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Etliche Proteste in Russland: Putin greift rigoros durch - Selenskyj fleht: „Kämpft für uns!“

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Von: Stephanie Munk

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Polizisten nehmen einen Mann in St. Petersburg während eines Protests gegen Russlands Angriff auf die Ukraine fest.
Polizisten nehmen einen Mann in St. Petersburg während eines Protests gegen Russlands Angriff auf die Ukraine fest. © Dmitri Lovetsky/dpa

Tausende Russen riskieren harte Strafen, indem sie gegen ihren Präsidenten Putin und den Ukraine-Krieg auf die Straße gehen. Ukraines Präsident Selenskyj wandte sich im Fernsehen direkt an die Demonstranten.

Moskau - Der Westen sieht Russlands Präsidenten Wladimir Putin* im Ukraine-Konflikt* klar als Kriegstreiber. Doch das russische Regime hat seine eigene Deutung der Ereignisse: Putin rechtfertigt seinen Einmarsch in die Ukraine mit einem angeblich drohenden Genozid im Land. Diese Deutung propagieren auch die russischen Medien - und laut einem Bericht von ntv glauben die meisten Menschen Putins Propaganda. Eine ntv-Russland-Reporterin berichtet, sie habe mit zahlreichen Russen gesprochen: „Viele argumentieren so, dass Russland die Menschen doch nicht alleine lassen kann, wenn ein Genozid droht und die Menschen um Hilfe bitten.“

Trotz alledem gibt es auch in Russland Menschen, die gegen Putin und den Ukraine-Krieg protestieren. Sie riskieren harte Strafen, denn die russischen Behörden haben vor Protestaktionen gewarnt und mit Festnahmen gedroht. Wer an Kundgebungen zur „angespannten außenpolitischen Lage“ teilnehme, werde strafrechtlich verfolgt, hieß es.

Ukraine-Konflikt: Russische Demonstranten werden inhaftiert

In Online-Netzwerken wurde dennoch zu Demonstrationen aufgerufen. Das Bürgerrechtsportal Owd-Info registrierte bis zum Donnerstagabend Proteste in etwa 44 russischen Städten, die größten fanden in Moskau und St. Petersburg statt. In der russischen Hauptstadt Moskau riefen etwa 1000 Menschen auf dem zentralen Puschkin-Platz: „Nein zum Krieg!“

1700 Menschen sind nach Angaben von Bürgerrechtlern bei Demonstrationen festgenommen worden, davon mehr als 700 in der Hauptstadt Moskau und mehr als 340 in St. Petersburg.  Die UNO geht davon aus, dass „mehr als 1800 Demonstranten verhaftet wurden“, sagte Ravina Shamdasani, Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros. „Die Festnahme von Menschen, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung oder friedliche Versammlung wahrnehmen, stellt eine willkürliche Freiheitsberaubung dar“, kritisierte die Sprecherin.

Ukraine-Krieg: Selenskyj fleht russische Demonstranten in TV-Ansprache an

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj* rief die russische Bevölkerung in einem leidenschaftlichen Appell im TV zum Protest gegen den Angriff auf die Ukraine auf. Selenskyj wandte sich in Russisch direkt an die Demonstranten in Russland: „Wir sehen euch. Und das bedeutet, dass ihr uns gehört haben. Das bedeutet, dass ihr uns glaubt. Kämpft für uns. Kämpft gegen den Krieg.“

Von der Opposition in Russland hat Putin im Ukraine-Konflikt nicht viel zu befürchten: Sie ist in den vergangenen beiden Jahren deutlich geschwächt worden. Die wichtigsten Anführer wurden inhaftiert oder ins Exil getrieben. Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny* hat den russischen Einmarsch in die Ukraine scharf kritisiert. „Ich bin gegen diesen Krieg“, sagte er. Bei dem „Krieg zwischen Russland und der Ukraine“ handele es sich um ein Manöver des Kreml, um von den innenpolitischen Problemen in Russland abzulenken.

Ukraine-Krieg: Weltweit wird gegen Putin und Russland protestiert

Auch außerhalb Russlands sind die Proteste groß. Der Einmarsch Russlands hat international Wut und Bestürzung ausgelöst. Rund um den Globus gingen Demonstranten aus Solidarität zur Ukraine auf die Straße. Gebäude und Monumente wurden in den blau-gelben Farben der ukrainischen Flagge beleuchtet - vom Brandenburger Tor über das römische Kolosseum und Downing Street 10 in London bis zur Flinders Street Station im australischen Melbourne. (smu/dpa/afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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