Hammer-Einschaltquote?

Jeder zweite Deutsche will Kanzlerduell sehen

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Am Sonntag, 1. September, kämpft Angela Merkel gegen Peer Steinbrück - live in einem 90-minütigen TV-Duell, das die Sender

München - Das Kanzler-TV-Duell 2009 galt als stinklangweilig. Heuer könnte es zwischen Merkel und Steinbrück eher krachen. Eine Umfrage prognostiziert eine Hammer-Einschaltquote: Jeder zweite Deutsche will einschalten.

Am Sonntag, 1. September, kämpft Angela Merkel gegen Peer Steinbrück - live in einem 90-minütigen TV-Duell, das die Sender Das Erste, ZDF, RTL und ProSieben zeitgleich ab 20.30 Uhr übertragen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnis für die TV-Zeitschrift "Hörzu" ist das Zuschauerinteresse gigantisch: 52 Prozent der Deutschen werden definitiv einschalten, lediglich 3 Prozent der TV-Zuschauer sind noch unentschieden. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 sagten im Vorfeld nur 26 Prozent der TV-Zuschauer, dass sie einschalten würden. Das Interesse hat sich also verdoppelt.

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Den Grund dafür analysiert der Medienexperte Prof. Dr. Jo Groebel wie folgt: "2013 ist aus mehreren Gründen mit harten Attacken zu rechnen. 2009 standen sich mit Merkel und Steinmeier zwei Kontrahenten gegenüber, die am liebsten zusammen die nächste Regierung gebildet hätten - das TV-Duell 2009 war ein höfliches Gespräch. Das ist 2013 anders. Steinbrück hat sich klar als 'Alles oder nichts'-Kandidat positioniert."

Moderiert wird das Duell von Anne Will (Das Erste), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und Stefan Raab (ProSieben). Laut Groebel gibt es drei Themenbereiche, mit denen die Moderatoren die Duellanten ins Schwitzen bringen können: "Merkel könnte die Frage nach all den Ministern, zu denen sie 'vollstes Vertrauen' hatte und die dennoch ihren Hut nehmen mussten, aus der Ruhe bringen. Dazu zählen Jung, Guttenberg, Brüderle, Roettgen und Schavan. Ebenfalls weniger willkommen sind der Kanzlerin Fragen zur NSA und dazu, warum sie nicht zu wissen scheint, was die deutschen Geheimdienste machen. Steinbrück würde die Frage nach der Beherrschung seines Temperaments ein bisschen Mühe bereiten - und wie er das mit politischer Diplomatie verbinden will." Laut TNS Emnid glauben 28 Prozent der Deutschen den Wahlversprechen von Merkel - aber nur 17 Prozent jenen von Steinbrück.

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Anders als unter Gerhard Schröder gibt es mit Angela Merkel nur ein TV-Duell. Den Grund dafür benennt Dr. Elke Ramlow vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung wie folgt: "Die Bundeskanzlerin sieht keinen Grund, von der Tradition der Bundestagswahlen 2005 und 2009 abzuweichen." Prof. Groebel bewertet das wie folgt: "Merkels Entscheidung ist absolut richtig - aus ihrer Sicht. Je weniger Raum sie dem Kontrahenten bietet, desto weniger wird er als gleichwertig angesehen. Taktisch ist es aber genauso richtig, dass die Opposition zwei Duelle fordert."

Volker Weicker, der das TV-Duell seit 2002 als Regisseur verantwortet, verriet "Hörzu" , auch 2013 wieder Herr über rund 25 Mitarbeiter während des Duells zu sein - zu ihnen zählen bis zu neun Kameramänner, ein Maskenbildner sowie Kabelhilfen. Studiopublikum wird es nicht geben. Weicker: "Darauf haben sich alle Beteiligten 2002 festgelegt. Meiner Meinung nach könnte das Duell etwas lockerer über die Bühne gehen - aber man hat sich nun mal auf gewisse Regeln verständigt."

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Laut Prof. Groebel entscheidet die Presse darüber, wer als Sieger aus dem TV-Duell hervorgeht: "2013 werden wir einen 'Second Screen'-Wahlkampf haben - auf Facebook, Twitter und Youtube. Das können jene Faktoren sein, die über ein bis zwei Prozent der Wählerstimmen entscheiden." Insofern sei das TV-Duell möglicherweise wahlentscheidend.

zr

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