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Ukraine-Krieg: Wieder fallen Russlands Bomben auf Kiew – das geschah in der Nacht

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Von: Franziska Schwarz

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Weiter stehen ukrainische Städte unter Beschuss, nach US-Informationen nehmen die russischen Truppen verstärkt Zivilisten ins Visier. Die Entwicklungen der Nacht.

Kiew -  Die russische Armee nimmt im Ukraine-Konflikt* zunehmend Zivilisten ins Visier - so schildert es die Regierung unter US-Präsident Joe Biden*. Es seien bereits „hunderte, wenn nicht tausende Zivilisten getötet oder verletzt worden“, sagte US-Außenminister Antony Blinken.

Die Folgen für die Bevölkerung seien „erschütternd“. Das russische Militär greife Gebäude und Städte an, die „keine militärischen Ziele sind“, betonte er: „Die humanitären Auswirkungen werden in den kommenden Tagen noch zunehmen.“

Experten verurteilen Einsatz von Streumunition in der Ukraine

Experten prangern unterdessen den Einsatz von Streumunition gegen die ukrainische Bevölkerung an. Das berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa) und zitiert Simone Wisotzki von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung: „Wir müssen uns auf schlimmes Leid einstellen.“

Streumunition sei keine Präzisionswaffe, so Wisotzki. Bilder und Videos vor allem aus Charkiw, der zweitgrößten ukrainischen Stadt, zeigten Explosionen und Munitionsreste, die sich dieser Munitionsart zuordnen lassen. Mehrere Menschen, unter ihnen auch Kinder, seien so bereits ums Leben gekommen.

Als Streumunition werden Raketen oder Bomben bezeichnet, die noch in der Luft über dem Ziel zerbersten und eine Vielzahl kleiner Sprengkörper freisetzen. Diese Mini-Bomben fallen dann verstreut zu Boden und sind für Menschen in der Nähe tödlich. Streubomben sind in den meisten Ländern der Welt geächtet.

Ein zerstörtes Café in Charkiw am 2. März 2022.
Zerstörungen in Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine © SERGEY BOBOK/AFP

Ukraine-Konflikt: Neue Videobotschaft von Selenskyj

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj* hat den Gegnern seines Landes einen harten Kampf angesagt. „Sie werden hier keinen Frieden haben, sie werden hier kein Essen haben, sie werden hier keine ruhige Minute haben“, sagte der 44-Jährige in der Nacht zum 3. März in einer Videobotschaft auf Facebook.

Besetzer würden von den Ukrainern nur eine Sache bekommen: „Eine solch heftige Gegenwehr, dass sie sich für immer daran erinnern, dass wir das Unsere nicht hergeben.“

Ukraine-Krieg: Luftalarm und Explosionen in Hauptstadt Kiew

In Kiew wurde der Agentur Unian zufolge Luftalarm ausgelöst. Videos kursierten online, die gewaltige Detonationen in der ukrainischen Hauptstadt zeigten. Zunächst war unklar, ob es sich etwa um einen Luftangriff handelt und was die Ziele gewesen sein könnten. Der Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb in Telegram: „Der Feind versucht, in die Hauptstadt durchzubrechen.“

Zuvor hatte ein Geschoss südlich des Kiewer Hauptbahnhofs mindestens einen Mensch verletzt. Ein Mann kam laut örtlicher Behörden mit einer Schrapnellwunde am Bein ins Krankenhaus. Ukrainische Medien berichteten zudem über Kämpfe in Vororten der Millionenstadt. Dabei soll ein russisches Flugzeug abgeschossen worden sein.

Zwei Polizisten in Kiew transportieren die Leiche eines bei einem Luftangriff getöteten Passanten.
Szene aus Kiew vom 2. März: Zwei Polizisten transportieren die Leiche eines bei einem Luftangriff getöteten Passanten. © ARIS MESSINIS/AFP

Ukraine-Konflikt: Russische Truppen nehmen Großstadt Cherson ein

Die ukrainischen Behörden bestätigten in der Nacht, dass die russische Armee die Hafenstadt Cherson eingenommen hat. Regionalverwaltungschef Gennady Lakhuta schrieb in Telegram, russische „Besatzer“ seien in allen Stadtteilen und „sehr gefährlich“. Cherson ist eine Großstadt im Süden des Landes mit mehr als 290.000 Einwohnern.

Chersons Bürgermeister Igor Kolychajew berichtete von „enormen Schwierigkeiten, die Toten zu bergen und zu begraben“ sowie bei der Versorgung mit Essen und Medikamenten. Er schrieb auf Facebook, er habe den Russen „keine Versprechungen gemacht“ und sie „aufgefordert, nicht auf Menschen zu schießen“.

Kolychajew rief eine Ausgangssperre aus und verhängte Beschränkungen über den Fahrzeugverkehr. „Bis jetzt läuft alles gut. Die Flagge, die über uns weht, ist die ukrainische. Und damit das so bleibt, müssen diese Forderungen respektiert werden“, schrieb er.

Ukraine-Krieg: Kampf um strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol

Auch die Hafenstadt Berdjansk wurde bereits von russischen Truppen erobert, ein Angriff auf die Hafenstadt Mariupol (etwa 440.000 Einwohner) läuft. Mariupol liegt nahe der sogenannten Kontaktlinie zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischer Armee im Verwaltungsbezirk Donezk. Die Stadt hat strategisch große Bedeutung.

„Heute war der schwierigste und grausamste Tag der sieben Tage des Krieges“, teilte Mariupols Bürgermeister Wadim Boitschenko in Telegram mit. Auch Wohngebäude würden von der russischen Armee beschossen. Wichtige Infrastruktur sei beschädigt: „Wir sind wieder ohne Licht, ohne Wasser, ohne Heizung“, schilderte er.

Den Behörden zufolge sind in Mariupol bei Luftangriffen mittlerweile mehr als 130 Menschen verletzt worden. Die Ukraine macht die Truppen von Präsident Wladimir Putin* dafür verantwortlich. Die Angaben ließen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

Konflikt mit Russland: Weltstrafgericht ermittelt zu Kriegsverbrechen in Ukraine

Die Sanktionen gegen Russland werden ausgeweitet: In der Nacht zum 3. März ist die Sperrung des US-Luftraums für russische Flugzeuge in Kraft getreten. Zuvor hatten bereits Kanada, Großbritannien, die Schweiz und die Europäische Union wegen des Ukraine-Kriegs diesen Schritt getan.

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hat Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen in der Ukraine aufgenommen. (frs/AFP/dpa) *Merkur.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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