fast 90 000 Tonnen oder zehn Prozent gefordert, um die Fischbestände zu schonen. In Europa gelten fast 90 Prozent als überfischt. Deshalb sinken die erlaubten Fangmengen seit fünf Jahren. Grundlage für den Kommissionsvorschlag war ein Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES).

Auch die deutsche Verhandlungsführerin Bundesagrarministerin Ilse Aigner hatte vor Beginn der zähen Verhandlungen erklärt, die Quoten von wissenschaftlichen Empfehlungen abhängig zu machen. “Wir setzen uns für eine nachhaltige Fischerei ein“, betonte die CSU-Politikerin Anfang der Woche in Brüssel. Der Rückgang der Fangmengen sei für die Fischer “bestimmt nicht einfach“. Von den Fischbeständen hingen aber Arbeitsplätze ab. “Das ist auch eine Grundsicherung für die Fischer.“

Für die Ostsee hatte der Ministerrat für den Heringfang im kommenden Jahr ein Minus von 30 Prozent im Vergleich zu 2010 beschlossen. Die Fangmenge für Sprotten soll um 24 Prozent zurückgehen, für Lachs um 15 Prozent. Dorsch darf hingegen etwas mehr gefangen werden.

dpa

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