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Kiew-Attacke während UN-Besuch: Siko-Chef verurteilt Putin scharf – „Man denkt, man kann nicht tiefer sinken“

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Noch während des Besuchs von UN-Generalsekretär Guterres schlugen Raketen in Kiew ein. Siko-Chef Heusgen verurteilt Russlands Angriff.

Berlin/Kiew – Erstmals seit zwei Wochen ist Kiew im Ukraine-Russland-Krieg angegriffen worden – just während des Besuchs von UN-Generalsekretär Antonio Guterres. „Ich war geschockt, davon zu hören, dass in der Stadt, in der ich mich aufhalte, zwei Raketen explodiert sind“, äußerte sich Guterres zu dem russischen Beschuss.

Christoph Heusgen, neuer Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, hat in einem Gespräch mit dem Radiosender rbb24 am Freitag den Angriff mit scharfen Worten verurteilt. Dieser sei ein weiterer Beweis dafür, dass Russlands Präsident Wladimir Putin keinen Respekt vor dem internationalen Recht habe. „Man denkt immer, man kann nicht tiefer sinken, aber Putin schafft das trotzdem immer noch“, sagte Heusgen.

Ukraine-Krieg: Nach Kiew-Angriff während Besuch von UN-Chef Guterres wählt Siko-Chef harte Worte gegen Putin

Dennoch sprach sich Heusgen für die diplomatischen Bemühungen von UN-Chef Guterres aus. Es sei gut gewesen, dass Guterres nach Russland gereist sei. Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Kritik geübt, dass sich der Portugiese als erste Etappe nach Moskau aufmachte, statt nach Kiew.

Christoph Heusgen.
Christoph Heusgen. © dpa

„Er hat Putin eine Möglichkeit eröffnet, mit der UNO zu verhandeln, wenn sich der Kreml-Chef denn darauf einlässt“, äußerte sich Siko-Chef Heusgen zu den Bemühungen. Man müsse in einer solchen Situation, in der jeden Tag Menschen sterben, „alles versuchen, um weiterzukommen.“Den Ukraine-Krieg ordnete Heusgen folgendermaßen ein: „Es wird oft dargestellt, Westen gegen Osten und so weiter, die Verlängerung des Kaltes Krieges. Nein, hier geht es um die Verletzung der UN-Charta.“

Weiter gab er sich bei rbb24 überzeugt, dass nur Putin den Krieg beenden könne. „Man muss ihm immer die Türe offen halten, mit Verhandlungen aus dieser Sackgasse zu kommen und ansonsten muss man den Preis erhöhen“, gab sich der ehemalige UN-Botschafter Deutschlands überzeugt. Denn: „Wenn Putin die Verwirklichung seines Ziels gelungen wäre, eine neue Regierung in Kiew zu installieren, die Ukraine nach Russland sozusagen einzugemeinden, wer garantiert, dass er dann aufhört?“ Eine andere Stoßrichtung hatte ein am Freitag veröffentlichter Appell deutscher Prominenter an Kanzler Olaf Scholz.

Ukraine-Russland-News: Russische Truppen beschießen erstmals seit zwei Wochen Kiew

Russische Truppen feuerten während des Kiew-Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres mehrere Raketen auf die ukrainische Hauptstadt ab. Dabei wurden zehn Menschen getötet oder verletzt. Russlands Militärführung hatte in dieser Woche damit gedroht, die ukrainische Hauptstadt anzugreifen, auch wenn sich dort ausländische Politiker zu Besuch aufhielten.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, und Antonio Guterres, trafen sich in Kiew.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, und Antonio Guterres, trafen sich in Kiew. © dpa/Ukrainian Presidential Press Offic

Der Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Michail Podoljak, sagte, vor kurzem noch habe Guterres im Kreml gesessen und „heute gibt es nur einen Kilometer von ihm entfernt Explosionen. Ist das ein Gruß aus Moskau?“ Ein weiterer Präsidentenberater kritisierte die Raketenangriffe als „dümmste Variante überhaupt“. Russland habe Guterres mit diesem Angriff „in den Rücken geschossen“, äußerte Olexyj Arestowytsch.

Russland selbst bestätigte am Freitag den Angriff auf Kiew. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, sagte am Freitag in Moskau, Hochpräzisionsraketen mit großer Reichweite hätten Fabrikgebäude des ukrainischen Raketenherstellers Artem getroffen. Den genauen Zeitpunkt der russischen Angriffe nannte er nicht. (aka/dpa)

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