"Es ist gut, Sie zu haben"

Union und Merkel ehren Schäuble

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Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde (r), und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sitzen im Deutschen Theater in Berlin bei einer Festveranstaltung anlässlich des 70. Geburtstages von Bundesfinanzminister Wolfgang Schaeuble (CDU, l.) neben dem Jubilar.

Berlin - Er ist einer der prägendsten Politiker - auch wenn er nie Kanzler oder Bundespräsident war. Vor ein paar Tagen wurde Wolfgang Schäuble 70 Jahre - die Union ehrt den Architekten der deutschen Einheit.

Zum Festakt zu seinem 70. kommt Jubilar Wolfgang Schäuble nicht als Letzter. Diese Rolle übernimmt die Kanzlerin. Das Protokoll muss stimmen, auch bei einer Geburtstagsfeier. Zusammen treffen Angela Merkel und ihr Finanzminister ohnehin nicht ein. Das besondere Verhältnis der beiden wird auch bei der Feier im Deutschen Theater deutlich: Merkel und Schäuble schätzen sich, und sie sind aufeinander angewiesen. Duzfreunde werden die Zwei aber auch an diesem Mittwoch nicht.

„Lieber Wolfgang Schäuble“ beginnt Merkel ihre Rede bei der kurzweiligen Geburtstagsmatinee im Theatersaal einer der berühmtesten Bühnen Deutschlands. Sie würdigt natürlich den dienstältesten Bundestagsabgeordneten, den Architekten der deutschen Einheit, des Hauptstadtumzugs und der Zusammenführung Europas.

Lange war Schäuble ihr Chef, jetzt ist sie seine Chefin. Die Kanzlerin lobt Schäubles Pflichtbewusstsein, seine Loyalität und Diskretion, seinen Pragmatismus: „Ohne Sie sähe unser Land anders aus.“ Und Merkel weiß, was sie an ihrem Parteifreund und Kassenwart hat, der zum Glück nicht Lokführer, Fußballer oder Anwalt geworden sei, sondern Politiker: „Es ist gut, Sie zur Seite zu haben.“

Die Kanzlerin erinnert an ihre erste Begegnung mit Schäuble: „Die war nachhaltig.“ Sie war Vize-Sprecherin der letzten DDR-Regierung. Vor einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Schäuble wollte Ost-Einheits-Unterhändler Günther Krause (CDU) der ARD schnell ein Interview geben. „Dann findet die Pressekonferenz nicht statt“, habe Schäuble daraufhin in seiner typischen Art gesagt. Sie habe Krause schnell umgestimmt, sagt Merkel: „Ich hab' gelernt.“

Die vielen politischen Niederlagen Schäubles erwähnt Merkel nicht. Schon gar nicht die, bei denen die CDU-Chefin selbst eine Rolle spielte. 2004 verhinderte sie mit der FDP Schäuble als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. Später versöhnten sie sich. Schäuble Rückschläge in der Politik spricht an diesem Tag IWF-Chefin Christine Lagarde an - indirekt allerdings und in einer sehr persönlichen Rede für „Wolfgang, meinen Freund“.

Die heute mächtigste Bankerin der Welt erinnert an einen Satz ihres früheren Chefs, Frankreichs Präsident Nicoals Sarkozy. Der habe mal gesagt, ein Politiker müsse viele Wunden haben. Sie habe nicht so viele, sagt Lagarde - und lässt dies so stehen. Lagarde duzt sich seit langem mit Schäuble. Sie nennt ihren Ex-Kollegen, mit dem sie sonst locker französisch parliert, einen „Integrator“, der „die richtige Person zu richtigen Zeit am richtigen Ort“ sei.

Schäuble ist gerührt. „Wunderbar“ und „ganz außergewöhnlich“ sei das Ganze, sagt der Kunst- und Musikliebhaber. Den Auftritt des Schauspielers Ulrich Matthes nennt Schäuble ein „riesiges Geschenk, was Ihr mir gemacht habt“. Sonst sitze er im Theater ja am Rand, spielt er auf seine Querschnittslähmung seit dem Attentat im Oktober 1990 an - wieder ganz der an den Rollstuhl gefesselte Politiker voller Selbstironie, der sich nicht schont und sich immer wieder einen „glücklichen Menschen“ nennt - nicht nur an diesem Mittwoch.

Im Deutschen Theater sei er 1988 schon einmal gewesen, erinnert sich Schäuble. Auf den Tag genau ein Jahr vor dem Mauerfall am 9. November - für ihn „immer noch das größte Wunder“. Der „Kanzler der Einheit“ Helmut Kohl hatte seine Teilnahme an dem Festakt für Schäuble schon vor Tagen abgesagt. Das Verhältnis zwischen den zwei CDU-Granden ist seit Jahren zerrüttet und bleibt es wohl auch.

Gekommen sind aber Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, viele Wegbegleiter, fast das gesamte Bundeskabinett und die Führung der Koalitionsfraktionen. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier kommt in letzter Minute und muss sich daher mit einem Platz am Rand begnügen. Die sichtlich gut gelaunte Spitze der Grünen ist vertreten. DGB-Chef Michael Sommer sogar mit einem kleinen Geschenk: Ein Notizblock mit einem alten Buchrücken aus Schäubles Geburtsjahr.

Kurzfristig abgesagt hat Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Der hatte erst kürzlich auch eine gemeinsame Pressekonferenz sausen lassen. Schäuble war in der Debatte über den EZB-Kurs auf Distanz zu Deutschlands obersten Notenbanker gegangen. Weidmanns Pressestelle verwies auf Termine in Frankfurt. Der Bundesbank-Chef wollte sich mit Italiens Wirtschafts- und Finanzminister Vittorio Grilli treffen - am Nachmittag. Ein Grund, der in Berlin nicht jeden überzeugt haben dürfte.

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